Biene summt – Landratsamt brummt

Neues Artenschutzgesetz führt zu Mehrarbeit in Sonthofen

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Landkreis – Landrat Anton Klotz interessierte sich bei der Aufsichtsratssitzung des Zweckverbands für Abfallwirtschaft dafür, wie sich die Anlieferung von Biomasse und Grüngut in Schlatt und Burgberg entwickelt hatte. „Wegen diesem saublöden Artenschutzgesetz“, wetterte er, dürfe Grüngut nicht mehr in Senken gefüllt werden.

Durch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ sei das Bayerische Naturschutzgesetz (Artikel 16, Abs. 1, Nr. 4) dahingehend geändert worden. Das führe im Landratsamt zu Mehrarbeit. Auf Nachfrage des Kreisbote erklärte der Landrat, dass Bürger bereits Anfragen zu diesem Thema gestellt hätten. 

„Wir vermuten jedoch, dass es in der nächsten Zeit vermehrt zu Anträgen, Anfragen bzw. Anzeigen kommt“, so Klotz. Thomas Frey, Regionalreferent des „Bund Naturschutz“, hält das Senken-Füll-Verbot dagegen „für eine sehr sinnvolle Regelung“. Bodensenken seien für Insekten „absolut sinnvoll“, weil sie feuchter sind als der Rest der Wiese. Intensivwiesen, die fünf- bis sechsmal geschnitten würden, seien „absolut artenarm“. 

In Senken könnten sich andere Arten ansiedeln, Nachtfalter könnten sich zum Beispiel besser fortpflanzen. Insekten-Vielfalt nähre sich aus Strukturvielfalt, wie sie Raine, „Buckel“ oder Hecken bieten. Seiner Meinung nach stelle das das Kerndilemma dar: „Sämtliche Strukturen sind für eine bessere Bewirtschaftung verlorengegangen.“ Deshalb sollten öffentliche Gelder nur für öffentliche Leistungen wie Naturschutz vergeben werden, so seine Forderung. 

„Ich denke, da sind wir mit den Landwirten einer Meinung. Mit dem Wachstums-System sind wir jetzt an Grenzen gestoßen. Das Ziel ist: Jede Familie muss gut leben können.“ Auch andere Punkte aus dem Artenschutzgesetz lasse die Arbeitsmenge im Landratsamt steigen. Das Amt in Sonthofen muss überprüfen, ob beispielsweise das Walzverbot nach dem 15. März, das Mähverbot von außen nach innen für Flächen ab einem Hektar oder die Einhaltung des fünf Meter breiten Gewässerrandstreifens eingehalten werden. Weil gleichzeitig das Vertragsnaturschutzprogramm und die Biodiversitätsberatung gestärkt worden seien, steige die Arbeitsbelastung der Unteren Naturschutzbehörde zusätzlich. 

Das Staatsministerium für Umweltund Verbraucherschutz habe für das Jahr 2020 zwar 72 bayerischen Landkreisen 50 Biodiversitätsberater-Stellen zugesagt – auch der Landkreis Oberallgäu habe sich darum bemüht, solche Stellen zu bekommen, aber „uns wurden noch keine weiteren Stellen für Naturschutzfachkräfte zugewiesen oder in Aussicht gestellt“. Thomas Frey vom Bund Naturschutz ist mit Klotz einer Meinung: Die Aufstockung der Unteren Naturschutzbehörde ist schon lange eine Forderung von uns, sagt er. Ergänzend zu den Biodiversitätsberaterstellen seien bayernweit auch 50 sogenannte Wildlebensraumberater an den Landwirtschaftsämtern beschlossen worden. 

Susanne Lüderitz

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