Nichts Genaues weiß man nicht

Bürgerversammlung zum geplanten Umbau Berliner Platz und Ari-Kaserne

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Nicht einladend, nicht repräsentativ. So wird von vielen der Berliner Platz als Einfallstor nach Kempten empfunden. Nun gibt es, zumindest theoretisch, Pläne diesen Platz umzugestalten.

Kempten – Vergangene Woche veranstaltete die Stadt Kempten mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle und dem Leiter des Referats für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, Dr. Richard Schießl,

im ehemaligen Soldatenheim eine Bürgerveranstaltung zur geplanten Umgestaltung des Berliner Platzes und dem anliegenden Gelände der Artillerie-Kaserne.

Das Interesse war groß und so kamen rund 90 Besucher zur Veranstaltung. Während einer Phase der Konzeptentwicklung waren die Bürger Kemptens schon vor fünf Jahren um ihre Meinung gebeten worden. Diese konnten im September 2013 an einem mobilen Infostand ihre Anregungen und Wünsche auf einen Zettel schreiben und an einer Pinnwand befestigen. In einer Wandelhalle wurden diese Ideen im Sommer 2014 zusammengefasst und öffentlich ausgestellt. Darunter waren Wünsche wie u.a. so viel Bausubstanz wie möglich zu erhalten, Kurzzeitparkplätze für Wohnmobile und Busse einzurichten, ein P&R-Areal anzulegen und die Fläche südlich der Firma Liebherr wegen ihrer freien Sichtachse auf die Stadt Kempten unverbaut zu lassen.

Neues Einfahrtstor

Grundsätzlich wurde von allen Beteiligten der Wunsch geäußert, den Berliner Platz als Einfahrtstor nach Kempten repräsentativer und einladender zu gestalten. Im Folgenden war ein Gutachten zum Wert der Konversionsfläche, den Altlasten, zum Verkehr, Schall, Artenschutz und zur Energie angefertigt. Für das ehemalige Kasernengelände wurde von Beginn an eine Ansiedlung von Unternehmen im Sinne der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Stadt gedacht. Die Brachfläche östlich der Kaufbeurer Straße verfügt bereits heute über eine gute verkehrliche Anbindung sowohl an überregionale Verkehrswege als auch an die Kemptener Innenstadt. Durch die Nachnutzung der Artillerie-Kaserne durch die Ansiedlung von Unternehmen und Gewerbe soll zugleich die Chance genutzt werden, die Stadteinfahrt am Verkehrsknotenpunkt Berliner Platz städtebaulich aufzuwerten. So sollen u.a. neue Wegebeziehungen enstehen, um die Nähe zur Iller und zur Innenstadt (1,5 Kilometer) erlebbar zu machen. Auch möchte man vor Ort die Erholungsqualität für die zukünftig Beschäftigten, aber auch Bewohner der umliegenden Wohngebiete verbessern.

Große Pläne, wenig Konkretes

Insgesamt wurde das Areal um den Berliner Platz und das Gelände der ehemaligen Artillerie-Kaserne in sechs Maßnahmengebiete aufgeteilt. Der nördliche Teil der Kaufbeurer Straße und die Anschlussstelle an die Kaserne soll umgebaut und mit beidseitigen Gehwegen und einem einseitigen Radweg versehen werden. Am Berliner Platz werden sowohl die Einfahrt zur Peter-Dörfler-Straße sowie die Geh- und Radwege neu gestaltet. Auf dem nördlichen Gelände der Artillerie-Kaserne soll ein Gewerbegebiet mit Erschließungsstraßen und Grünflächen entstehen. Im südlichen Bereich sollen die als stadtbildprägende Bausubstanz eingestuften Soldatenheime einer Nachnutzung zugeführt und ebenfalls Gewerbe angesiedelt werden. Dieser Teil des Geländes ist aufgrund einer Vereinbarung zwischen der Stadt Kempten und dem Bayerischen Sozialministerium aus dem Jahr 2016 auch für die Unterbringung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge vorgesehen. Diese Einigung ist laut der Stadt Kempten zeitlich bis 2026 wirksam. Westlich der Kaufbeurer Straße hat die Firma Soloplan bereits das gesamte Gelände rund um das ehemalige Kreiswehrersatzamt erworben. Für das Gelände rund um die Keckkapelle liegen derzeit keine konkreten Pläne vor. Ebenso unsicher ist die Nutzung für das sich weiter nördlich anschließende Gelände zwischen der Firma ATU und Liebherr. In jedem Fall aber soll die Sichtachse zur Lorenzkirche erhalten bleiben.

Die Stadt argumentiert in ihrem Rahmenplan für die Weiterentwicklung des gesamten Geländes mit einem erhöhten Bedarf an Arbeitsstätten und einer zügigen Wiedernutzung derzeit brachliegender Flächen in verkehrstechnisch guter Lage. So soll das gesamte Umbaugebiet nach Paragraph 171 des Baugesetzbuch in ein „Stadtumbaugebiet“ transferiert werden. Derzeit steht noch der Verkauf des Geländes der ehemaligen Artillerie-Geländes durch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BlmA) an die Stadt Kempten und die Prüfung von Standortansprüchen durch Bundesbehörden wie unter anderem die Bundespolizei aus. Mit einer Klärung dieser Fragen ist laut Referat für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung in den nächsten Wochen beziehungsweise Monaten zu rechnen.

Jörg Spielberg

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