Neuer Aufsichtsrat

Vorsitzender Gebhard Kaiser dankt ab, Hans-Joachim Weirather übernimmt

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Überlässt ihm das Feld: Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende des Klinikverbunds Gebhard Kaiser (l.) mit seinem Nachfolger Hans-Joachim Weirather (r.).

Kempten/Allgäu – Mit Ehrwürdigungen und Lob verabschiedet der Aufsichtsrat den langjährigen Vorsitzenden Gebhard Kaiser. Seinen Nachfolger Hans-Joachim Weirather erwarten gesundheitspolitische Herausforderungen und die unklaren Auswirkungen der Corona-Krise.

Mit Standing Ovations würdigten Wegbegleiter und Aufsichtsratsmitglieder am vergangenen Donnerstag Gebhard Kaiser im Festsaal des „Mäsers“ in Wiggensbach. Den Posten des Vorsitzenden hatte der 71-Jährige gerade formell an seinen Nachfolger Hans-Joachim Weirather abgegeben. Große Emotionen blieben verborgen, aber ein flüchtiges Lächeln huschte über sein Gesicht. Die Laudationen, Anekdoten und Geschenke auf den Altlandrat folgten sogleich. 

„Wer es wagte, ihm zu wiedersprechen, der hatte seine Anerkennung“, würdigte Weirather den abdankenden Kaiser mit einem Augenzwinkern. Lachen und Kopfnicken bei den Anwesenden im Saal. Eine offene und ehrliche Diskussionskultur, bei der die Fetzen auch mal flogen, aber nie der Respekt verloren ging – das sei Kaisers Markenzeichen gewesen, lobte er. Die Sektgläser klirrten im Anschluss. 

Neue Ära des Klinikverbunds bricht an

Kaisers Abschied sei „eine echte Zäsur“, so Andreas Ruland, Vorsitzender Geschäftsführer. Eine neue Ära des Klinikverbunds breche nun an, denn der langjähriger Landrat des Landkreises Oberallgäu, hatte die Geschicke des Klinikverbunds seit Anfang der 1990er-Jahre geführt und war maßgeblich verantwortlich für seine Entwicklung. Eine seiner letzten großen Amtshandlungen war die Fusion mit den Kreiskliniken Ottobeuren und Mindelheim im vergangenen November. Der Verbund verfügt seither über insgesamt sechs Klinikstandorte. 

„Nun liegt es an den Neuen, diese Erfolgsgeschichte fortzuschreiben“, so Ruland. Zu diesen „Neulingen“ im Aufsichtsrat gehört auch Indra Baier-Müller, Landrätin des Landkreises Oberallgäu. Sie wurde als stellvertretende Vorsitzende gewählt. Der Aufsichtsrat bestätigte auch Kemptens Oberbürgermeister Thomas Kiechle als Stellvertreter. 

Darüber hinaus wurden die folgenden Mitglieder in den 28-köpfigen Aufsichtsrat gewählt: Der Landtagsabgeordnete Ulrich Leiner (Grüne), der Allgemeinmediziner Boris Ott (Vertreter der Oberallgäuer Ärzte), Prof. Dr. Astrid Selder (Dekanin der Fakultät Soziales und Gesundheit an der Hochschule Kempten), der Allgemeinmediziner Lutz Menthel (Vertreter der Kemptener Ärzte) und der Vizepräsident der Bundesärztekammer Dr. Max Kaplan (Vertreter der Unterallgäuer Ärzte). 

Wirtschaftliche Entwicklung „etwas schlechter“

Bei den Feierlichkeiten rund um Kaisers Verabschiedung geriet die Jahresbilanz des Klinikverbunds fast in den Hintergrund. Mit einem Ergebnis von erneut rund 1,9 Millionen Euro wurde das Geschäftsjahr abgeschlossen. „Ich würde dem Jahr eine Zwei plus geben“, bewertete Ruland. Nur um wenige Tausend Euro schlechter fiel die Bilanz im Vergleich zum Vorjahr aus. Er unterstrich dabei die stabilen Patientenzahlen, erklärte aber auch, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung „etwas verschlechtert“ habe. Welche Auswirkung die Corona-Krise auf den Klinikverbund letztlich haben würde, sei noch nicht abzusehen. 

Von der Übernahme des Kemptener Physiotherapieunternehmens Fetzer & Pfund hätte die Geschäftsführung vorerst Abstand genommen, so Ruland. „Da wollen wir die Auswirkungen der Krise abwarten und verantwortlich handeln.“ Dagegen wolle man sich aber im Kerngeschäft weiterentwickeln. 31 Millionen Euro haben die Klinikträger – die Stadt Kempten und die Landkreise Oberallgäu und Unterallgäu – zugesagt, um weiter in die bauliche und technische Ausstattung der Klinikstandorte zu investieren. Zu den Hauptprojekten gehören der Neubau eines OP- und Intensivgebäudes am Klinikstandort Ottobeuren sowie Sanierungen und Erweiterungen an anderen Standorten. 

„Die große Herausforderung wird sein, Versorgungsketten stationär und ambulant zu verbessern“, prognostizierte Ruland. „Dazu gehört auch, die Nachsorge und umfassendere Versorgungsangebote zu gestalten und auch das qualifizierte Personal vor allem in der ländlichen Region dafür zu haben.“ 

„Ganz aus der Welt bin ich noch nicht“

Diesen Herausforderungen wird sich auch der neugewählte Aufsichtsratsvorsitzende stellen. „Ich unterschätze die Aufgabe nicht“, so Weirather, der in seinem neuen Amt aus seiner Erfahrung als Landrat schöpfen will. 

Der verabschiedete Gebhard Kaiser will sich nach eigenen Angaben nun mehr seinen Enkeln und der Familie widmen. „Dafür war in der Vergangenheit zu wenig Zeit“, so Kaiser beim Bankett nach der Sitzung. Führendes Mitglied in mehreren Verbänden und Gremien, wie der ZAK Holding Kempten, wird er aber weiterhin bleiben. Er sagt daher: „Ganz aus der Welt bin ich noch nicht.“ 

Cian Hartung

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