Mehr Autos in der Innenstadt

Parkraumuntersuchung: Rückgang von rund drei Prozent seit Gebühreneinführung

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„Frei“ ist am Parkplatz Pfeilergraben nicht immer zu lesen. Dieser Parkplatz ist nicht nur gut ausgelastet, sondern zeitweise auch überbelastet.

Kempten – Durch die Einführung von Parkgebühren auf allen größeren innerstädtischen bzw. innenstadtnahen Parkplätzen zu Beginn des Jahres hat sich die Grundnachfrage im nördlichen Innenstadtbereich kaum verändert.

Wie Diplom-Ingenieur Tobias Schönefeld vom Verkehrsplanungsbüro SVU Dresden vergangene Woche im Verkehrsausschuss erläuterte, seien im Vergleich zu 2016 heuer 268 Fahrzeuge weniger erfasst worden, was einem Rückgang von 3,1 Prozent entspricht.

2016 seien von den rund 3500 öffentlichen Stellplätzen im nördlichen Innenstadtbereich 64 Prozent bewirtschaftet gewesen, seit Anfang 2017 sind es 88 Prozent. In der Parkraumuntersuchung 2017 hat das Büro SVU Dresden untersucht, wie sich die Einführung der Parkgebühren auf Auslastung, Parkdauer und Nachfrage ausgewirkt hat. Im Tagesverlauf sei morgens ein Anstieg zu verzeichnen und mittags die höchste Nachfrage, dann nehme es wieder ab und steige am frühen Abend nochmals ein wenig an. Vor Einführung der Gebühren seien vor allem die unbewirtschafteten Parkflächen den ganzen Tag über gut ausgelastet gewesen. Seitdem für die Parkplätze gezahlt werden müsse, werde weiter in die Stadt hineingefahren, erläuterte Schönefeld. Auf den Parkplätzen Illerdamm und Rottachstraße sei folglich ein Rückgang der Auslastung deutlich spürbar gewesen, am Königsplatz (oberirdischer Parkplatz und Tiefgarage) und im Rathaus-Parkhaus dagegen sei die Auslastung gestiegen. Eine teilweise Überbelastung lag am Pfeilergraben vor. Von vormittags bis etwa 17 Uhr sei die Stellplatzfläche teils über 100 Prozent belegt gewesen, sprich es wurde auch auf Flächen geparkt, die eigentlich keine Parkplätze mehr sind. „Am Pfeilergraben gab es eine Verlängerung der Auslastungsspitzen“, erklärte der Experte. Freie Stellplätze waren im Gebiet aber auch zu Zeiten der höchsten Nachfrage immer noch zu finden. Im gesamten Gebiet gebe es Stellplatzreserven von rund 20 Prozent. Neben dem Pfeilergraben waren auch im Umfeld der Wirtschaften in der Prälat-Götz-Straße punktuell alle Stellplätze belegt.

Regelmäßig unzulässig abgestellt Fahrzeuge wurden in den Bereichen Auf‘m Plätzle, in der Kronenstraße und am Rathausplatz festgestellt.

„Das Grundsystem zur Organisation des ruhenden Verkehrs ist zielführend“, zog Schönefeld als Fazit. Trotzdem hatte er ein paar Maßnahmenvorschläge dabei. Am Pfeilergraben empfiehlt er die Einführung einer Parkdauerbegrenzung, die sechs öffentlichen Stellplätze Auf‘m Plätze sollten in Bewohnerparkplätze oder eine Lieferzone umgewandelt und in einigen Bereichen kleine Anpassungen hinsichtlich des Bewohnerparkens gemacht werden.

Die Untersuchung hat außerdem ergeben, dass es aktuell keine zwingende Notwendigkeit für zusätzliche öffentliche Parkierungseinrichtungen gibt. Eine Konzentration öffentlicher Stellplätze bzw. die Stärkung zentraler Parkierungseinrichtungen sei jedoch denkbar (z.B. Quartiersgarage im Bereich Pfeilergraben/Rottachstraße).

Dass die Belegung mancher Parkplätze stark nachgelassen hat, stellte auch Bürgermeister Josef Mayr (CSU) fest. Autofahrer, die kostenlos parken möchten, machen dies nun beispielsweise im Stuibenweg, Augartenweg und in der Frühlingstaße. Teilweise würden auch Unternehmen bzw. Einzelhandelsbetriebe ihre Privatflächen mit Schranken ausstatten, da schon vor Geschäftsöffnung der Parkplatz gut gefüllt sei. Die Verlagerung in einzelne Straßen könnte laut Schönefeld mit Anpassungen zum Bewohnerparken verhindert werden.

Mayr wollte außerdem wissen, ob sich der leichte Rückgang an erfassten Fahrzeugen im ÖPNV bemerkmar gemacht habe. Hierzu antwortete sein Stadtratskollege und Busunternehmer Helmut Berchtold (CSU). Für sein Unternehmen könne er auf der Regionallinie (aus dem südlichen Oberallgäu kommend) 14 Prozent mehr Fahrgäste verzeichnen. Deutliche Veränderungen gebe es vor allem beim Semesterticket, hier sei die Nachfrage stark gestiegen. Innerstädtisch hätten sich die Zahlen dagegen kaum verändert. Eine gute Entwicklung nehme auch das Jobticket. Nach Einführung des neuen Angebots der mona seien innerhalb von drei Monaten 160 bis 170 Jobtickets ausgestellt worden. Die überwiegende Zahl seien Neukunden. Bei den neuen ÖPNV-Angeboten sei jedoch ein großer Nachteil gewesen, dass sie erst fünf Monate nach Einführung der Parkgebühren zur Verfügung standen.

Auch im südlichen Innenstadtbereich wurde eine Untersuchung gemacht und das Parkverhalten analysiert. Die Ergebnisse hierzu werden in einer der nächsten Verkehrsausschusssitzungen vorgestellt. Auf Nachfrage von Thomas Hartmann (Grüne) verriet Schönefeld aber schon einmal, dass sich auch für den südlichen Bereich abzeichne, dass es Parkplatzreserven im Bestand gebe.


Auslastung Parkplätze

Normalwerktag/Markttag (Vergleich 2016)

Parkplatz Illerdamm: 59% (87%) / 57% (87%)

Parkplatz Feuerwehr: 78% (97%) / 91% (99 %)

Parkplatz Rottachstr. West 94% (101%) / 89 % (104%)

Parkplatz Pfeilergraben 107% (101%) / 104% (104%)

Parkhaus Galeria 85% (65%) / 86% (91%)

Parkhaus Rathaus 77 % (59%) / 76% (74%)

Parkhaus Altstadt 61% (78%) / 56% (64%)

Parkplatz-/haus Königsplatz 77% (72%) / 87% (73%)

Melanie Weidle

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