Neuneinhalb bunte Jahrhunderte

Wohl eher beiläufig erwähnte Kaiser Heinrich IV in einer Urkunde an den Augsburger Bischof 1059 „Sulceberg“ und „Mosebach“, um die Grenze des Wild- und Forstbanns zu umschreiben. Tatsächlich war das aber die erste urkundliche Erwähnung von Sulzberg und Moosbach. In einem Festumzug zu diesem 950-jährigen Jubiläum ließen zahlreiche Darsteller kürzlich die Geschichte mal mehr, mal weniger ernst Revue passieren.

Die Sonne brannte vom Himmel, als sich die Darsteller vom Festplatz am Wertstoffhof auf den Weg durch Sulzberg machten. Knapp 50 Wagen konnten die vielen hundert Besucher bestaunen. Weit vorne liefen die Kleinsten mit. Sie demonstrierten den Zuschauern die Schule von früher, heute und der Zukunft. Das Früher mit Lederranzen und Schiefer-Tafel, die Zukunft mit Kostümen aus allerlei blitzenden und blinkenden Materialien. Zahlreiche Ritterschaften, die beim Umzug mitliefen, stellten die viele Jahrhunderte alte Vergangenheit Sulzbergs dar. Mal zu Fuß in voller Rüstung, mal hoch zu Ross, stolz mit Fahne, zogen die Ritter durch das Dorf. Die Spielleute liefen mit alten Blas- und Schlaginstrumenten hinterher. Ein grausiges Thema griffen die Darsteller eher humorvoll auf: die Pest anno 1635. Für Lacher sorgte vor allem der Bauer, der seine offenbar in den Wehen liegende Frau per Schubkarre vor sich her schob. Der Leichenkarren mit den brav ausharrenden „Toten“ folgte auf dem Fuß. Mit einer Kanone als schwergewichtiges Requisit zog der Wagen der Altusrieder Freilichtspiele vorbei, die dieses Jahr unter dem Thema „Andreas Hofer“ stehen. Entsprechend zog auch der „Feind“ mit durch Sulzberg, denn auch Napoleons Streitkräfte, gegen die Hofer einst gekämpft hatte, gehörten zum Umzug. Teils fröhlich angeheitert, teils auf Krücken bewegten sie sich mehr oder weniger geradlinig an der Zuschauern vorbei. Die deutsch-französische Freundschaft demonstrierte hingegen ein Beitrag, der der Ortspartnerschaft zwischen Sulzberg und dem französischen Chailland gewidmet war. Ein deutscher und ein französicher Polizist tuckerten auf einem alten Motorrad mit Beifahrersitz durch den Ort. Auch das Handwerk kam nicht zu kurz. Mittelalterliche Wagners- und Schmiedekunst bekamen die Besucher zu sehen. Die Landwirtschaft von anno dazumal präsentierte sich natürlich ebenfalls. Und was damals funktioniert hat, klappt auch heute noch, denn nicht immer muss es der Traktor sein, der den Festwagen zieht. Zwei gewaltige Ochsen, die einen Heuwagen zogen, entlockten den Zuschauern, auch den allgemein mit Rindviechern vertrauten Allgäuern, ein Raunen. Mittelalterliches Spektakel Reibungslos lief im Großen und Ganzen die Organisation des Umzugs zumindest aus Besucher-Sicht ab. Zwar ging hier und da die Steak-Semmel aus, beim Parken und beim Umleitungsverkehr kam jedoch kein Chaos auf. Nur der Umzug selbst geriet wegen seiner Länge ein ums andere Mal ins Stocken. Neben dem Umzug standen auch noch weitere Attraktionen auf dem Festprogramm. Auf einem mittelalterlichen Markt konnte man sich Ritterkämpfe ansehen oder sich selbst im Bogenschießen versuchen. Zahlreiche Musikkapellen aus der Region sorgten für die musikalische Unterhaltung.

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