Die Schulentwicklung im Fokus

Möglicher Umbau des Schulsystems

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(v.l.) Otto Ziegler (Vorsitzender des Ortsvereins der SPD), Prof. Dr. Gerald Grübler (Hausherr an der nta) und Nobert Zeller, der Referent des Abends und Stabsstellenleiter im Kultusministerium.

Isny – Zu den Merkwürdigkeiten von Statistiken gehört ganz offensichtlich, dass sie nur selten die vorher aufgestellten Prognosen bestätigen.

Wenn es als dramatisch eingestuft war, wie sehr die Schülerzahlen an den öffentlichen Schulen zurückgehen werden und welche Schritte die Landesregierung unternehmen muss, um dem entgegenzusteuern soweit es den Bildungssektor betrifft, fragt man sich das allemal.

Auch Norbert Zeller, Stabstellenleiter im Kultusministerium und lange Zeit bildungspolitischer Sprecher der Baden-Wüttembergischen SPD, sieht sich in seiner Tätigkeit mit diesem Phänomen konfrontiert. Bei seinem Vortrag zum Thema „Schulmodell der Zukunft“ im großen Hörsaal der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie (nta) stellte er jetzt die Zahlen und Fakten vor, die im Augenblick Grundlage verschiedener Planungen sind.

Oft diskutiert

In Isny wird das Thema Bildungspolitik und Schulsystem mit Sicherheit noch oft diskutiert werden. Das war jedenfalls der Grund, warum die Isnyer SPD Norbert Zeller eingeladen hatte. Das dreigliedrige Schulsystem ist nach der augenblicklichen Planung ein Auslaufmo- dell und bei der Begrüßung durch Prof. Dr. Gerald Grübler in den Räumen der nta kam es auch noch einmal deutlich heraus, dass trotzdem noch vieles darauf aufgebaut ist.

Das war der richtige Einstieg für Zeller. Mit dem geplanten Abbau von 10.600 Lehrerstellen in Baden-Württemberg wird es wohl nichts – jedenfalls nicht ganz so schnell und hoch wie berechnet. Kommt die Gemeinschaftsschule flächendeckend überall, ändert das ja auch die gesamte Lernsituation und die inzwischen Landesweit eingerichteten 209 Schulen sprechen für die Umgestaltung des gesamten Schulsystems. Im kommenden Jahr rechnet das Kultusministerium mit weiteren 100 Schulen, die sich für diesen Weg entscheiden. Am Ende dürfte das Schulsystem also auf zwei Säulen stehen. Der Gemeinschaftsschule und dem Gymnasium. Wenn der Lehrer zum „Lernbegleiter“ wird ist das nicht nur sprachlich eine Änderung.

Zeller sprach hier von einem gänzlich neuen Schulauftrag und einem gewandelten Lernverhalten. Der im Sinne der Inklusion angestrebte Weg sieht die Zusammenlegung von Schülern unterschiedlicher Leistungsmöglichkeiten vor und in Klassen, in denen dann geistig Behinderte mit eingebunden sein sollen und noch durch eine entsprechende Fachkraft zusätzlich die Lernförderung trotzdem gewährleistet wird. „Man lernt voneinander und lernt auch, miteinander umgehen und sich im Rahmen der Möglichkeiten zu helfen.“

Die Gemeinschaftsschule ist aber nicht zu verwechseln mit der ebenfalls angestrebten Ganztagsschule. Dabei geht es darum, an drei bis vier Tagen der Woche die Schüler auch über die Mittagszeit in der Schule zu behalten, dort auch in den Nachmittagsstunden zu unterrichten und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die zu machenden selbständigen Aufgaben in der Schule erledigt werden.

Eine Änderung des Schulgesetzes, Erstellen eines Landesinklusionsplans werden notwen- dig. Die Einführung eines notenfreien Bewertungssystems und die regelmäßige Führung der individuellen Bildungspläne sind dann von Lehrer zu bewältigen.

Das ist aber nicht der Schulalltag. Der Teiler einer Klasse liegt bei 28 Schülern. Das heißt, bei 29 wird geteilt und wie ein Lehrer dann für 28 Schüler diese Aufgaben bewältigen soll, ist während des Referats nicht geklärt worden.

Manfred Schubert

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