"Nicht gut gelaufen"

„Eigentlich wäre die Gesellschaft am 31. Mai Pleite gewesen.“ Deutliche Worte zur finanziellen Situation des TheaterInKempten (TIK) fand am Donnerstagabend im Haupt- und Finanzausschuss Thomas Siedersberger, Geschäftsführer des KKU und der Theater gGmbH. Um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten, muss die Stadtverwaltung jetzt 180000 Euro zuschießen. Dieser Fehlbetrag war in der Saison 2008/2009 aufgelaufen. Zwar stimmten die Stadträte der Finanzhilfe einstimmig zu. Gleichzeitig drückten sie aber auch ihre Hoffnung aus, dass es sich dabei um einen einmaligen zusätzlichen Zuschuss handelt.

Als „wirtschaftlich nicht gut gelaufen“ bezeichnete Siedersberger die Theater-Saison 2008/2009. Obwohl das TIK pro Saison mit 480000 Euro von der Stadt bezuschusst wird, beträgt das Minus 180000 Euro. Als Gründe dafür nannte Siedersberger unter anderem weniger Umsatz durch weniger Zuschauer, höhere Gagen und Honorare, höhere Betriebskosten, deutlich weniger Spenden oder Rückstellungen für die 200 offenen Urlaubstage und 1000 Überstunden, die sich bei den Mitarbeitern des Theaters aufgestaut haben. Angesichts des bevorstehenden Wechsels auf dem Posten des Künstlerischen Direktors des TIK (der KREISBOTE berichtete) sprach sich Siedersberger für einen städtischen Zuschuss aus. Gebe man der künftigen Leiterin Nikola Stadelmann einen Kredit zum Stopfen der Löcher, führe das unweigerlich zu Kürzungen bei Programm und Qualität. „Ich möchte dem Neuanfang diese Bürde nicht auflegen“, betonte Siedersberger, der von einem „hoffentlich einmaligen Auftritt hier im Ausschuss“ sprach. Denn künftig soll zum einen auf der Einnahmenseite vorsichtiger kalkuliert werden („Wir haben unsere Lehren daraus gezogen.“). Zum anderen sei unter neuer Leitung mit niedrigeren Personalkosten zu rechnen. Der Spielplan soll ebenfalls überdacht werden. „Man muss den Spielplan entsprechend den Mitteln aufstellen“, so Siedersberger. Die Stadträte stimmten Siedersbergers Vorschlag schließlich zu – wenn auch mit Bauchschmerzen, wie beispielsweise Hildegard Greiter (CSU) deutlich machte: „Man kann einen Neustart damit nicht belasten“, spielte sie auf den Kredit an. „Das muss jetzt so abgehakt werden. Aber die Betonung liegt auf einmalig.“ CSU-Stadtrat Harald Platz regte hingegen an, über das Programmangebot nachzudenken, um wieder mehr Zuschauer ins TIK zu locken: „Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, sagte er. Dann müsse man allerdings vor allem Boulevard spielen, hielten dem Siedersberger und OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) entgegen. „Nur Mainstream wollen wir nicht.“ Aber welcher Weg aus der Misere soll sonst eingeschlagen werden? Beispielsweise mehr Werbung, wie es Thomas Hartmann von den Grünen anregte? Das würde wenig Sinn machen, erläuterte Siedersberger. „Denn das Theaterpublikum ist vom Umfang her begrenzt – es ist immer das gleiche Publikum“, erklärte er. Bleibt also abzuwarten, wie die Finanz-Probleme des TIK aud Dauer in den Griff zu kriegen sind. Denn dass es sich bei Siedersbergers Auftritt um einen einmaligen handelte, daran äußerte bereits Hartmann Zweifel. „Ich bin nicht so optimistisch, dass wir diese Diskussion in Zukunft nicht mehr führen werden“, sagte er.

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