"Es hat nichts mehr funktioniert"

Wollen den Neuanfang bei der CSU-Süd: Ralf Bodenmüller (v.l.), Markus Hatt, Peter Wagenbrenner, Ursula Enderle, Alexander Wulf Buck und Stephan Prause. Foto: P. Buck

„Wir wollen einen Neustart.“ Mit einem neuen Vorstand will der CSU-Ortsverband Kempten-Süd kommunalpolitisch wieder durchstarten. Neuer Vorsitzender des Vereins ist Alexander Buck, der Angelika Stephan nach nur zwei Jahren an der Spitze des mitgliederstärksten Ortsverbandes ablöste. Stephan, die vergangene Woche nicht mehr kandidierte, trat noch am gleichen Tag aus der Partei aus. Ihr wird vorgeworfen, dem Verband nicht genug Profil verschafft zu haben. Außerdem seien während ihrer Amtszeit fast 100 Mitglieder ausgetreten.

Wenn Vereine einen Vorstandswechsel bekannt geben, wird in der Regel die Arbeit des scheidenden Vorstands über den grünen Klee gelobt und ihm für seine Arbeit in der Vergangenheit gedankt. In der Pressemitteilung des CSU-Verbandes Süd vom vergangenen Donnerstag ist darüber allerdings keine Zeile zu finden, was an und für sich schon tief blicken lässt. In diesem Fall wird aber mehr oder weniger deutlich die Arbeit Stephans infrage gestellt und Kritik geübt. So schreibt der neue Vorsitzende Alexander Buck etwa: „Vergessen wir einfach die letzten beiden Jahre und schauen positiv nach vorne.“ Gegenüber dem KREISBOTEN konkretisierte Buck seine Vorwürfe. „Es hat nichts mehr richtig funktioniert“, sagte er und bezeichnete den alten Vorstand als „in sich zerstritten“. Vor allem wirft er Vorgängerin Stephan fehlende politische Arbeit vor. „Man sollte politische Themen aufgreifen – aber da ist wenig gelaufen.“ Des weiteren seien während der Amtszeit Stephans 91 der ehemals 270 Mitglieder des Ortsvereins ausgetreten. Das sei zwar zum Teil der allgemeinen Politikverdrossenheit geschuldet, aber die internen Zustände des Ortsvereins hätten ihr Übriges dazu beigetragen. „Wir werden jetzt die Ärmel hochkrempeln und mit einem neuen Team die Aufnahme neuer Mitglieder ganz hoch auf die Prioritätenliste setzen“, kündigte er daher an. Neben der Mitgliederwerbung soll die CSU-Süd künftig auch politisch wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. „Wir wollen das Sprachrohr des Stadtteils sein und die lokalen Probleme aufgreifen“, so Buck. Dafür soll es zukünftig wieder mehr politische Veranstaltungen geben und neue Medien wie das Netzwerk facebook in die Arbeit eingebunden werden. „Wir wollen der Politikverdrossenheit entgegentreten“, betonte der 39-Jährige. "Steine im Weg" Angelika Stephan wies gegenüber dem KREISBOTEN die Vorwürfe zurück. „Das stimmt nicht“, sagte sie. Unter ihrer Leitung habe der Verein unter anderem ein Kinderfest, eine Fahrt in den Landtag, ein Besuch von Polizeipräsident Hans-Jürgen Memel, eine Besichtigung des neuen AÜW-Kraftwerks oder eine Weihnachtsfeier organisiert. „Mit der Resonanz war ich zufrieden“, bekundete sie am Donnerstag. Eine Teilnahme am Kemptener Faschingsumzug im vergangenen Jahr sei dagegen im allerletzten Augenblick vom Kreisverband verboten worden. Abgesehen davon habe sich der Vorstand 2009 darauf geeinigt, wegen der vielen Wahlen im gleichen Jahr nicht allzu viele Aktivitäten ins Leben zu rufen. 2010 sei sie umgezogen und dementsprechend eingebunden gewesen. Das habe der übrige Vorstand auch gewusst. „Aber man hat mir von Anfang an Steine in den Weg gelegt“, kritisierte sie. Politikmüde Die zahlreichen Austritte während ihrer Amtszeit führt sie auf die allgemeine Politikmüdigkeit der Bürger zurück. Ihr gehe es mittlerweile genauso. Bereits vor zwei Jahren habe sie vor dem Hintergrund der CSU-Politik Zweifel an ihrer eigenen Kandidatur gehabt, die sich in den vergangenen beiden Jahren zunehmend verstärkten. Deshalb sei sie unmittelbar nach der Mitgliederversammlung vergangene Woche aus der Partei ausgetreten. „Ich kann diese Politik nicht mehr unterstützen“, erklärte Stephan. Für eine weitere Überraschung während der Jahreshauptversammlung sorgte Stadtrat Stephan Prause. Für alle Beteiligten unerwartet trat er als Bucks Gegenkandidat an. „Da hätte man eine andere Lösung finden können“, monierte Buck, der im Vorfeld mit Prause über einen Stellvertreterposten gesprochen hat. Bei der Abstimmung entfielen 36 Stimmen auf Buck und 16 auf Prause, der anschließend mit großer Mehrheit zum Stellvertreter gewählt wurde. „Ich sehe das sportlich“, so Prause. „Wir werden gemeinsam dafür sorgen, dass es klasse läuft.“ Komplettiert wird der neue Vorstand des CSU-Ortsverbandes Kempten-Süd außerdem durch die Stellvertreter Ralf Bodenmüller, Ursula Enderle und Stephan Prause. Schatzmeister ist jetzt Markus Hatt, Schriftführer Anton Hörmann. Die Beisitzern sind Ursula Schmid, Andrea Hillgärtner, Markus Birnstiel, Werner Thanner, Joachim Ebner, Markus Schmetterer, Christian Wintergerst, Artjom Solowjonow sowie Edmund Eutermoser.

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