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Premiere: Erstmals im Allgäu neues Verfahren bei Herz-OP: undichte Herzklappe in der rechten Herzhälfte mit der Schlüsselloch-Technik minimal-invasiv behandelt

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Zertifikat für Mitralklappenzentrum
Herz- und Gefäßzentrum Oberallgäu-Kempten als Mitralklappenzentrum zertifiziert. © Klinikverbund Allgäu

Immenstadt 8.2.2022 Premiere im Allgäu: Erstmals wurde im Herz- und Gefäßzentrum Oberallgäu-Kempten (HGZ) am Standort Immenstadt in einem neuartigen Eingriff bei einer Patientin ein undichtes Ventil in der rechten Herzhälfte repariert. Der Eingriff an der so genannten Trikuspidalklappe erfolgte in Vollnarkose im schonenden „Schlüsselloch“-Verfahren. 

Bereits wenige Tage danach versichert Felicitas Feike (83) aus Kempten: „Mir geht es gut.“ Und fügt gleich hinzu: „Ich möchte bald nach Hause.“ Zwei Tage später wird ihr Wunsch erfüllt. Professor Dr. Jan Torzewski, Chefarzt am HGZ, der sie auch operiert hat, kann die Patientin eine Woche nach dem Eingriff guten Gewissens aus der Klinik entlassen.

Die neue Behandlungsmethode gibt es erst seit wenigen Jahren. Bislang wurde sie im Umkreis nur an großen Kliniken in Ulm, München und Friedrichshafen angewandt. Die Operation einer beschädigten Trikuspidalklappe, die sich zwischen dem rechten Vorhof und der rechten Herzkammer befindet, war bisher nur über einen offenen Eingriff möglich. „Eine OP am offenen Herzen kommt aber für Patienten, die älter als 75 Jahre sind, nicht in Frage“, erklärt Professor Torzewski. Zu groß sei das Risiko, die Rekonvaleszenz würde Monate dauern. Die einzige Alternative war eine diuretische Therapie mit entwässernden Medikamenten.

Prof. Dr. Jan Torzewski
Professor Dr. Jan Torzewski, Chefarzt am HGZ © Klinikverbund Allgäu

Neues Verfahren mit dem „TriClip“

Bei dem neuen Verfahren muss der Brustkorb nicht geöffnet werden. Stattdessen schiebt der Arzt oder die Ärztin über einen kleinen Schnitt in der Leiste einen Katheter über die Leistenschlagader bis zum Herzen vor. Dort kann dann die undichte Herzklappe mit dem Implantat, dem Trikuspidal-Clip („TriClip“), repariert werden. Der „TriClip“ ist ähnlich aufgebaut wie der „MitraClip“, beides Entwicklungen der Wiesbadener Firma „Abbott“. Das „Mitra-Clipping“ wird seit etwa zehn Jahren zur Reparatur der Mitralklappen in der linken Herzhälfte eingesetzt. In der rechten Hälfte sind laut Professor Torzewski die Eingriffe schwieriger, weil die Ventile wesentlich dünner sind.

Kliniken, die viel Erfahrungen mit dem „Mitra-Clipping“ gesammelt haben, dürfen jetzt auch das „TriClip“-Verfahren anwenden. Im HGZ des Klinikverbundes Allgäu wurden in den vergangenen neun Jahren zwischen 300 und 400 „MitraClip“-Eingriffe durchgeführt, so Jan Torzewski. Die Zertifizierung als MitraClip-Zentrum durch die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie sei auf dem Weg, verkündet der Chefarzt.

Verfahren mit dem „TriClip“
Der Arzt oder die Ärztin schiebt über einen kleinen Schnitt in der Leiste einen Katheter über die Leistenschlagader bis zum Herzen vor. Dort kann dann die undichte Herzklappe mit dem „TriClip“ repariert werden. © Klinikverbund Allgäu

Wesentlicher Schritt in der Herzmedizin

Die Möglichkeit, jetzt auch die rechte Herzhälfte minimal-invasiv versorgen zu können, sei „ein wesentlicher Schritt in der Herzmedizin und für viele Patienten ein sehr großer Schritt nach vorn – gerade im höheren Lebensalter“, lobt Torzewski die neue Methode. Die Belastung der Patienten hält sich in Grenzen, sie sind schneller wieder auf den Beinen. Und die Patienten gewinnen ein gutes Stück an Lebensqualität zurück. Darüber freut sich auch Felicitas Feike. Patienten mit einer undichten Trikuspidalklappe sind u.a. in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt, sie leiden an Atemnot bei Belastungen und können eine ausgeprägte Rechtsherzschwäche entwickeln, die auch die Leber- und Nierenfunktion zunehmend verschlechtert. Auch Felicitas Feike hatte bereits mehrere Klinikaufenthalte wegen akuten Rechtsherzversagens hinter sich.

Kliniken-Geschäftsführer Markus Treffler ist froh über das neue Angebot im HGZ. „Die Patienten in der Region müssen jetzt nicht mehr weit entfernte Kliniken aufsuchen. Sie werden nahe an ihrem Wohnort auf höchstem medizinischen Niveau versorgt.“

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