"Nicht an der falschen Stelle sparen"

Für Diskussionsstoff sorgte am Dienstagabend im Bauausschuss einmal mehr der Hildegardplatz. Grund war die Kostenberechnung, die derzeit einen Betrag von rund 3,75 Millionen Euro für die Neugestaltung vorsieht – Kiosk, Marktbrunnen und Mäuerchen am Fuße des Basilikahügels nicht mit eingerechnet. Nach der Vorstellung der aktuellen Planung debattierten die Stadträte daher lange über mögliche Einsparungsmaßnahmen, mahnten jedoch, dass man nicht an den falschen Stellen sparen dürfe. Am Ende fassten sie einen einstimmigen Beschluss.

Wie Baureferentin Monika Beltinger berichtete, ist die Ausführungsplanung als Grundlage für die Ausschreibung nun fertiggestellt. Die grundsätzlichen Planungsziele mit ansprechender Platzgestaltung, optimiertem Parkplatzangebot, geeigneter Oberflächen- und Grünanlagengestaltung wurden umgesetzt. Bereits in seiner letzten Sitzung Anfang Juli hatte der Bauausschuss die Pflastersteine für den Platz beschlossen (der KREISBOTE berichtete). Vertiefter Planungsstand „Die aktuelle Kostenberechnung zum neuen Planungsstand beläuft sich auf 3,75 Millionen Euro zuzüglich weiterer noch offener Kostenansätze für einen Marktbrunnen und einen Verkaufsstand“, erläuterte Beltinger. In diesem Kostenansatz ist die neue Planung, die seit letztem Herbst aufbauend auf den Ergebnissen des „Marktes der Meinungen“ und der Bürgerbeteiligung entwickelt wurde. Der Unterschied zum Kostenstand des alten Entwurfes (3,145 Millionen Euro) beruht der Baureferentin zufolge auf den Baupreissteigerungen in den vergangenen beiden Jahren, der Entscheidung für die gebundene Bauweise und die Pflasterung aus größerformatigen Granitplatten in der grau-gelben Farbmischung und dem mittlerweile vertieften Planungsstand. Brunnen und Kiosk können erst nach weiterer Konkretisierung bzw. Abschluss des Brunnenwettbewerbs beziffert werden. Den Künstlern wurde jedoch eine Kostenobergrenze von 300 000 Euro für die komplette Anlage inklusive Honorar genannt. Um die Ausgaben eventuell noch etwas verringern zu können, diskutierte der Bauausschuss am Dienstag vor allem drei Themen: Neugestaltung Kirchberg, Übergang vom Residenz- zum Hildegardplatz und Ausformung der Stützmauer am Fuße des Basilikahügels. Kirchberg: Die Fläche am Kirchberg könnte laut Beltinger statt in ungebundener (Sandfugen) auch in wassergebundener Bauweise gestaltet werden. So könnten rund 80 000 Euro eingespart werden. Allerdings befürchtete die Baureferentin, dass der Kirchberg dann weiterhin einen Hinterhofcharakter hätte. „Das wäre gestalterisch nicht vernünftig.“ Übergang Residenzplatz-Hildegardplatz: Ein mögliches Einsparungspotenzial von 100 000 Euro sieht die Bauverwaltung, wenn es zwischen den beiden Plätzen keinen fließenden Übergang der verschiedenen Pflasterungen gibt, son- dern eine klare Kante geformt wird. Beltinger präsentierte eine sogenannte Teppichlösung, die vorsieht, dass das graue Pflaster vom Residenzplatz wie bisher bis an der Commerzbank vorbei geht. Hier muss die technische Machbarkeit noch geprüft werden, auch die Bushaltestellen würden in diesen Bereich fallen. Die grau-gelbe Pflasterung des Hildegardplatzes soll daran anschließen. Somit stünde die Residenz auf einem „grauen Teppich“, der Hildegardplatz wäre als „grau-gelber Teppich“ gestaltet. Teure Sitzmöglichkeit Stützmauer Basilikahügel: In diesem Bereich sollen für die Bürger Sitzmöglichkeiten geschaffen werden. Am Hügel sind daher Bänke aus einer lockeren Stahlkonstruktion mit Holzauflage vorgesehen. Für die Sitzmauer am Hügelfuß favorisiert die Bauverwaltung eine 60 Zentimeter breite, zum Teil mit Holz belegte Betonbank. Die Kosten hierfür werden derzeit auf 130 000 Euro beziffert. Während sich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Stadträte im Bezug auf den Übergang einig waren und einhellig zur „Teppichlösung“ tendierten, sofern sie technisch möglich ist, gab es zu den anderen zwei Punkten unterschiedliche Meinungen. Die einzige richtige Einsparmöglichkeit sah Thomas Kiechle (CSU) darin, den Kirchberg gar nicht zu machen. Allerdings wehrten sich hier einige seiner Kollegen vehement dagegen. „Der Kirchberg muss richtig gepflastert werden“, betonten beispielsweise Siegfried Oberdörfer (SPD) und Bruno Steinmetz (FDP). In Sachen Sitzmauer meinte Karl Sperl (CSU), dass ihm eine Stützmauer mit Holzsitzflächen darauf genügen würde. Aber auch er erntete dafür Widerspruch. „Wir dürfen nicht an der falschen Stelle sparen. Die Einfassung des Hügels ist ganz wichtig und die Sitzfläche muss stimmen“, so Oberdörfer. Steinmetz meinte, dass die Qualität des Platzes durch die vorgeformte Stütz-Sitzfläche gewinnt. Für die zum Teil mit Holz belegte Betonbank plädierte auch OB Netzer und verdeutlichte: „Wir wollen den Bürgern gute Sitzplätze anbieten“, betonte er. Am Ende einigte sich der Bauausschuss mit großer Mehrheit darauf, dass die „Teppichlösung“ sofern technisch möglich umgesetzt wird. Außerdem soll der Kirchberg wie geplant neugestaltet und der Basilikahügel mit der vorgeformten Betonbank eingefasst werden. Die Verwaltung bereitet nun die Umsetzung der Maßnahmen weiter vor. Die notwendigen überplanmäßigen Haushaltsmittel sind über den Haupt- und Finanzausschuss zu beantragen.

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