Drei Fahrstreifen gleichzeitig überwachen

Verstöße besser kontrollieren

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Abstandmessgerät, Verkehrspolizei Kempten, Polizeipräsidium

Kempten – Die Zahlen stimmen betrüblich… Im Jahr 2013 starben auf Bayerns Autobahnen 105 Menschen bei Verkehrsunfällen. Ein zu geringer Sicherheitsabstand ist neben überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit einer der Hauptunfallursachen.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West wurde 2013 fast jeder vierte schwere Unfall wegen eines zu geringen Sicherheitsabstandes oder nicht angepasster Geschwindigkeit verursacht (24 Prozent). Mit fatalen Folgen – insbesondere für die Insassen von Fahrzeugen, auf die aufgefahren wird. „Die modernen Fahrzeuge sind auf größtmögliche Sicherheit der Fahrzeuginsassen bei Frontalzusammen- stößen oder seitlichen Aufprällen angelegt. Die Schwachstelle vieler Fahrzeuge aber ist das Heck, respektive der Kofferraum, der bei einen Aufprall nur bedingt die entstehenden Kräfte auffangen kann“, weiß Werner Thoma, stellvertretender Sachgebietsleiter Einsatz und Verkehr von der Verkehrspolizei Kempten zu berichten. Speziell Fahrzeuginsassen, die im Heck des Fahrzeugs sitzen, tragen oft schwere Verletzungen davon und werden, falls unangeschnallt, sogar aus dem Fahrzeug geschleudert.

Um Verstöße im Bereich von Mindestabständen und Geschwindigkeitsbegrenzungen besser kontrollieren zu können, stellte die Verkehrspolizei Kempten vergangene Woche im Rahmen des Verkehrssicherheitsprogramms 2020 „Bayern mobil – sicher ans Ziel“ ihre neue Geschwindigkeits- und Abstandmesssanlage VKS 3.0 der Fa. VIDIT Systems GmbH vor. Insgesamt 15 dieser Hightech Geräte wird die Polizei in Bayern bis zum Jahr 2015 erhalten, die das bisherige analoge Brückenabstandsmesssystem VAMA ersetzen wird.

Gute Erfahrungen

Nicht zuletzt die bisherigen guten Erfahrungen aus anderen Bundesländern und die Anerkennung als standardisiertes Messverfahren im Sinne der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes, haben die politisch Verantwortlichen zu einer solchen Investition veranlasst. Die Kosten für ein Mess- und Auswertsystem inklusive des Einbaus belaufen sich pro Fahrzeug auf circa 170.000 Euro.

Das System arbeitet auf Grundlage der sogenannten Photogrammetrie. Dabei wird der Verkehr auf einem Fahrbahnabschnitt, der vorher vermessen und markiert wurde, mit einer als „Tatkamera“ bezeichneten Videokamera von einer Brücke aus überwacht. Aus den Videobildern berechnet Software die jeweiligen Fahrzeugpositionen und die zurückgelegten Wegstrecken. Zur Dokumentation des Fahrers und des amtlichen Kennzeichens steht zusätzlich für jeden Fahrstreifen eine eigene „Identifizierungskamera“ zur Verfügung. Mit diesem System können bis zu drei Fahrstreifen gleichzeitig überwacht werden.

Mehr Toleranzen

Die Verkehrspolizei Kempten wies im Rahmen ihrer Pressekonferenz explizit darauf hin, dass das neue digitale Erfassungssystem dem Verkehrssünder sogar ein wenig mehr Toleranzen zugesteht und keine verdachtsunabhängigen Aufnahmen und keine Speicherung personenbezogener Da- ten vollzogen werden.

Jörg Spielberg

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