Auslobung wird um Ideenteil erweitert

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

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Lageplan des neuen Wettbewerbsgebiet.

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur Neugestaltung des Kemptener Stadtparks bewahrheitet hat.

Stichtag für die Abstimmung der Auslobungsunterlagen durch die Fachjury war vor wenigen Tagen, genau am 13. Januar, und diese Preisrichtervorbesprechung brachte einen „völlig neuen Input“, wie OB Thomas Kiechle zusammen mit Baureferent Tim Koemstedt, Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann und der Münchener Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin Prof. Bü Prechter, Mitglied der Jury, bei einem kurzfristig einberufenen Pressegespräch vergangenen Dienstag eröffnete.

Um es kurz zu machen: Dieser neue Input nun war Auslöser dafür, dass der bislang als Wettbewerb vorgesehene etwa zwei Hektar große Realisierungsteil um einen Ideenteil in etwa gleicher Größe – er greift Zukunftsperspektiven auf – ergänzt wurde, wofür eine zeitliche Verschiebung für den Neubau der Sparkassen-Tiefgarage um ein Jahr in Kauf genommen wird. Nachdem der Vorschlag einiger Stadträte, das Umfeld des Stadtparks mit in die Planungen einzubeziehen, in einer früheren Stadtratssitzung abgeschmettert worden war, soll der Ideenteil nun doch die benachbarten Freiräume des Königsplatzes, des Linggparks sowie der ZUM mitbetrachten. Nach einer Ortsbegehung der Fachjury, bestehend aus Landschaftsarchitekten, Stadtplanern, OB, Vertretern der Stadtratsfraktionen und des Baureferats, sei „die nahezu einmalige städtebauliche Chance gesehen“ worden, Stifts- und Reichsstadt miteinander zu verbinden, so der OB. Das hob auch Prechter hervor, die unter anderem die Anbindung an den Linggpark und auch den Parkplatz direkt hinter dem Park mit dem „unglaublichen Baumbestand“ als unglücklich empfand. Sie begründete den Kurswechsel damit, dass „gute Entscheidungen immer abgewogen werden“. Durch den ganzheitlicheren Blick sah Kiechle außerdem „Erleichterungen für die Festwoche“, unter anderem für das Wegesystem, das Verlegen von Kabeln oder auch für „leichte Verschiebungen“ von Zelten. Aufgegriffen wurde zudem der vom Gestaltungsbeirat im November bereits eingebrachte Vorschlag, ein zweites Gebäude als Pendant zum Sparkassen-Neubau an der jetzigen Tiefgaragenzufahrt – die ebenfalls neu zu überdenken sei – zu errichten, so dass sich eine klare Eingangssituation zum Stadtpark ergibt. Damit will Kiechle auch signalisieren, dass der Gestaltungsbeirat ernst genommen wird. Dazu, wer sich an dieser „attraktiven Lage“ als Bauherr betätigen könnte, wollte sich der OB allerdings nicht äußern. „Die Zeit wird kommen, wo diese Frage eine Rolle spielen wird“, meinte er lediglich. Klar formulierte er dagegen, dass alles „größer, umfassender und teurer“ werde. Dennoch hat die Regierung von Schwaben, die zusammen mit der Stadt Kempten Ausloberin des Wettbewerbs ist, die Erweiterung des Umgriffs sehr begrüßt „und eine Förderung der größeren Gebietskulisse aus dem Bundes-Länder-Städtebauförderprogramm in Aussicht gestellt“, wie es in der Presseerklärung heißt.

Dass der Fokus ursprünglich nur auf den Realisierungsteil gerichtet war, begründete Kiechle mit dem noch nicht abgeschlossenen Mobilitätskonzept, durch das sich auch die ZUM verändern würde. Ein Grund, weshalb man sich laut Wiedemann nicht getraut habe „einen Rahmen zu definieren“, jetzt aber die Chance durch den Ideenteil gegeben sei, von dem sich auch Koemstedt „weitgehende Anregungen“ für das Verkehrskonzept erhofft.

Den Wettbewerb werden „acht sehr namhafte Büros“ bestreiten, wie Prechter betonte, „samt und sonders hochkarätige Menschen“, die sich mit Verkehr auskennen würden. Sie machte aber auch klar, dass „wir das nur mit andenken wollen“.

Im nächsten Schritt müssen nun die Auslobungsunterlagen entsprechend überarbeitet werden. Baubeginn für die Tiefgarage der Sparkasse – aus deren Vorstandsetage Kiechle trotz der entstehenden Bauverzögerung „ganz großes Verständnis bekommen“ habe – wird sich um ein Jahr bis nach der Allgäuer Festwoche 2018 verschieben. Die Umgestaltung des Stadtparks kann laut OB aber zumindest in Teilen parallel erfolgen. „Wir hätten glaube ich einen Fehler gemacht, wenn wir das nicht so gehen würden“, zeigte dieser sich überzeugt.

Bauausschuss d‘accord

Noch am selben Abend wurde auch der Bauausschuss über den aktuellen Stand informiert und erhielt auch Auszüge aus dem abgestimmten formalen teil der Auslobungsunterlagen. Demnach sind insgesamt 20 Bewerber teilnahmeberechtigt, acht „gesetzte“ Büros, die restlichen zwölf über Bewerbungsverfahren. Das Preisgericht setzt sich aus acht Fach- und sieben Sachpreisrichtern, für die es jeweils einen ständig anwesenden Stellvertreter gibt, zusammen.

Die Preisrichter

Fachpreisrichter:

• Katja Aufermann, Landschaftsarchitektin, Stadtplanerin; München

• Tim Oliver Koemstedt, Stadtplaner, Referatsleiter für Bauen, Wohnen und Verkehr; Kempten

• Prof. Dr.-Ing. Bü Prechter, Landschaftsarchitektin BDLA, SAIV, Stadtplanerin; München

Till Rehwald, Landschaftsarchitekt; Dresden

• Martin Rist, Landschaftsarchitekt BDLA, Stadtplaner; Marzling

• Prof. Karin Schmid, Architektin BDA, Stadtplanerin; München

• Christine Schweiger, Architektin, Stadtplanerin, Leiterin Sachgebiet Städtebau; Regierung von Schwaben

Stellvertreter: Thomas Geiger, Landschaftsarchitekt; Kempten

Sachpreisrichter (alle Kempten):

• Thomas Kiechle, Oberbürgermeister

• Antje Schlüter, Leiterin Stadtplanungsamt, Stadtplanerin

sowie die Vertreter der Stadtratsfraktionen

• Thomas Hartmann, Grüne

• Richard Hiepp, CSU

• Dr. Philipp Jedelhauser, FDP/UB/ödp

• Alexander Hold, FW/ÜP

• Lothar Köser; SPD

Stellvertreter: Markus Wiedemann, Amt für Tiefbau und Verkehr


Von Christine Tröger

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