Gremium beschließt Weiterentwicklung

Neues Nutzungskonzept für Beginenhaus und Nonnenturm mit "großem Potential"

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Der Innenhof des Beginenhaus aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel

Kempten – „Wir haben uns lange politisch damit herumgeschlagen“, wo die Nutzung liegen könnte, brachte OB Thomas Kiechle die jüngste Diskussion zur Zukunft des Beginenhauses im Kulturausschuss Anfang dieser Woche am Ende auf den Punkt. Es sei Zeit, „von der Idee auch in eine Umsetzung zu kommen“.

Das Interesse der Bürger an diesem Thema war so groß, dass die Sitzung spontan vom normalerweise kleinen, in den großen Sitzungssaal, der mehr Platz für Zuhörer bietet, verlegt werden musste.

Das von Birgit Kata, Vorsitzende Förderverein Beginenhaus Kempten e.V., in flammender Rede vorgestellte, frisch ausgetüftelte Nutzungskonzept für das historische Baudenkmal „von bayernweiter Bedeutung“ – Betrieb des Beginenhauses als Veranstaltungshaus inklusive Tagescafé im Nonnenturm sowie ein musealer Betrieb im Nonnenturm und den Schauräumen im Beginenhaus – überzeugte diesmal und wurde mit einem einstimmigen Beschluss des Gremiums gekrönt: die Verwaltung wird demnach beauftragt, für die Haushaltsberatungen 2019 „auf der Grundlage des vorliegenden Konzepts in Zusammenarbeit mit dem Beginenhausverein ein detailliertes Finanzierungs- und Betriebskonzept zu entwickeln“.

Museumsleiterin Dr. Christine Müller-Horn hob einleitend das bürgerliche Engagement des Vereins hervor, der die Häuser seit 2003 „fachlich kompetent“ dokumentiere und erforsche, die bauarchäologischen Untersuchungen durchführe, bei der Ausarbeitung der Sanierungsplanung durch das Kemptener Architekturbüro Maucher + Höß stark beteiligt gewesen sei und die Gebäude durch Führungen für die Öffentlichkeit erlebbar mache.

Wie mehrfach berichtet, war der Verein mit seinem ursprünglichen Konzept, im Beginenhaus ein „Zentrum für Buchkultur“ zu etablieren gescheitert, da ein nachhaltig tragfähiger Betrieb nicht zu gewährleisten sei.

Nun will der der Verein zum einen mit fünf unterschiedlichen Raumangeboten für Veranstaltungen für bis zu 80 Personen, in gestaffelten Größen zwischen 76 Quadratmetern bis 40 Quadratmetern, sowie einem Tagescafé punkten. Zahlreiche diesbezüglich abgefragte Vereine, Verbände und Institutionen hätten angegeben, die Räume für Veranstaltungen nutzen zu wollen, erklärte Kata. Zum anderen mit der 800-jährigen Geschichte des Hauses, die durchgängig anhand von originalen Lebensspuren in historischen Räumen erlebbar gemacht werden soll. Es solle „kein Museum im üblichen Sinn, sondern eine Dokumentation“ werden, wobei es nicht nur um Renaissance und Mittelalter gehe, sondern auch um zeitnahe Erinnerungen. 

Es soll Kemptener Geschichte mit Geschichten erzählt werden, da im Beginenhaus und Nonnenturm die Lebensspuren von Menschen aus neun Jahrhunderten wahrnehmbar seien. Ebenfalls Teil des Konzepts sind virtuell begehbare 3D-Nachbildungen von Räumen, digitale Medien in allen Sprachen von Kemptens Partnerstädten, ein ausgeklügeltes Beleuchtungskonzept, Museumspädagogik und vieles mehr. Kata formulierte zudem den Wunsch des Vereins, das „Baudenkmal Beginenhaus mit dem Museum im Nonnenturm“, kurz: „MuNo“, selbst zu betreiben. „Wir sind der Meinung, dass der Verein so etwas stemmen kann“ und nach 15 Jahren Forschung, Freilegungsarbeiten u.v.m. auch „absoluter Experte sei“. Lediglich Reinigungskräfte sollen angeheuert werden und für die Verwaltung sieht das Konzept einen Geschäftsführerposten mit 30 Stunden die Woche vor. 

Angedacht sei ein Museumsbetrieb von Anfang April bis Ende Oktober an drei Tagen pro Woche: Freitag, Sonntag, Montag plus Feiertage, denn „so kommen wir in ein Paket mit der Erasmuskapelle“. Für das Funktionieren des ebenfalls vorgelegten Finanzierungskonzepts (Einnahmen u.a. durch Vermietung der Räume und Eintrittsgelder Museum) sei, „dass die Stadt die Betriebskosten übernimmt“, wie es auch beispielsweise beim Burgenmuseum oder beim Altstadthaus der Fall sei.

Etwas „blutleer“ wirkte dagegen der Vortrag zu den Stärken und Schwächen des externen Gutachters Dr. Jörg Haller, der grundsätzlich „großes Potential in dem Projekt“ sah. Es schließe seines Erachtens „eine Lücke im Bereich Mittelalter für die Stadt“. Anders als Kata, die einen Vorteil in der verkehrsreichen Lage des Beginenhauses, das dort mit einer attraktiven Fassade sicher viele Vorbeifahrende anlocken werde, ausmachte, befand Haller den vielen Verkehr als Schwäche. Als großes Manko nannte er auch die „versteckte Lage“ des Ensembles, wodurch eine „Denkmalachse für Tagestouristen nicht zu erreichen ist“. 

Vor allem aber sah er die Zuständigkeit nicht beim Verein, sondern eine „Anbindung an das städtische Gebäudemanagement“ und das Kulturamt, wo für die Leitung (in Kooperation mit dem Verein) von Beginenhaus und Nonnenturm das Personal um zehn Wochenstunden aufgestockt werden müsste. Er betonte, dass es angesichts des für einen Verein nicht geeigneten Projektvolumens, wichtig sei, „eine Struktur zu schaffen“ und auch die Museumspädagogik extern zu vergeben.

„Das neue Konzept hat mich vollends überzeugt“ frohlockte die Kulturbeauftragte des Stadtrats Silvia Rupp (CSU) und zeigte sich überzeugt, dass die Knackpunkte noch ausgeräumt werden können. So auch Katharina Schrader (SPD), die für den Beschluss einen konkreten Zeitpunkt forderte, damit „dieses Konzept bis zu den Haushaltsberatungen vorliegt“. 

Kiechle bezweifelte zunächst die Sinnhaftigkeit den Zeitpunkt gleich in den Beschluss aufzunehmen, denn „ich kenne noch nicht die Fallstricke, auf die wir uns hier zubewegen“. Am Ende müsse es auch ein von allen zu tragendes Konzept sein und wenn es im Beschluss stehe, „muss man halt mit dem leben, was bis November da ist“ und das, „obwohl wir erstmals ernsthaft bereit sind, Geld auszugeben“.

Andreas Kibler (CSU) fürchtete eine „Auflösung des Museumskonzeptes“, in das das Beginenhaus nicht hineinpasse. Dieses, sei „nie beschlossen“ worden, erinnerte Lothar Köster (SPD), und das Beginenhaus darin außerdem als historischer Ort genannt. „Wenn es fertig ist, wird jeder stolz sein, dass wir so etwas haben.“

Christine Tröger

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