Sicher und angenehm 

Neues aus dem Verkehrsausschuss im Westen, für Zentrum & Haubenschloß

Zwei Kinder auf dem Weg zur Schule
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Die Schulwegsicherheit war Thema im letzten Ausschuss für Verkehr und Mobilität.
  • vonTamara Lehmann
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Kempten – In seiner jüngsten Sitzung hat der Verkehrsausschuss einstimmig beschlossen, die Haggenmüllerstraße im Westen der Stadt 2021 auszubauen und umzugestalten. Fahrbahn und Gehwege sind sanierungsbedürftig und viele AnwohnerInnen vermissen die Bäume, die vor etwa zwei Jahren wegen Pilzbefall und anderer Schäden gefällt werden mussten.

Die Pläne des Amts für Tiefbau und Verkehr sehen vor, die bisherige Tempo-30-Zone in einen verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln, die Einbahnstraßenregelung beizubehalten, für Barrierefreiheit zu sorgen und in der Straßenmitte einen gepflasterten Platz zu schaffen, der mit Bäumen, Sträuchern und Grünflächen zum Verweilen einladen soll. Nach dem Umbau werden demnach von den bislang 29 Parkplätzen 20 verblieben sein. Klaus Knoll (Freie Wähler) und Josef Mayr (CSU) äußerten die Befürchtung, dass der Verlust von neun Parkplätzen dazu führen werde, dass AutofahrerInnen in dieser Gegend noch häufiger lange Wege zurücklegen müssten. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann verwies darauf, dass es sich – abgesehen vom Getränkemarkt nahe der Einmündung in die Bodmanstraße – um eine „reine Anliegerstraße“ handle und die Anwohnerparkplätze ohnehin auch im Umfeld der Haggenmüllerstraße verteilt seien.

Mayr erinnerte daran, dass man in den vergangenen Jahren „viele ähnliche Planungen“ beschlossen habe, von denen „einige“ inzwischen verwirklicht worden seien; allerdings fehle ein „Überblick über die Summe der nicht realisierten Vergaben“: „Welche Maßnahmen sind in der Warteschleife?“ Wiedemann bestätigte, dass die Stadt eine „riesige Bugwelle“ vor sich herschiebe, zahlreiche Straßen und Wege seien in einem ähnlich schlechten Zustand, etwa der Leichtle und der Spitalweg. Er werde dem Ausschuss eine Liste der ausstehenden Straßenbaumaßnahmen vorlegen. Der Ausbau der Haggenmüllerstraße sei „dringend notwendig“, auch um einen „Finanzierungsstau“ zu vermeiden, so der Amtsleiter. Die Baukosten von 675.000 Euro seien im Haushalt für das kommende Jahr bereits „verankert“.

Lieferzeiten und Lärmschutz

Mehrere Veränderungen hat der Verkehrsausschuss auch für die Fußgängerzone beschlossen: Da sich die Anwohner durch den Lieferverkehr in ihrer Nachtruhe gestört fühlten, hat das Gremium einstimmig entschieden, die Lieferzeiten zu verändern: Zukünftig sind in der Fußgängerzone sowohl Lieferverkehr als auch motorisierter Anwohnerverkehr zwischen 6 und 10.30 Uhr sowie zwischen 18 und 22 Uhr erlaubt. Bisher galt, dass sonntags bis freitags von 19 bis 10.30 Uhr angeliefert werden darf, samstags war Anliefern oder Abholen von 10 bis 18 Uhr gestattet. Wie Gabriele Seling vom Amt für Tiefbau und Verkehr erläuterte, habe die fachliche Prüfung der Bürgerbeschwerden ergeben, dass die üblichen Liefergeräusche, insbesondere das Verladen mit Rollcontainern, den in den Lärmschutzvorschriften erlaubten Spitzenpegel regelmäßig überschritten hätten. Mit der Neuregelung seien auch das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, das Rechts- und Standesamt sowie das Citymanagement einverstanden.

Rathausplatz – ruhig und risikoarm verweilen

Zudem beschloss der Ausschuss den verkehrsberuhigten Bereich an der Südseite des Rathausplatzes zwischen Kronenstraße und Heinrichgasse zur Fußgängerzone umzuwidmen und einen zweiten Behindertenparkplatz nahe des Rathauses einzurichten. Nachdem der damalige Verkehrsausschuss im Juni 2018 den Antrag auf eine solche Ausweitung der Fußgängerzone abgelehnt hatte, erklärte sich das Gremium nun einverstanden damit, über den Vorschlag nochmals zu beraten, und sprach sich anschließend ohne nennenswerte Diskussion einstimmig für die Veränderung aus. Mit LKW, Autos und anderen motorisierten Fahrzeugen darf der Rathausplatz künftig nur noch von Lieferanten und Anwohnern zu den neu festgesetzten Zeiten befahren werden, Fahrradfahren ist in diesem Bereich der Fußgängerzone erlaubt. Seling meinte, der zentrale Platz mit seinen zahlreichen gastronomischen Angeboten werde dadurch nicht nur verkehrssicherer, sondern gewinne auch an Aufenthaltsqualität. Wolfgang Hennig (SPD) freute sich darüber, dass die Neuerung auch dazu führen werde, dass die Gäste des Hotels Fürstenhof von ihren Navigationsgeräten nicht mehr über den Rathausplatz gelotst werden.

Umstrittenes Experiment

Weniger Einigkeit herrschte unter den Ausschussmitgliedern über den folgenden Antrag, der vorsah, die Gerberstraße zwischen Mühlrad und Kronenstraße vom 1. März bis 31. Oktober 2021 probeweise für RadfahrerInnen freizugeben. Die vom Verkehrsausschuss im Juli in Auftrag gegebene Prüfung, ob sich der fragliche Straßenabschnitt für den Radverkehr eignet, hat laut Seling kein eindeutiges Ergebnis erbracht. Für die Beurteilung sei wesentlich, dass eine Fußgängerzone grundsätzlich dazu diene, sich „frei und ungestört“ zu Fuß bewegen zu können. In einem solchen Bereich dürften RadfahrerInnen nur ausnahmsweise zugelassen werden, etwa wenn dort „wichtige Ziele des Radverkehrs“ lägen, es mit einem hohen Sicherheitsrisiko oder einem großen Umweg verbunden sei, das Gebiet zu umfahren.

Zudem werde die Wegbreite im fraglichen Abschnitt der Gerberstraße durch Wasserrinne, Sitzgelegenheiten, Straßenkneipen und Warenauslagen stellenweise verschmälert. Die StadträtInnen Mayr, Hennig, Helmut Berchtold (CSU) und Hilde John (CSU) sprachen sich einhellig gegen die angedachte Veränderung aus. Sie sehen ein „hohes Gefährdungspotentials“ (Mayr), etwa für Kinder, die gerne im plätschernden Rinnsal spielen, finden die Idee „kontraproduktiv“ – nachdem in die Einkaufsstraße „viel Geld investiert“ wurde (Berchtold) – oder zweifeln an ihrem Nutzen: „Bringt das den Radverkehr voran?“, fragte Hennig. Nur Alexander Buck (FW) meinte, die „Kombination“ aus Fußgängerzone und Radweg sei „gut möglich“. Am Ende stimmten sieben der elf anwesenden Ausschussmitglieder für den Testlauf im kommenden Jahr, vier dagegen.

Projekte für einen sicheren Schulweg

Im Frühling 2019 hatte der damalige Verkehrsausschuss die Verwaltung beauftragt zu untersuchen, mit welchen Verkehrsmitteln die Schülerinnen und Schüler des Allgäu-Gymnasiums und der Haubenschloßschule ihren Schulweg zurücklegen und wie es unterwegs um die Verkehrssicherheit bestellt ist. Inzwischen hat das Amt für Tiefbau und Verkehr gemeinsam mit einem externen Fachbüro SchülerInnen und Eltern ausführlich befragt und mit Schulleitungen, Elternbeiräten sowie dem Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport Gespräche geführt. Die Ergebnisse der Fragebogenaktion seien für das Allgäu-Gymnasium dank 95 Prozent Rückantworten sehr umfangreich und repräsentativ, an der Haubenschloßschule hätten sich 40 Prozent der Befragten beteiligt, wie der zuständige Verwaltungsmitarbeiter Andreas Guggenmoos dem Ausschuss berichtete.

Noch sei die Auswertung nicht abgeschlossen, aber es sei klargeworden, dass die Gefahrenherde und Verkehrsprobleme im „Nahbereich“ der beiden Schulen weitgehend deckungsgleich seien: Ein Gefahrenschwerpunkt sei die Bushaltestelle in der Maler-Lochbihler-Straße, wo die Busse auf beiden Straßenseiten warteten, während zwischen ihnen Autos parkten, so dass die Verkehrssituation insbesondere für FußgängerInnen beim Überqueren der Straße häufig gefährlich unübersichtlich sei. Eine risikoreiche „Extremsituation“ entstünde zudem regelmäßig in der Ueblherstraße, wenn bei meist hohem Verkehrsaufkommen Eltern oder andere Angehörige ihre Kinder zur Schule brächten oder abholten. Außerdem fehle es in der Umgebung der Schulen an Querungsmöglichkeiten und Radwegmarkierungen, was vielleicht ein Grund dafür ist, dass nur wenige SchülerInnen ihren Schulweg mit dem Fahrrad bewältigen. Einige „Vorschläge aus der Befragung“ könnten Eltern und SchülerInnen demnächst versuchsweise ausprobieren, wenn der Verkehr während der Arbeiten am Erweiterungsbau der Haubenschloßschule in die Ellharter Straße verlagert werden müsse.

Kleinere Verbesserungen habe die Stadt bereits in Angriff genommen oder werde dies demnächst tun, so Guggemoos: man habe Hecken zurückgeschnitten, Fuß- und Radwege besser markiert und kümmere sich darum die umliegenden Unterführungen „dauerhaft“ zu beleuchten. Inwieweit aufwendigere Maßnahmen, wie die Umgestaltung des „Knotenpunkts“ von Maler-Lochbihlerund Haubenschloßstraße, machbar seien, prüfe man derzeit. Nach und nach werde die Stadt auch auf andere Schulen zugehen und gemeinsam mit Bueffee, einem Wuppertaler Büro für Forschung, Entwicklung und Evaluation rund um Fragen des Verkehrswesens, Aktionen planen, um auf die Risiken des „Hol- und Bringverkehrs“ aufmerksam zu machen und andere Verkehrsmittel für den Schulweg attraktiver zu machen.

Antonia Knapp

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