Anpassungsbereitschaft

Neuigkeiten aus dem Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz

+

Kempten – Der Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz des Stadtrats hat in seiner Sitzung zwei Beschlüsse gefasst: Der erste zielt auf die Entwicklung einer Klimawandel-Anpassungsstrategie, der zweite betrifft die Personalsituation im Amt für Umwelt- und Naturschutz. Grundlage der ersten Entscheidung war eine Empfehlung des Klimaschutzbeirats (Kreisbote vom 30. September).

Thomas Weiß vom städtischen Klimaschutzmanagement stellte einleitend fest, dass sich die Folgen des Klimawandels auch im Allgäu „bemerkbar machen“, etwa durch Hochwasser oder mehr Hitzetage. Die auf regionaler wie lokaler Ebene notwendig gewordene Klimawandel-Anpassungsstrategie erschöpfe sich nicht in vorbeugenden raumplanerischen Maßnahmen, etwa für den Hochwasserschutz an der Iller. Da die klimatischen Veränderungen „langsam voranschreiten“, seien sich viele Menschen der Risiken und heraufziehenden Gefahren noch zu wenig bewusst. Deshalb sei ein weiterer wesentlicher Aspekt der Klimawandel-Anpassungsstrategie, in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass in vielen Lebensbereichen Vorbereitungen getroffen werden müssten, um sich vor den drohenden Entwicklungen zu schützen und mit den veränderten Bedingungen möglichst gut zurechtzukommen.

Bewusstseinswandel notwendig

Nachdem das Kemptener Klimaschutzmanagement bereits zwischen 2016 und 2019 am „Go-Apply“-Pilotprojekt des Umweltbundesamtes teilgenommen hat, das auf eine stärkere Thematisierung des Klimawandels in der Stadtgesellschaft abzielte, empfahl der Klimaschutzbeirat nun, gemeinsam mit dem Landkreis Oberallgäu bei der österreichischen Beratungsfirma alpS weitere Workshops in Auftrag zu geben. Das Unternehmen habe bereits ein Angebot für die Weiterentwicklung der Klimawandel-Anpassungsstrategie vorgelegt. Zusammen mit lokalen Akteuren und Experten sollen die Berater die für Kempten bedeutsamen Handlungsfelder untersuchen – unter anderem Bauen und Wohnen, Energie, Landwirtschaft und Tourismus, Gesundheit, Katastrophenmanagement, Verkehrsinfrastruktur und Industrie – und speziell auf die Stadt abgestimmte Maßnahmen erarbeiten. Dabei sollen sich die vor Ort tätigen Einrichtungen und Organisationen stärker vernetzen, um in Zukunft stetig und gemeinschaftlich für eine gelingende kommunale Anpassung an den Klimawandel zu arbeiten. Barbara Haggenmüllers (Bündnis 90/Die Grünen) Vorschlag, einer solchen ständigen Arbeitsgruppe sollten auch „interessierte Bürgerinnen und Bürgern“ angehören, nannte Weiß „einen guten Punkt“, den er befürworte.

Über die Stadtgrenzen hinaus

Da viele Klimarisiken nicht nur das Stadtgebiet, sondern die gesamte Region beträfen, habe die Stadt bereits erste Gespräche mit den Klimaschutzbeauftragten des Landkreises geführt, die großes Interesse gezeigt hätten, an dem Projekt teilzunehmen und sowohl gemeinsame als auch eigens auf den Landkreis abgestimmte Anpassungsstrategien mitzuentwickeln. Zukünftig werde man nicht nur auf kommunaler Ebene „enger verzahnt“ zusammenarbeiten, betonte Weiß, sondern auch einen regelmäßigen Austausch mit Landrätin Indra Baier-Müller pflegen. Finanziert werden soll der Auftrag an die alpS GmbH, dessen Erfüllung laut Angebot etwa 25.000 Euro kosten wird, mit einer bis zu 70-prozentigen Förderung durch das Klimaschutzprogramm Bayern 2050 des Umweltministeriums. Der Ausschuss beschloss ohne Gegenstimme, alpS mit der Ausarbeitung einer Klimawandel-An-passungsstrategie zu beauftragen und das Projekt gemeinsam mit dem Landkreis Oberallgäu zu verwirklichen. Dominik Tartler (Future for Kempten) betonte, es sei nun wichtig, „klar zu kommunizieren“, dass die Anpassungsstrategie nicht der Bekämpfung oder Abmilderung des Klimawandels diene, vielmehr „geben wir zum ersten Mal Geld aus, um uns vor dem Klimawandel zu schützen“.

Naturschutzfachkraft dringend erwünscht

Der folgende Tagesordnungspunkt ging auf einen Antrag der Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zurück, die im August gefordert hatte, bei den Ämtern, die für Umwelt- und Klimaschutz zuständig sind, abzufragen, ob zusätzlicher oder neu entstandener Personalbedarf bestehe. Auf Grund der inzwischen vorliegenden Ergebnisse beantragten die Grünen eine zusätzliche Vollzeit- oder Teilzeitstelle für das Umweltamt. Der ermittelte Bedarf anderer Bereiche, zum Beispiel des Bauhofs oder der Stadtgärtnerei, werde von der Organisationsabteilung noch geprüft. Der Ausschuss ließ sich vom Leiter des Amtes für Umwelt- und Naturschutz, Volker Reichle, über die Personalsituation in seiner Behörde informieren, um auf der Grundlage seiner Ausführungen über die beantragte Stelle für eine zusätzliche Naturschutzfachkraft zu entscheiden. Reichle stellte in seinem Vortrag eine große Vielfalt an Tätigkeitsbereichen vor, vom Landschaftsschutz im Stadtgebiet über die Prüfung artenschutzrechtlicher Belange bei Bauvorhaben bis zur Zusammenarbeit mit Landwirten und Ehrenamtlichen. Während die Stellenausstattung in diesem Bereich seit 30 Jahren unverändert geblieben sei und im Januar zudem ein erfahrener Kollege in Altersteilzeit gehen werde , habe der Arbeitsaufwand durch Gesetzesänderungen, aber auch durch Entwicklungen wie die Neuansiedlung von Bibern stark zugenommen.

Viele Möglichkeiten bleiben ungenutzt

Zudem erhalte das Umweltamt in den letzten Jahren sehr viel mehr Anfragen von BürgerInnen und müsse zu einer deutlich höheren Anzahl von Bauprojekten Stellung nehmen. Für alle vorgestellten Bereiche berichtete Reichle von teils erhebliche Mängeln: Es fehle die Zeit, allen Aufgaben vollständig und in der eigentlich gewünschten Qualität nachzukommen und die vorhandenen Potentiale auszuschöpfen. So gelinge es beispielsweise nicht, die Wirksamkeit von Bauauflagen auch zu überprüfen oder bei der Beratung von Landwirten die Fördermöglichlichkeiten zu nutzen, die im Rahmen des staatlichen Vertragsnaturschutzprogramms durchaus bestehen. Obwohl die CSU-Stadträte Josef Mayr und Tobias Hiepp Bedenken äußerten angesichts der angespannten Finanzlage und auch Oberbürgermeister Thomas Kiechle (CSU) betonte, infolge der Corona-Pandemie könne die Stadt „nur das zwingend Notwendige tun“, bejahte der Ausschuss mit einer Gegenstimme den zusätzlichen Personalbedarf des Umweltamtes und beschloss, dem Personalausschuss zu empfehlen, für eine Naturschutzfachkraft einen zusätzlichen Stellenanteil von 0,6 zu schaffen. 


Antonia Knapp

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Corona-Ticker: In Kempten und auch im Landkreis Oberallgäu ist die rote Ampelstufe erreicht
Corona-Ticker: In Kempten und auch im Landkreis Oberallgäu ist die rote Ampelstufe erreicht
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Aktuelle Infos zum Corona-Virus in Kempten und im Oberallgäu
Daniel Abt:"Ich habe einen Riesenfehler gemacht"
Daniel Abt:"Ich habe einen Riesenfehler gemacht"
Fusion zwischen dem Klinikenverbund und den ehemaligen Kreiskliniken ist weit fortgeschritten
Fusion zwischen dem Klinikenverbund und den ehemaligen Kreiskliniken ist weit fortgeschritten

Kommentare