Zwischen Nollywood & Terror

Nigeriaabend: Wissenswertes über das westafrikanische Land

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Timm Baumann von der Georg-von-Vollmar-Akademie (re.) interviewt hier gerade Tino (30), einen Geflüchteten aus Nigeria. Er arbeitet im Rahmen eines sozialen Projektes zurzeit auch im Haus International.

Kempten – Die zweitgrößte Filmindustrie der Welt – „nollywood“ – hat ihren Sitz in Nigeria. Nigeria besteht aus vielen Einzelstaaten, mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in extremer Armut:

Diese und viele andere Informationen gab es für die rund 70 Interessierten jetzt beim Nigeria-Länderabend im Haus International.

Dazu hatten sich die Kooperationspartner sogar Simon ­Pearce, einen nigerianisch-bayerisch stämmigen Schauspieler und Comedian, ins Boot geholt. Er erzählte anschaulich und humorvoll von Situationen des alltäglichen Rassismus, die ihm und seiner Familie immer wieder begegnen – nach dem Motto „Allein unter Schwarzen“. Die Veranstaltung gehört in die Reihe „Engagiert für Integration“ und war eine Kooperation von Diakonie Kempten-Allgäu, evangelisches Bildungswerk Südschwaben (ebs), Haus International und der Georg-von-Vollmar-Akademie. Das Fazit des Abends: einhellig stellte man fest, dass man eine Woche lang über Nigeria berichten könnte, und ein Abend dafür gar nicht ausreiche.

Die Moderation des Abends übernahm Timm Baumann von der Georg-von-Vollmar-Akademie. Eröffnet wurde der Abend von Anke Heinroth, in der Diakonie zuständig für Begleitung, Beratung und Qualifizierung ehrenamtlicher Flüchtlingsarbeit. Sie informierte darüber, dass man über die Seite www.asylinkempten.de

Termine zu weiteren Veranstaltungen erfährt – und natürlich Informationen, wenn man sich ehrenamtlich engagieren möchte. „Einige nigerianische Familien suchen noch Hilfe und Unterstützung“, gab sie bekannt.

Referent Kolade Igbasan, African Good Governance Network, gab einen Einblick in die gesellschaftspolitische Situation Nigerias. Er berichtete über Korruption, die Spaltung von Arm und Reich und natürlich auch über die Boko Haram, eine islamistische terroristische Gruppierung im Norden Nigerias. Auch einige in Kempten lebende Geflüchtete aus Nigeria erzählten in dieser geschützten Runde von ihren persönlichen Schicksalen und dass es auch nicht einfach sei, die Familie zurückzulassen.

Bemängelt wurde in diesem Zusammenhang, dass „alle“ nigerianischen Geflüchteten als Wirtschaftsflüchtlinge abgeurteilt würden: Das stimme so nicht, es gebe viele verschiedene Einzelschicksale mit verschiedensten Fluchtgründen. Auch sei das Wissen über Nigeria mangelhaft. Hier schlichtete Igbasan: „Wer vorher noch nie in Europa war, kennt auch den Unterschied zwischen Italienern und Deutschen nicht.“ Bedauert wurde, dass der Abend nicht zweisprachig, auf Deutsch und auf Englisch, stattgefunden habe. Das hätte die Kommunikation erleichtert.

Abgerundet wurde der informative Abend mit einem kleinen nigerianischen Buffet.

Am Dienstag, 19. Juni, gibt es den Vortrag „Fluchtursachen – made in Europe“ um 19.30 Uhr im Haus International, ebenfalls in Zusammenarbeit mit der Georg-von-Vollmar-Akademie.

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