Neuland für Friedrich von Thun

Am Anfang standen ein Buch, eine Idee, zwei hochkarätige Künstler – in diesem Fall ein Schauspieler und ein Jazzer – und die gemeinsame Leidenschaft, daraus etwas entstehen zu lassen. Mit dem gefeierten Monolog des italienischen Schriftstellers Alessandro Baricco, „Novecento“ oder „Die Legende des Ozeanpianisten“, werden Friedrich von Thun und das Max Neissendorfer Trio beim Kemptener Jazzfrühling den Bogen zwischen Literatur und Jazzmusik schlagen.

„Wir sind Außenseiter auf diesem Festival“, war sich der charismatische Schauspieler im Gespräch mit dem KREISBOTEN durchaus bewusst, damit Neuland für die Besucher des Jazzfestivals zu eröffnen. Aber ebenso überzeugt zeigte er sich davon, dass Jazzliebhaber „gute Literatur schätzen“. Emotionen im Fokus Freilich, für eingefleischte Freejazz-Fans wird es sicher nicht der richtige Abend werden, wie im Gespräch deutlich wurde. Hier stünden vielmehr „Gefühle“ im Vordergrund, hervorgerufen von einer handfest erzählten, gleichwohl „irrsinnig schönen, tiefsinnigen Geschichte“, die mit Klassikern von Cole Porter oder George Gershwin verwoben ist. Der Inhalt des Monologs „legt eine musikalische Lesung einfach nahe“, unterstrich er. Dass es sich um eine musikalische Lesung handelt, die wohl auch die Zuhörer nicht kalt lässt, zeigt von Thuns Erinnerung an seine und Max Neissendorfers „Gänsehaut“ bei den ersten Proben. Nach Lesungen mit klassischer Musik – unter anderem das von Edvard Grieg vertonte Ibsen-Schauspiel „Peer Gynt“ mit einem kompletten Orchester – begibt sich von Thun mit der Verknüpfung von Literatur und Jazz nach eigenem Bekennen auf neues Terrain. Wenngleich seine Fans ihn eher in anderen Rollen kennen: Die Reaktionen des Publikums in den bislang knapp zehn Vorstellungen „sind sehr gut“ gewesen, bestätigte der vielbeschäftigte Film- und Fernsehstar, worüber sich ebenso die Kritiker einig zu sein scheinen. Der Auftritt im Rahmen eines Jazzfestivals sei nun eine Herausforderung, auf die „ich mich riesig freue“. Traum erfüllt Und so ganz beiläufig offenbarte er, dass er nicht nur als Erzähler auf der Bühne stehen, sondern an bestimmten Stellen höchstpersönlich zum Saxophon greifen werde. „Der Schauspieler, der sich mit 50 ein Saxophon geschenkt hat“, erfülle sich hier einen Traum, gestand er schmunzelnd. Allerdings nicht ohne „Mordsbammel“. Schließlich stehe er in „Novecento“ das erste Mal „mit Jazz und einem Saxophon auf der Bühne“. Auch mit dem Trio des exzellenten Jazz-Pianisten Max Neissendorfer spielen zu dürfen, „ist für mich eine große Ehre“, sagt von Thun. Die musikalische Lesung „Novecento“ oder „Die Legende vom Ozeanpianisten“ mit Friedrich von Thun und dem Max Neissendorfer Trio ist anlässlich des Kemptener Jazz-Frühlings am kommenden Dienstag, 27. April, ab 20 Uhr, im Kemptener Kornhaus zu erleben.

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