"Haltung zeigen"

Neuer Integrationsbeirat startet mit der Wahl der Vorsitzenden

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Oberbürgermeister Thomas Kiechle (zweiter v. l.) gratulierte der wiedergewählten Vorsitzenden des Integrationsbeirats Ilknur Altan (Dritte v. li.) und ihren neuen Stellvertretern Anuradha Kalia und Salvatore Catania.

Kempten – Die konstituierende Sitzung des neuen Integrationsbeirats war vor allem organisatorischen Themen und der Wahl der neuen Vorsitzenden gewidmet.

Der Referent für Jugend, Schule und Soziales, Thomas Baier-Regnery, zu dessen Referat auch das Amt für Integration gehört, begrüßte die neuen BeirätInnen und ihre StellvertreterInnen und betonte, „auch wir als Stadt Kempten wollen unsere Haltung zeigen“: Es sei ein wichtiges kommunalpolitisches Anliegen, „die Vielfalt“ in der Stadt „gut zu entwickeln“, er freue sich auf „eine spannende Zusammenarbeit in diesem wichtigen Gremium“ und ermuntere die Mitglieder, ihre Meinung zu äußern. 

Amtsleiter Philipp Wagner erläuterte anschließend die Vergabe der 29 Sitze im Beirat. Anders als in vielen anderen deutschen Städte erhalten die Kemptener Integrationsbeiräte ihr Mandat nicht von den AusländerInnen und Deutschen mit Migrationshintergrund in der städtischen Bevölkerung, denn sie werden nicht gewählt, sondern von der Verwaltung ernannt. Neben zehn StadträtInnen sowie vier VertreterInnen von Wohlfahrtsverbänden und anderen einschlägig tätigen Organisationen gehören dem Beirat 15 Bürgerinnen und Bürger an, die sich beim Amt für Integration beworben haben und, samt ihrer StellvertreterInnen, auch nach einem bestimmten Schlüssel ausgewählt wurden: Neben RepräsentantInnen der fünf „Kulturkreise“ Afrika, Nordund Südamerika, Asien, Europa sowie der Arabischen Welt sitzen BeirätInnen aus den fünf größten Einwanderernationen Kemptens – aus der Türkei, Italien, Rumänien, Syrien und Polen – im Gremium, wobei für den Posten des polnischen Vertreters noch BewerberInnen gesucht werden. 

Außerdem Spätaussiedler aus den ehemaligen Sowjetrepubliken. Viele neue und junge Gesichter sind im neuen Integrationsbeirat zu sehen, die ganz überwiegende Mehrheit der Mitglieder mit Migrationshintergrund hat einen deutschen Pass, ein Sitz für Geflüchtete ohne Bleibeperspektive ist nicht vorgesehen. Nachdem Beirätin Gabriele Heilinger vom Haus International das heurige Programm des Interkulturellen Herbstes nebst Infektionsschutzkonzept vorgestellt hatte und auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle eingetroffen war, verabschiedete Wagner die bisherige Beiratsvorsitzende Ilknur Altan und ihre Stellvertreter Lajos Fischer und Rosalia Kubedinow. Altan, die dem Integrationsbeirat seit 18 Jahren angehört und das Amt 2017 von ihrem Vorgänger Siegfried Oberdörfer übernommen hatte, kandidierte wieder bei den anschließenden Neuwahlen. Ebenso wie ihre StadtratskollegInnen im Beirat gehört sie als Integrationsbeauftragte sowohl dem beratenden als auch dem Gremium an, das beraten werden soll. In ihrer kurzen Bewerbungsansprache bekundete sie, eher ein Mensch der Tat als des Wortes zu sein: „Ich helfe gerne und freue mich darauf, gemeinsam etwas zu bewegen.“ 

Ihr Gegenkandidat Lajos Fischer, der nicht als Grüner Stadtrat, sondern „als Mensch mit Migrationshintergrund“ im Beirat sitzt, hielt eine etwas längere Rede, in der er für „mehr Veränderung“ eintrat und seinen „bodenständigen Traum“ skizzierte, das Gremium zu einer engagierten „politischen Vertretung umzugestalten“. In einer Stadt, in der fast 40 Prozent der EinwohnerInnen einen Migrationshintergrund hätten, müsse der Integrationsbeirat in vielfältigen politischen Entscheidungsprozessen „gehört werden“. Auch angesichts von zunehmendem Rassismus und Diskriminierung auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt, im Alltag und in den Sozialen Medien solle das Gremium „eine Gemeinschaft“ bilden, die sich öffentlichkeitswirksam darstellen könne und aus sich heraus, „Menschen aufbaue“, die für die politische Arbeit gerüstet sind. Die BeirätInnen bestätigten Altan mit 14 von 26 gültigen Stimmen in ihrem Amt, Fischer erhielt acht, Kubedinow, die in dem Glauben, sie bewerbe sich erneut als stellvertretende Vorsitzende, irrtümlich kandidiert hatte, bekam eine Stimme. 

Zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden wählte das Gremium mit einer klaren Mehrheit von 14 Stimmen den in Kempten aufgewachsenen Italo-Deutschen Salvatore Catania. Seine Gegenkandidaten Andreas Höpting von Ikarus Thingers e. V., die aus Berlin stammende Vertreterin des asiatischen Kulturkreises Anuradha Kalia und die Spätaussiedlerin Kubedinow traten auch im nächsten Wahlgang für das Amt des zweiten Stellvertreters wieder an, wobei es zur Stichwahl zwischen den Bewerberinnen kam, die Kalia mit 16 Stimmen für sich entschied. Der Integrationsbeirat wird sich Ende Oktober zur einer Klausurtagung treffen, um Themenvorschläge zu sammeln, Arbeitsgruppen zu bilden und sich mit der weiteren Entwicklung des Kommunalen Integrationskonzepts zu beschäftigen. Das groß angelegte Projekt hat die Stadt bereits 2019 begonnen, um gemeinsam mit anderen beteiligten Akteuren für verschiedene „Handlungsfelder der Integrationsarbeit“ langfristige Ziele und geeignete Maßnahmen zu erarbeiten. Nachdem die Corona-Pandemie die Teamarbeit verzögert hat, hofft das Integrationsamt nun, dem Stadtrat im Frühling 2021 erste Empfehlungen vorzulegen. 

Antonia Knapp

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