Stadtrat verabschiedet OB Dr. Ulrich Netzer nach 18 Jahren

"Ein hervorragender Bauherr"

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Bürgermeister Josef Mayr (links) steckt dem neuen Altoberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer den Ehrenring der Stadt Kempten an. Netzer ist damit der erst dritte Träger dieser Auszeichnung nach den Stadträten Dieter Zacherle und Ludwig Frick.

Kempten – Zum Schluss sind sie alle noch mal gekommen. Aktuelle Referatsleiter, ehemalige Referatsleiter, die Chefs der Beteiligungsgesellschaften, die Ehefrauen, ehemalige Stadträte, sogar Alt-OB Dr. Josef Höß sitzt auf den Zuschauerrängen.

Als Bürgermeister Josef Mayr (CSU) OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) den Ehrenring der Stadt Kempten an den Finger steckt, stehen alle auf, klatschen minutenlang. Standing Ovations für einen, der 18 Jahre lang die Geschicke der Stadt prägte wie kaum einer vor ihm. Der heutige Mittwoch, 30. April, ist offiziell der letzte Arbeitstag von Dr. Ulrich Netzer als Kemptener Oberbürgermeister. 

Am Freitag, nach dem Feiertag, wird sein Nachfolger Thomas Kiechle von der CSU die Amtsgeschäfte im Rathaus übernehmen. Netzer wird dann – als Altoberbürgermeister, so will es ein Stadtratsbeschluss vom März – seinen ersten Arbeitstag als Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes in München haben. 

Am vergangenen Mittwochabend leitete der neue Kemptener Altoberbürgermeister Netzer seine letzte Stadtratssitzung in Kempten, eine nichtöffentliche Festsitzung im großen Sitzungssaal des Rathauses. Man hat ihn in der Vergangenheit in Sitzungen schon schlechter gelaunt erlebt. An diesem Abend aber muss Netzer zehn Stadträte verabschieden, die in der neuen Wahl- periode nicht mehr im Gremium sitzen (der Kreisbote berichtete). Ihm macht die Aufgabe sichtlich Spaß. Hier ein Späßchen, dort eine ironische Anmerkung. In solchen Momenten kann Netzer sehr charmant sein. Nur an seinem Gefühlsleben lässt er selten teilhaben. 

Am vergangenen Mittwoch tut er es doch. „Ein bisschen Sentimentalität kommt jetzt doch auf“, sagte er nach der Laudatio seines langjährigen Weggefährten Josef Mayr im ersten Augenblick doch sichtlich etwas bewegt. „Es sind Nachdenklichkeit und wehmütige Gefühle“, so das scheidende Stadtoberhaupt. 

Dank an die Ehefrau 

Dann blickt er zurück: „18 Jahre lang Oberbürgermeister dieser Stadt bedeuten 18 Jahre die Aufgabe, die einem gestellt wurde, zu leben“, sagt Netzer. Das führe zwar dazu, dass sich „privates und dienstliches Leben nur schwer trennen“ lassen. Aber: „Mein Frau und ich sind dankbar für diese Zeit.“ Überhaupt, seine Frau Heidi, ehemalige Lehrerin an einer Kemptener Schule und Künstlerin. Ihr dankt er ausdrücklich und besonders: „Mit ihrer Art hat sie mir viele Sympathiepunkte bei den Allgäuern eingebracht“, betont der OB. 

Sein Dank gilt außerdem seinem langjährigen Weggefährten, Parteifreund und Stellvertreter Josef Mayr, „ohne den vieles so nicht gegangen wäre.“ Außerdem der dritten Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW), seinem Büro-Team um seiner Sprecherin Christa Eichhorst. Vor allem dankt er aber den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Kempten. 

Mayrs Laudatio hat Netzer zuvor so verfolgt wie unzählige Beiträge in den 18 Jahren im Plenum auch – den Kopf leicht nach vorne gesenkt, abgestützt auf die linke Hand, den Blick gen Boden. Mayr erinnert daran, wie Netzer vor 18 Jahren als „unbeschriebenes Blatt“ in Kempten aufschlug und erst einmal (fast) alles anders machen wollte. Ganz offensichtlich mit Erfolg.

Positive Entwicklung 

So erinnerte Mayr nicht nur an die vor allem wirtschaftlich positive Entwicklung, die sich unter Netzer vollzogen habe. Dank einer klaren Zielsetzung und zuletzt der Formulierung der „Fünf Strategischen Ziele“ konnte die Stadt in allen Bereichen vorankommen. „In der Amtszeit von OB Dr. Ulrich Netzer ist in allen Bereichen viel für die Lebensqualität geschehen“, sagte Mayr. Wenn er Kempten rückblickend mit einem Haus vergleiche, so Mayr weiter, dürfe er sagen: „Dr. Ulrich Netzer hatte als neu gewählter Oberbürgermeister mit der Stadt vor 18 Jahren ein Gebäude übernommen, das eine schwere Schuldenlast drückte.“ 

Die damit verbundenen Herausforderungen habe er gerne angenommen und begonnen, Schulden zurückzuzahlen. Daneben habe er sich darum gekümmert, das Haus selbst zu verschönern und mit Leben zu füllen, für Kinder, Familien und ältere Leute. „So war Dr. Ulrich Netzer ein hervorragender Bauherr unserer Stadt, und er übergibt nun ein Haus, in dem die Menschen gerne leben, in dem sie sich wohlfühlen, in dem sie eine Zukunft haben!“

Matthias Matz

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