Statt klotzen "klecksen"

Neues Kinderbetreuungsangebot schafft Entspannung in Kempten

+
Nicht klotzen sondern klecksen” hieß es im Ausschuss augenzwinkernd zum neuen Kinderhaus Klecks.

Kempten – Der geburtenstarke Jahrgang 2016 steht in Kempten mit 721 Kindern in den Startlöchern und sorgt bekanntlich für erhöhten Druck in Punkto Kinderbetreuung, vor allem im Bereich Kindergartenplätze.

Zugleich verzeichnet die Stadt höheren Zuzug als Wegzug und wächst schneller als prognostiziert. Wie mehrfach berichtet arbeitet die Stadtverwaltung mit Hochdruck daran, neue Krippen- und Kindergartenplätze zu schaffen und geht dabei mitunter auch kreative Wege; beispielsweise bei der Umnutzung der Chapuis-Villa. 

Weitere eher ungewöhnliche Vorstöße wagte Thomas Baier-Regnery, Referent für Schule, Jugend und Soziales, diese Woche im Jugendhilfeausschuss – bei einstimmigem Beschluss mit Erfolg. So soll unter anderem aus dem leerstehenden Klecksgebäude zunächst für befristet drei Jahre (für eine längere Nutzung wäre ein Bauleitplanverfahren nötig) ein Kinderhaus Klecks, respektive eine Kindertagesstätte mit bis zu sechs, teilweise altersgemischten Kindergartengruppen, unter einem Trägerverbund werden. 

Mit Ablauf der drei Jahre dürfte aus Sicht der Stadt ein Großteil des geburtenstarken Jahrgangs 2016 in die Schule wechseln und bauliche Maßnahmen für nachfolgende Jahrgänge umgesetzt sein. Vor allem der hohe Zuzugsanteil an Frauen im gebärfähigen Alter sowie von Familien macht laut Verwaltung die Bedarfsprognose schwierig. Aber auch der neu ins Leben gerufene „Einschulungskorridor“ für das Schuljahr 2019/20, der Eltern bis zum 3. Mai ermöglicht eigenständig zu entscheiden, ob ihre im Juli, August oder September geborenen Kinder eingeschult werden. 

Im Stadtgebiet Kempten sind Baier-Regnery zufolge aktuell davon 175 Kinder betroffen, mit ungewisser Größe, wie viele von ihnen einen als frei werdend kalkulierten Kindergartenplatz ein weiteres Jahr besetzen. Laut Marion Haugg, Leiterin Amt für Kita, Schulen und Sport, konnten im Vorjahr zwar 102 neue Plätze in vier Einrichtungen geschaffen werden. Trotzdem seien noch bis zu 200 Kindergartenkinder auf der Warteliste für das neue Kindergartenjahr. Im Gebäude stehen 1500 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung, bei innerst dtischer Lage mit guter Erreichbarkeit, vorhandenen Parkplätzen und ausreichend Außenflächen im angrenzenden Hofgarten, Städtepartnerplatz und Jugendsportplatz. Dazu kämen 50 Kinder, die zwischen Oktober und Dezember 2016 geboren sind. 

Eckpunkte Kinderhaus Klecks

Wegen Dringlichkeit wird das Umnutzungs-Bauantragsverfahren beschleunigt durchgeführt und Brandschutz geprüft – da insgesamt drei Treppenaufgänge und damit „bauliche Rettungswege“ zur Verfügung stehen sieht Baier-Regnery hier keine großen Hindernisse. Und da die Zeit dränge, stehe der Architekt schon bereit, so dass die Planungsarbeiten unmittelbar vergeben werden könnten. Fertigstellung ist für den 1. September 2019 vorgesehen. Noch offen ist die Frage der Trägerschaft, da wegen der befristeten Gebäudenutzung nicht davon auszugehen sei, dass ein einzelner Träger Personal und Sachmittel für ein so großes Haus stellen wolle und könne. Man sei, so Baier-Regnery, aber für eine Verbunds-Lösung mit potentiellen Trägern bereits in Gesprächen. Denkbar wäre, dass die einzelnen Träger Außengruppen ihrer Kita für die drei Jahre ins Klecks verlegen und die Stadt sich um die Bereitstellung der Infrastruktur sowie die Koordination kümmere. Für mindestens eine der Gruppen soll die Stadt auch die Trägerschaft übernehmen, wofür schnellstmöglich entsprechendes Personal bewilligt werden müsse.

Überbelegungsplätze 

Bereits jetzt schon kann laut Betriebserlaubnis in fast allen der aktuell 71 bestehenden Kindergartengruppen ein zusätzlicher Platz belegt werden, das heißt ein 26. Platz pro Gruppe genutzt werden. Die Stadt Kempten bietet darüber hinaus eine kommunale Förderung eines 27. bzw. 28. Platzes an. Als monetären Anreiz erhalten die Träger eine zusätzliche Jahrespauschale, die zur Entlastung des pädagogischen Personals eingesetzt werden soll; zum Beispiel müsse das Mittagessen ja nicht von einer pädagogischen Fachkraft gekocht werden. Allerdings, stellte Baier-Regnery klar, soll diese Sonderregelung lediglich für das Kindergartenjahr 2019/20 zur Anwendung kommen. 

Modulare Raumelemente 

Neben dem Kinderhaus Klecks als bevorzugte Variante könnten bei weiterem Raumbedarf kurzfristig auch modulare Raumelemente zum Einsatz kommen. Sie sollen im Bedarfsfall möglichst an bestehende Kindertagesstätten angegliedert werden, wobei zu berücksichtigen ist, dass nur Flächen dafür in Frage kommen, auf denen es bereits Baurecht gibt. Auch wenn es sich hierbei um eine aus Verwaltungssicht „durchaus ansprechende Lösung“ mit „hohem Standard“ handelt, wird die modulare Raumlösung als „Mittel der letzten Wahl“ gesehen. Bereitschaft habe der Träger der Kita St. Franziskus signalisiert, auf deren Gelände eine Kindergartengruppe untergebracht werden könnte, bis der Anbau an der Einrichtung fertiggestellt ist. „Sehr beeindruckt“ von den vorgestellten Maßnahmen sah Harald Platz (CSU) die große Herausforderung darin, „das nötige Personal zu akquirieren“. Erna Kathrein Groll (Grüne) zeigte sich froh darüber, dass bei den Bedarfen „immer fortgeschrieben“ worden sei und „die Hausaufgaben immer gemacht worden sind“, so dass auch die jetzigen Unwägbarkeiten leichter zu schultern seien. Als wichtig erachtete sie, dass der Qualitätsanspruch sowohl im baulichen als auch personellen Bereich immer beibehalten werde, den sie selbst bei den modularen Raummodulen als „hochwertig“ beurteilte. „Einen Charme“ sah auch Dr. Dr. Robert Wiedenmann (Freie Wähler) in den mobilen Modulen, die man je nach Bedarf an andere Orte „auch versetzen“ könne. Aus Sicht Baier-Regnerys trotzdem ein „Flickwerk“, zumal man mit dem Klecksgebäude eigentlich „die Lösung vor der Haustür“ habe.

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Fotostrecke: Eröffnung des Kempten Museum im Zumsteinhaus
Fotostrecke: Eröffnung des Kempten Museum im Zumsteinhaus
Fotostrecke: Besuch im Kempten Museum am Eröffnungswochenende
Fotostrecke: Besuch im Kempten Museum am Eröffnungswochenende
Im Hause Zumstein wurde einst Modegeschichte geschrieben - ab jetzt Museumsgeschichte
Im Hause Zumstein wurde einst Modegeschichte geschrieben - ab jetzt Museumsgeschichte
Tätlicher Angriff auf Polizeibeamte
Tätlicher Angriff auf Polizeibeamte

Kommentare