Initiativ-Kreis legt Nutzungskonzept vor

Pumpenhaus bald wachgeküsst?

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Ostseite des Pumpenhauses mit Blick zur Burghalde.

Kempten – Kleinode gibt es in Kempten ja so einige. Viele genießen Denkmalschutz, andere nicht, auch wenn sie – mindestens gefühlt – schützenswert sind;

zum Beispiel weil sie ins Stadtbild gehören, weil sie die Handschrift eines prominenten Architekten tragen oder auch „Zeitzeuge“ einer bestimmten Epoche sind, es aber, aus welchem Grund auch immer, auf keine Liste des Landesdenkmalamtes geschafft haben.

Ein solches Gebäude ist das nicht denkmalgeschützte ehemalige Pumpenhaus am Fuße der Burghalde. Schützenswert erschien es aber einem Kreis aus Altstadtfreunden, dem architekturforum allgäu (af), dem Heimatverein Kempten und verschiedenen Bewohnern des Quartiers unter der Burghalde. 

Sie haben sich des Gebäudes in Absprache mit der Stadtverwaltung als Initiativ-Kreis Pumpenhaus angenommen, da sich in der ersten Jahreshälfte 2016 Anfragen von Privatinteressenten für den Erwerb gehäuft, zugleich aber auch Stimmen gemehrt hatten, es einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. 

Ein Jahr lang sollten mögliche Verkaufspläne aufgeschoben werden und dem Initiativ-Kreis die Möglichkeit gegeben werden, ein Sanierungs- und Nutzungskonzept zu entwerfen.

Der af-Geschäftsführer, Altstadtfreund und Initiativ-Kreisler Franz Schröck hat dem Pumpenhaus zudem ein Kapitel im aktuellen Altstadtbrief gewidmet, wo neben vielen anderen interessanten Details zu erfahren ist, dass es der renommierte Architekt Ambros Madlener (1869-1956) im Juli 1914 gewesen ist, der Pläne zur Genehmigung für ein Gebäude zwischen den beiden großen Hochbehältern des Kemptener Gaswerks eingereicht hatte, in dem die Regler für die Gasturbinen Platz finden sollten – also für das seither so genannte Pumpenhaus. 

Das „Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept“ (ISEK) sieht in ihm ein „wichtiges Bindeglied zwischen der Burghalde und dem neuen Altstadtparkt“, wie Schröck im Gespräch mit dem Kreisboten betont. Und es sei das letzte Bauwerk in Kempten aus dem Industriezeitalter von vor zwischen 100 und 150 Jahren. Es bietet rund 120 Quadratmeter Nutzfläche plus Flächen für Küche und WCs und wie Schröck hervorhebt, sei die Substanz des seit über 30 Jahren ungenutzten Gebäudes gut, sodass man es „super wieder herrichten und nutzbar machen kann“.

Die vorab noch zu klärende Schadstoffbelastung in Gebäudesubstanz und Raumluft habe zwar allein schon „ein halbes Jahr gedauert“, aber dafür „unproblematische“ Verunreinigungen, wie leicht zu beseitigende „kontaminierte Böden und Wandflächen“ ergeben, ist Schröck froh.

Mitte Januar wurde nun der vom Initiativ-Kreis erarbeitete Bericht (namentlich unterzeichnet von Schröck, Carmen Cremer und Hermann Hagspiel für das af, von Tillmann Ritter für den Heimatverein sowie von Dietmar Markmiller und Dieter Schade für die Altstadtfreunde) im Rahmen eines laut Schröck sehr erfreulichen Gesprächs mit OB Thomas Kiechle, Dr. Richard Schießl, Referent für Wirtschaft, Kultur und Verwaltung, mit Baureferent Tim Koemstedt und Renate Mader vom Liegenschaftsamt übergeben. 

Erfreulich deshalb, weil die insgesamt mit 350.000 Euro (deckungsgleich mit der ermittelten Summe in der ISEK-Untersuchung zur „Erweiterten Doppelstadt“) veranschlagten Kosten für die Sanierung und Modernisierung „bei der Stadt gar nicht tragisch aufgefallen sind“, sondern als „gut unterzubringen“ angesehen worden seien. Sicher auch deshalb, weil es verschiedene Fördermöglichkeiten für die Sanierung gibt, wie Schröck wusste. Allerdings: Um den Betrieb will sich die Stadt nicht selbst kümmern.

Vier Nutzungsvarianten hat der Initiativ-Kreis deshalb ausgearbeitet und alle Vor- und Nachteile in einer Matrix gegenübergestellt: Sozial/Raum, Aktions/Raum, Kultur/Raum und Bildungs/Raum. Wie Schröck berichtet, seien die städtischen Vertreter schnell auf die Szenarien Kultur/Raum (öffentliche Nutzung für Kunst- und Kulturvermittlung mit Kleinkunstkino, Café, Kunstausstellungen und Kulturevents) gefolgt von Aktions/Raum (öffentliche Nutzung als offener Veranstaltungsraum mit Anmietungsmöglichkeit durch Vereine, Bürger und sonstige Veranstalter) fokussiert gewesen.

Die Allgäu GmbH habe bereits signalisiert, sich einen Betrieb in Form von Koordination der Raumbelegung und Verwaltung, ähnlich wie beim digitalen Gründerzentrum, vorstellen zu können. Schießl sehe den „idealen Betreiber“ dagegen eher in einem – noch zu gründenden – Quartiersverein mit Bezug zu den dort lebenden Menschen.

Der Initiativ-Kreis hofft, dass aufgrund der von den Mitgliedern geleisteten Vorarbeit die nötigen Mittel bereits im Haushalt 2019 eingestellt werden und sich die Entscheider die Aussage von Baureferent Koemstedt zu Herzen nehmen: dass sicherzustellen sei, dass das Pumpenhaus keinesfalls wieder in einen „Dornröschenschlaf“ verfalle. 

Christine Tröger

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