Die erste von Silvia Armbruster gestaltete TiK-Spielzeit bietet viel Neues

Aufbruch "Zu neuen Ufern"

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Theateratmosphäre mit blauem Bühnenlicht bei der Vorstellung des neuen TiK-Spielplans: (v.li.) Richard Klug vom Allgäuer Regionalverband für zeitgenössischen Tanz, Silvia Armbruster, Künstlerische Leiterin TiK, OB Thomas Kiechle und Konzertorganisator Dr. Franz Tröger.

Kempten – „Zu neuen Ufern“ hat Silvia Armbruster, Künstlerische Leiterin des THEATERINKEMPTEN (TiK) ihre erste selbst geplante Spielzeit 2016/17 überschrieben. Ein Titel, der durchaus Programm ist. Armbruster hat in der jetzigen, noch von ihrer Vorgängerin Nikola Stadelmann zusammengestellten Spielzeit, nicht nur durch einige eigene Akzente ein hors d’œvre für nun „ihre“ Spielzeit geliefert. Sie hat die Zeit gleichermaßen genutzt, um Neues anzustoßen und zu den alten (unter anderem Jazzfrühling, Tanzherbst, Classix Kempten) auch neue Kooperationspartner, von der Hochschule Kempten bis Weihnachtsmarkt, ins TiK-Boot zu holen.

So ist laut TiK-Mitarbeiterin Sandra Vollmer zum Beispiel ein theaterpädagogisches Angebot zustande gekommen, das bei Kindern und Jugendlichen in Punkto Theater Neugierde wecken und Hemmschwellen abbauen soll. Video-Trailer von den TiK-Eigenproduktionen werden vom P-Seminar des Allgäu-Gymnasiums erstellt. Eine über die Schultheatertage (STT) hinausgehende Kooperation mit dem Amt für Jugendarbeit und dem Stadtjugendring bietet Jugendlichen eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Radikalismus. Nachdem der Workshop für Maskenbild in der noch laufenden Spielzeit bereits erfolgreich durchgeführt worden war (Ergebnisse bebildern das neue Programmbuch), gibt es 2016/17 eine Neuauflage, diesmal auch für Erwachsene. Darüber hinaus wurde die Sparte Workshop ausgeweitet mit den Angeboten „Atem und Stimme“ sowie „Bühnenkampf“. Zusammen mit dem Haus International wird ein Theater-Club allen Interessierten einen umfassenden Einblick in die Theaterarbeit liefern, natürlich unter fachkundiger Leitung. Gestartet ist die neue Kooperation mit den Kemptener Museen bereits heuer. Unter MUSEUM IM THEATER (MIT) war die Fotoausstellung MYCAI zu sehen. 2017 folgt nun ein quasi „Gegenbesuch“ mit THEATER IM MUSEUM (TIM).

Zur Wiederaufnahme von „Malala – Mädchen mit Buch“ gesellen sich vier neue Eigenproduktionen: „Dschihad-One Way“ mit dem Theater Hof, „An der Arche um Acht“ mit dem allgäuEnsemble, „Madame Bovary“ mit dem Theater Wahlverwandte sowie „Das Ballhaus“, laut Armbruster „das erste Kemptener Bürgertanztheater“ und eine „besondere Eigenproduktion“. Ein interessantes und vielversprechendes Repertoire zeigt sich auch in der Sparte Schauspiel mit Tragödie bis Komödie, mit Musical bis Tanz. Eher unter schwerer Kost dürfte „Srebrenica“ fallen, eine Produktion des Hamburger Thalia Theaters; Heiteres verspricht dagegen „Hundert Quadratmeter“ mit Beatrice Richter und Judith Richter und mit der „Oper auf Bayerisch“ sowie der Musical Gala mit Studenten der Theaterakademie August Everding und „Babel and the Goodmen“ beginnt sich auch diese Sparte im TiK zu etablieren.

Ein beschwingtes Silvesterkonzert plus acht außergewöhnliche Meisterkonzerte (MK) hat Dr. Franz Tröger einmal mehr aus dem Hut gezaubert: unter anderem Schuberts Winterreise, „aufgemöbelt“ mit einer Lesung (Wolfgang Seidenberg) aus Briefen und Zeugnissen des Komponisten, wie der Konzertorganisator meinte. Mit dem Bassbariton Ralf Lukas (Klavierbegleitung: James Alexander) wird dabei nicht der einzige Musiker mit Wurzeln in Kempten die Konzertsaison im TiK bereichern. Die heute als Solohornistin beim Sinfonieorchester des NDR beschäftigte Claudia Strenkert stammt aus Kempten und wird als Mitglied des „Solistenensemble“ um den Wiener Geiger Christian Altenburger ein Konzert unter anderem mit zwei nur selten aufgeführten Stücken bestreiten: dem Quintett für Klarinette, Horn und Streichtrio von Ralph Vaughan Williams (1872 – 1958) sowie dem Sextett für Klarinette, Horn, Streichtrio und Klavier von Ernst von Dohnányi. Zudem gibt es eine Wiederbelebung der Klavierreihe „solopiano“ – sozusagen als Testlauf mit zwei Terminen – für die Tröger Bernd Glemser und Cyprien Katsaris, der angekündigt habe improvisieren zu wollen, wie es früher üblich gewesen sei, zu verpflichten.

Ein spannendes Programm für den 16. Kemptener TANZherbst konnte Richard Klug vom Allgäuer Regionalverband für zeitgenössischen Tanz vorstellen und gleich auch eine brandaktuelle Änderung: aus Termingründen habe die britische Hofesh Schechter Company absagen müssen. Ihren Termin am Ende des Festivals übernimmt die ursprünglich für den Auftakt geplante französische Melodie Cecchini Company. Den Festivalstart werden „Saba“ + „Kokoro“ von Lali Ayguade (Spanien) bestreiten. Neben den Tanzperformances mit „fünf hervorragenden Companies“ werden sich unter anderem auch die TANZszene Schwaben und JungerTanzSchwaben wieder präsentieren und ein Workshop-Programm zur Teilnahme einladen.

Neu: THEATERCARD 

Die neue Spielzeit hat auch im Erscheinungsbild des Programmheftes ein komplett neues Gesicht bekommen, das im ersten Moment ein wenig an ein Retro-Telefonbuch erinnert, dazu ein verschlanktes Abo-System, wie es sich „an anderen Theatern bereits vielfach bewährt hat“, so Steffi Kutz vom TiK-Team. Neben den Fest-Abos gibt es ab der kommenden Saison statt der Misch- und Wahl-Abos die THEATERCARD, eine „Rabattkarte“, die wie die Bahn-Card funktioniere. Damit kann man entweder spontan entscheiden wann und wie man ins Theater gehen will, aber das Theaterjahr auch mit einem Vorkaufsrecht fix planen. Zur Verfügung stehen THEATERCARDSOLO (eine Person), THEATERCARD DUO (mit einer Begleitperson) und für Theaterbesucher bis 25 Jahre die THEATERCARD SMOMBI mit Theaterflatrate.
Christine Tröger

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