Neujahrsempfang der Kemptener Grünen mit Stuttgarts OB Fritz Kuhn

Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

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OB Fritz Kuhn (Mitte) umrahmt von MdL Thomas Gehring (li.) und MdL Ulli Leiner (re.).

Kempten – Dem selbstsicheren, ruhig auftretenden und entspannt schwäbelnden Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, gelang es beim Neujahrsempfang der Grünen im Haus International mühelos, die Sympathie der Gäste zu gewinnen. Kuhn sprach Themen und Grundsätze an, die auch Kempten und letztlich alle Kommunen bewegen, die sich um eine nachhaltige Entwicklung bemühen. Drei Punkte hält er für die entscheidenden Faktoren.

Erstens: „Wirtschaftlich muss es stimmen“, das heißt, auf die Autoindustrie bezogen, dass alltagstaugliche Elektromobile entwickelt werden, deren Strom aus erneuerbaren Energien kommt. Zweitens müssen wir mit Respekt auf die Ökologie zugehen, den Konflikt zwischen Atomkraft und Kohlekraftwerken und erneuerbaren Energiequellen lösen und die urbane Energiewende forcieren. Für Kuhn ist drittens „die Grüne Karte entscheidend“, denn wirtschaftlicher Erfolg sei nur möglich, wenn die Ökologie berücksichtigt werde. Für Stuttgart, das aufgrund der Kessellage und der hohen PKW-Zahlen eine ebenso hohe Feinstaubbelastung hat, wurde unter Kuhns Regie das verkehrspolitische Konzept „nachhaltig mobil“ samt Feinstaub-Alarmkonzept in Angriff genommen. Ziel ist es, 20 Prozent weniger Autos in der Stadt zu haben und deshalb den ÖPNV rasant auszuweiten. Diese Entwicklung soll nicht gegen, sondern zusammen mit der Automobilindustrie Fahrt aufnehmen.

Als „Stuttgarter Weg“ bezeichnete Kuhn auch den Umgang mit den 8500 Flüchtlingen, die ab 2015 in die Stadt kamen. Sie sind dezentral in kleinen Wohneinheiten untergebracht und werden von circa 3500 Ehrenamtlichen von Anfang an unterstützt. Für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gibt es im Stuttgarter Rathaus inzwischen ein eigenes Referat. Grundsätzlich gilt für Kuhn: „Alle, die da sind, müssen geschützt werden.“

Kuhn fordert die Parteien auf, gegen die Alternative für Deutschland, AfD, zusammenzustehen, gegen eine Partei, die die Demokratie und die Institutionen schlecht rede, die ihre Anschuldigungen nicht begründe, nur stets wiederhole. Für seine Bitte, Auseinandersetzungen zivilisiert und mit Anstand zu führen, bekam Kuhn reichlich Applaus.

Als „Gegengift“ empfiehlt der Grüne Oberbürgermeister zwei Dinge, nämlich: Sich nochmal mit der Globalisierung auseinander setzen, um sie fair und sozial zu gestalten. Europa stärken, um die Gefahren des Nationalismus zu bändigen und auch die Grundwerte des transatlantischen Bündnisses zu verteidigen.

Die Städte müssen die Bürger und Bürgerinnen in ihre Entscheidungen einbeziehen und so eine aktive Bürgergesellschaft befördern. Bildung und Kultur bringt Kuhn große Wertschätzung entgegen, bittet aber auch, die Schulen mal in Ruhe zu lassen, damit sie nicht nur Fakten sondern in diesen unruhigen Zeiten auch Orientierungswissen vermitteln können. Den künftigen US-Präsidenten Donald Trump hält Kuhn für clever, aber nicht gebildet…

Die Kommunen, so Kuhn, haben eine Vorreiterrolle, hier könne man Dinge ausprobieren und vorantreiben. Er verdeutlicht dies an gesunder Ernährung: Kantinen und Schulen in öffentlichen Einrichtungen können Schritt für Schritt auf regionale Produkte umstellen, auf Lebensmittel, die mit Respekt vor Tieren, Wasser und Boden hergestellt werden.

In den einleitenden Interviews, die Stadträtin Barbara Haggenmüller führte, kamen der Landtagsabgeordnete Thomas Gehring, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kemptener Stadtrat, Thomas Hartmann, sowie Stadträtin und Bundestagskandidatin Erna-Kathrein Groll zu Wort. Jeder und jede konnte die eigenen Schwerpunkte kurz darstellen. Alle einte der Vorsatz, sich für ein friedliches Miteinander in Freiheit einzusetzen, alle wollen, wie es die Grünen von jeher taten, „global denken, lokal handeln“. Was das real, im Detail und auf die Stadt Kempten bezogen heißt, darüber konnten sich Gäste, Gastgeber und Gastgeberinnen im Anschluss die Köpfe heißreden.

Einen glücklichen Griff machte das Organisationsteam mit der Wahl der Musikgruppe „Mazel g’het“ aus Durach. Klezmer, gespielt auf Klarinette und Harmonika, jiddische Lieder, in ihrer typischen Mischung aus schwermütigem Moll und heiterem Dur, waren die Begleitung dieses grünenpolitischen Vormittags.

Elisabeth Brock

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