80 Millionen Euro werden in Vorhaben der Sozialbau investiert

325 neue Wohnungen

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Glückliche Gesichter bei OB Thomas Kiechle (li.) und Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer, als sie die konkreten Projekte im Rahmen des Kemptener Modells vorstellten.

Kempten – Als „gute Nachrichten für viele, die eine Wohnung suchen“ bezeichnete OB Thomas Kiechle, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Sozialbau, die Neubauprojekte in Kempten, in die in den kommenden drei Jahren rund 80 Millionen Euro investiert werden.

Insgesamt 325 neue Wohnungen hat die Sozialbau bereits im Bau oder in Kürze als Neubauprojekte am Start. 180 davon sollen als Mietwohnungen errichtet werden. Damit entsteht auf dem Kemptener Wohnungsmarkt ein neues Angebot für rund 750 Bürger. „Wir nutzen dabei das Bayerische Wohnungsbauförderungsprogramm, das in den letzten Monaten auch mit neuen Mitteln ausgestattet wurde, in Teilen mit“, erklärt Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer. Da das Programm aber als „nicht ganz optimal“ befunden wurde, wurde mit Unterstützung von Kiechle, Singer, Innenminister Joachim Herrmann und der Obersten Baubehörde in München für die Stadt Kempten das Modell „Wohnen für die Mitte“ kreiert, das im Rahmen der aktuellen sozialen Wohnungsbauförderung platziert ist.

Dieses Modell, das Singer bereits im November vergangenen Jahres dem Stadtrat vorgestellt hatte (der Kreisbote berichtete), ist so angelegt, dass 110 neue Mietwohnungen für die bürgerliche Mitte gefördert werden und die Sozialbau dafür „stellvertretend“ in den kommenden drei Jahren rund 275 sozial gebundene, zusätzliche Mietwohnungen an Geringverdiener, wie Rentner mit kleinem Einkommen oder anerkannte Flüchtlinge, in ihren rund 3900 Bestandsmietwohnungen in der Stadt Kempten anbietet. „Für die Ausnahme für unser Modell müssen wir eine Gegenleistung erbringen“, erklärt Singer die Bindungswirkung „Sozialwohnungen 2.0“, die voraussichtlich die nächsten 25 Jahre gelten soll. „Es gibt aber meistens noch einen bewussten Handlungsspielraum, der von beiden Seiten angestrebt wird.“

Dadurch, dass beide Zielgruppen (Geringverdiener und bürgerliche Mitte) bedient werden, stelle das Modell einen „echten Mehrwert“ für die Stadt Kempten und deren Bürgerinnen und Bürger dar, sind sich Kiechle, Singer und dessen Stellvertreter Martin Langenmaier einig. So werden die 110 geförderten Neubau-Mietwohnungen für den Mittelstand zum Preis von etwa 7 bis 7,50 Euro pro Quadratmeter vermietet, die 275 neuen Sozialwohnungen aus dem Bestand für durchschnittlich rund 5 Euro pro Quadratmeter.

Entscheidend sei bei den Vorhaben auch, die Fehler der Vergangenheit nicht ein zweites Mal zu machen, so Kiechle in Hinblick auf die schwierige Zusammensetzung im Thingers in der Vergangenheit, die aber bis heute „gewinnbringend bewältigt“ worden sei. Thingers sei zwar ein schwieriger Stadtteil gewesen, zeige sich aber seit Jahren als unproblematisch, ergänzt Singer. „Wir haben hier eine Fluktuation von sechs bis sieben Prozent, das ist unterdurchschnittlich und zeigt, dass sich die Menschen dort sehr wohl fühlen.“

Projekte im Thingers und in der Weberei 

So sollen dort im Rahmen des „Kemptener Modells“ 36 Mietwohnungen im MehrGenerationenWohnen zur Gestaltung der „Neuen-Mitte-Thingers“ entstehen. Der Abbruch der dort bestehenden Parkgarage laufe bereits, der eigentliche Baustart sei dann für Mai diesen Jahres geplant, kündigt Singer an. Doch damit im Thingers nicht genug: 28 Mietwohnungen sollen im Schwalbenweg als „Wohnen am Weiher“ angeboten werden. Das neue Gebäude soll als Nahverdichtung dienen, denn in dem bestehenden Wohnquartier gebe es ein freies Grundstück, Infrastruktur und Anbindung seien bereits vorhanden.

Weitere 46 Mietwohnungen werden als „Wohnen in der Weberei“ an der Keselstraße (heutige Sheddach-Hallen an der Iller) errichtet, wie in der Aufsichtsratssitzung vor acht Tagen beschlossen wurde. „Das wird mal was ganz anderes“, betont Kiechle. Neben Familienwohnungen sollen dort auch Kleinwohnungen mit rund 50 Quadratmeter und 3-Zimmer-Maisonette-Wohnungen entstehen – „cooles und junges“ Wohnen, wie Singer betont.

Weitere Projekte laufen bereits 

Außerhalb des Kemptener Modells hat die Sozialbau derzeit noch weitere Projekte am Laufen: zum einen entstehen an der Jakobwiese-Süd-West derzeit 98 Wohnungen, wovon 23 von der Sozialbau zu „marktüblichen Preisen“ vermietet werden. Zum anderen ist am vergangenen Donnerstag der Bagger in der Memminger Straße angerollt, wo im Rahmen des „Stiftsstadt-Wohnen“ insgesamt 120 Wohnungen entstehen werden (davon 45 Sozialbau-Mietwohnungen).

Das besondere am Kemptener Wohnungsmarkt sei, so Singer, dass ein Drittel aller Mietwohnungen ein Preisniveau von rund 5 Euro pro Quadratmeter hätten, ein „wertvoller Basissockel im Vergleich zu anderen Städten“. Dann gebe es noch den freien Markt (z.B. Kapitalanleger als Vermieter) mit einer höheren Preisklasse. „Wir brauchen aber Wohnungen, die im Preis dazwischen liegen“, erklärte er. Daher sei das Kemptener Modell „Wohnen für die Mitte“ ins Leben gerufen worden, das nicht nur für die Stadt Kempten sondern für die meisten bayerischen Städte in ähnlicher Weise anwendbar sei, um kurzfristig den sehr hohen Bedarf an günstigen Mietwohnungen zu multiplizieren.

„Ich bin sehr stolz auf die neuen Möglichkeiten“, zeigt sich Kiechle erfreut über die neuen Projekte. Politisch betrachtet sei bezahlbarer Wohnraum neben Qualifizierungs- und Arbeitsmöglichkeiten ein maßgebliches Thema der Zukunft. Deshalb stelle das Kemptener Modell eine große Chance für die Stadt dar.

Lea Stäsche

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