Wo noch kein Schüler war

Wofür das 250 Jahre alte Gebäude der heutigen Fürstenschule schon alles gedient hat? Als Weinschenke, als Gerichtsgebäude, in dem auch der Richter und die Amtsleute gewohnt haben, als Waisenhaus und auch als Lazarett – aber vor allem, „seit 170 Jahren als Schule“, sprudelt es aus den 29 Schülern und Schülerinnen der Klasse 4b. Im Rahmen des Denkmalprojektes haben sie viel gelernt über ihr Schulgebäude, bevor es vergangene Woche in zwei Gruppen auf Exkursion vom Keller bis zum Dachstuhl ging.

Zusammen mit dem Architekten Hermann Hagspiel und Schulleiterin Ilse Roßmanith-Mitterer machten sie sich nach einer kurzen Einführung auf den Weg, die barocke Bauweise des Hauses näher zu erkunden. Zuerst begutachteten sie die Besonderheiten an der Fassade. Die dort befindlichen „Muscheln sind ganz typisch für das Barock“, erklärte Hagspiel und wies auf die ebenfalls charakteristische Symmetrie an der Außenwand hin. Voller Neugierde ging es weiter in den düsteren Gewölbekeller. „Waren Keller feucht oder trocken?“, fragte der Architekt. „Trocken“, meinte einer der kleinen Zuhörer – womit er allerdings falsch lag. Interessiert begutachtete die Gruppe den mit „Bachkatzen“ gepflasterten Boden und nahmen den ein oder anderen lose liegenden Bachkiesel in die Hand. Oft seien nur Teile des Hauses unterkellert worden, weil es eine teure Angelegenheit gewesen sei, erfuhren sie dort neben vielen anderen Details. Im Treppenhaus wurden die schmucken Türfenster und das reich verzierte Geländer unter die Lupe genommen. Früher sei das Treppengeländer für unwichtig erachtet worden, erklärte der Bauexperte, bis die Herrscher gemerkt hätten, „dass sie sich beim Herabschreiten in Szene setzen können“. Und zu guter Letzt ging es über eine Klapptreppe auf den Dachboden, wo noch nie ein Schüler gewesen sei, wie Roßmanith-Mitterer betonte. Da ein Dach das Haus schützen soll, sei es schräg, so dass das Wasser ablaufen könne, ging Hagspiel auf die Funktion ein, bevor er die Arbeitsschritte erklärte, die der Zimmermann für den schönen alten Dachstuhl durchlaufen musste. Aufmerksame Schüler Dass die Viertklässler der Hausführung aufmerksam gefolgt waren, zeigten die Antworten, die sie in das Arbeitsblatt zum Schluss füllten. Da waren selbst Fachbegriffe wie „Volutengiebel“ keine Seltenheit. Noch eine kleine Besichtigung der Bilderwand zu barocken Gebäuden in Kempten und der Geschichte des Schulhauses und schon ging es zurück in den normalen Unterricht. Das staatliche Projekt „Drittklässler und Denkmale“, das in der Denkmalpflege tätige Fachleute mit Schülern und Lehrern zusammenbringen soll, „habe ich in der vierten Klasse weitergeführt“, erklärte die Schulleiterin, denn das denkmalgeschützte Schulgebäude biete sich ja geradezu an.

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