Niemand will Präsident sein

TV Kempten steht nach Leidls Amtsniederlegung vor Umbruch

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Das Präsidium des TV Kempten in seiner aktuellen Zusammensetzung: Die neu gewählte Finanzreferentin Simone Neuf-Reichart, Sportreferent Jürgen Mackevicius, kommissarischer Präsident und Technischer Referent Walter Schleppi, der ausgeschiedene Vizepräsident Hans Leidl, Verwaltungsreferentin Caroline Isemann und Jugendreferent Alexander Esters.

Kempten – Im April hatte Ullrich Kremser das Amt als Präsident des TV Kempten nach zehn Jahren niedergelegt und sich nicht zur Wiederwahl gestellt. Schon damals konnte kein Amtsnachfolger gefunden werden. Vizepräsident Hans Leidl übernahm die zusätzlichen Aufgaben interimsmäßig.

In einer außerordentlichen Delegiertenversammlung am vergangenen Dienstag legte nun auch er sein Amt als Vizepräsident aus, wie er sagt, „beruflichen, familiären und gesundheitlichen Gründen“ nieder. Um die juristische Handlungsfähigkeit des Vereins zu erhalten, erklärte sich der langjährige Technische Referent Walter Schleppi bereit, bis zur nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung im Frühjahr 2019 als kommissarischer Präsident zu fungieren. Bis dahin muss eine tragfähige Lösung für die Zukunft des Präsidiums gefunden werden. Es gibt bereits Ideen.

Hans Leidl stand die vergangenen sieben Jahre an der Spitze eines Sportvereins, zunächst als Präsident des TV Jahn Kempten, nach dessen Fusion mit dem TV 1856 Kempten im Jahr 2015 dann als Vizeprädient des neuen TV Kempten. Parallel dazu engagierte er sich zweimal wöchentlich als Übungsleiter (Powergymnastik, Powercircuit). Im Rahmen der außerordentlichen Delegiertenversammlung erklärte Leidl: „Bereits vor einem Jahr habe ich dem Präsidium mitgeteilt, dass ich aufgrund neuer beruflicher Aufgaben deutlich weniger Zeit für das Ehrenamt haben werde – stattdessen habe ich ab April (nach Kremsers Amtsniederlegung, Anm.d.Red.) weitere Aufgaben übernommen. Nun kommen leider gesundheitliche Probleme hinzu, was mir eine verantwortungsvolle Ausübung meines Amtes nicht mehr möglich macht.“ Daher werde er zurücktreten. Er habe viele Gespräche mit geeigneten Nachfolge-Kandidaten für das Präsidentenamt geführt, doch alle hätten mit beruflichen und familiären Verpflichtungen argumentiert und deswegen abgewunken. „Wie kann es sein, dass ein Großverein mit 5000 Mitgliedern sich so schwer tut, einen Präsidenten zu finden?“, fragte Leidl. Um das Problem zu lösen, müsse ein künftiger Präsident dringend entlastet werden, so sein Appell. Sein Vorschlag: Das Präsidium der Zukunft sollte eine Art Aufsichtsrat sein. Das Tagesgeschäft solle durch einen Geschäftsführer getragen werden, „damit wäre viel erreicht“.

Große Verdienste

Kemptens 3. Bürgermeister Josef Mayr und Jürgen Mackevicius, Sportreferent des TVK, würdigten Leidls Verdienste. Er habe die Geschicke des größten Kemptener Vereins sehr erfolgreich, mit enormem Engagement, großer Leidenschaft und Gestaltungswillen gelenkt und dabei viele Ideen zur zukünftigen Ausrichtung des Vereins eingebracht. Dazu habe gehört, die Finanzbuchhaltung zukunftsfähig aufzustellen, ein neues Kursstudio zu etablieren und größeres Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit des Vereins zu legen. Für Leidls Rücktritt äußerten beide Redner persönliches Verständnis und Bedauern.

Neue Finanzreferentin

Bei den anschließenden Wahlen galt es nicht nur, die Posten des Präsidenten und des Vizepräsidenten neu zu besetzen, auch musste eine neue Finanzreferentin gefunden werden. Nach dem Rücktritt von Helga Richter im April (sie war sechs Jahre lang Finanzreferentin gewesen) hatte Martina Laboranowitsch den Posten übernommen, diesen aber nach nur drei Monaten wieder aufgegeben. Als neue Finanzreferentin wurde nun die einzige Kandidatin, Simone Neuf-Reichart, einstimmig gewählt. Die dreifache Mutter stammt aus Aschaffenburg und ist hauptberuflich Finanzbuchhalterin bei der Firma Lebert.

Juristische Handlungsfähigkeit erhalten

Für die Posten des Präsidenten und des Vizepräsidenten standen erwartungsgemäß unter den 89 anwesenden Delegierten keine Kandidaten zur Verfügung. Das Präsidium zog sich daraufhin zu einer fünfminütigen Beratung zurück, nach deren Ende verkündet wurde, Walter Schleppi übernehme die Aufgaben des Präsidenten kommissarisch, um die juristische Handlungsfähigkeit des Vereins zu erhalten. Als dienstältestes Präsidiumsmitglied – Schleppi ist seit 13 Jahren Technischer Referent des Vereins – habe er sich in der Verantwortung gesehen, die zusätzlichen Aufgaben bis zur nächsten ordentlichen Delegiertenversammlung im März oder April 2019 zu übernehmen, erklärte er auf Nachfrage. Zugleich betonte er: „Das ist aber auf jeden Fall begrenzt. Es steht ganz klar fest, dass ich nicht als Präsident kandidieren werde.“ Er zeigt sich optimistisch: „Wir werden jemanden für das Präsidentenamt finden. Es gibt bereits Konzepte. Wir werden umstrukturieren müssen, damit der künftige Präsident weniger Aufgaben hat. Wir werden sicher nicht umhin kommen, irgendwann einen Geschäftsführer einzusetzen. Dafür muss aber zuerst die finanzielle Situation überprüft werden (der TV Kempten verbuchte für das Jahr 2017 ein Minus von 95.000 Euro, Anm.d.Red.) Wenn wir besser aufgestellt sind, wird das sicher ein Thema.“ Beruhigend für die Mitglieder: Gebührenerhöhungen sind laut Schleppi momentan nicht angedacht.

Sabine Stodal

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