"Nicht alle sind so besonders"

Nach fast 38 Jahren als Sozialberater für türkische Arbeitsnehmer in Kempten ist Cemal Coskun am Freitag feierlich in den Ruhestand verabschiedet worden. Zu seiner Verabschiedung fanden sich im Haus International zahlreiche Vertreter der Arbeiterwohlfahrt (AWO), Coskuns Arbeitgeber, Bürgermeister Josef Mayr (CSU), Altbürgermeister Dr. Josef Höß und Mitglieder des Stadtrats ein.

„Bei diesem Abschied ist auch Wehmut dabei“, sagte der AWO-Landesvorsitzende, Dr. Thomas Beyer. Die offizielle Migrantenberatung des Landesverbandes müsse nun enden, erläuterte Beyer. „Die AWO wird in diesem Bereich in Kempten nicht mehr tätig sein“, schilderte er. „Das bedauern wir sehr“, sagte Rüdiger Kiefer, zuständig für die Migration im AWO-Landesverband, gegenüber dem KREISBOTE. Der Standort sei ideal, „aber die Zuschussgeber sind der Meinung, dass eine Nachbesetzung nicht nötig ist“, bedauerte Kiefer. Zurück zur Verabschiedung: Am 1. Juli 1972 begann Coskun seine Tätigkeit beim AWO Bundesverband als Sozialbetreuer für türkische Arbeitnehmer in Kempten. Nach einem kurzen Abstecher nach Augsburg sei er seit 1977 ununterbrochen als Sozialberater für ausländische Arbeitnehmer und ihre Familien, allerding jetzt beim AWO-Landesverband, tätig gewesen. Zudem ist er Mitbegründer des FC Türkspor Kempten. Coskun sei die Schlüsselfigur beim Migrationsgelingen gewesen, so Beyer. „Man kann seine Arbeit nicht hoch genug bewerten.“ Die Hauptamtliche Beratung in Kempten werde fehlen, aber Coskun habe bereits beim Neujahrsessen der AWO erklärt, dass er ehrenamtlich weiter für die AWO tätig sein will, frohlockte er „Ich kenne viele Migrationsberater, aber nicht alle sind so besonders wie Cemal Coskun“, meinte Beyer abschließend. „Er hat großen beruflichen Einsatz gezeigt“, würdigte Bürgermeister Mayr Coskuns Arbeit. Er sei Vorbild für Menschen gewesen, die Rat gesucht hätten und er half, dass Menschen in der neuen Heimat Fuß fassen konnten, so Mayr. Auch als langjähriger Vorsitzender und beratendes Mitglied des Ausländerbeirats Kempten habe er hervorragende Arbeit geleistet, ergänzte er. „Drei Namen stehen für die Migrationsarbeit in Kempten: Inge Nimz, Cemal Coskun und Rudi Goschler.“ "Voneinander gelernt" Viel Lob für die geleistete Arbeit Coskuns sprachen auch Dr. Heinz Münzenrieder, Vorsitzender des AWO-Bezirksverbands Schwaben, und Lothar Seidel, Vorsitzender des AWO-Kreisverbandes Kempten, aus. „Wir hatten zu Herrn Coskun ein hervorragendes Verhältnis und haben voneinander gelernt“, so Münzenrieder. Durch Coskun habe er Zugang zu den Muslimen erhalten, schilderte Seidel. Den Weg in die türkische Gesellschaft habe Coskun ihm geebnet, verriet Rudi Goschler vom Haus International. Kennengelernt hätten sie sich 1979 durch Inge Nimz. In 30 Jahren Zusammenarbeit habe man sich schätzen gelernt, sagte er. Coskun selbst sprach von „sehr aufregenden Zeiten“ in der Vergangenheit. Die weltoffenheit sei ihm quasi in die Wiege gelegt worden, sagte er. „Ich habe mich von Anfang an in dieser Stadt wohlgefühlt und kann nun sagen: Ich bin ein Kemptener“, so Coskun abschließend.

Auch interessant

Meistgelesen

Feiern verbindet
Feiern verbindet
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz

Kommentare