Mit dem OB durch die Stiftsstadt

Auf großes Interesse bei Kemptens Bürgern stieß die Begehung der Stiftstadt mit OB Dr. Ulrich Netzer (vorne), die der Vorsitzende der CSU Kempten-Mitte, Dietmar Markmiller (dahinter), organisiert hatte. Foto: Tröger

Rund 70 Interessierte hatten sich am Samstag mit OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) auf den Weg durch die Stiftstadt gemacht. Organisiert hatte die informative Tour Dietmar Markmiller, Vorsitzender der CSU Kempten-Mitte. Auf der rund zweistündigen Tour erläuterte der OB Entwicklungen und offen für konstruktive Kritik und Anregungen. Auch für manch anstehende Maßnahme, die nicht jedem schmecken mag, versäumte er nicht zu werben. Der Start an der Lorenzbasilika legte das Thema „Umgestaltung Hildegardplatz“ nahe, deren Varianten mit oder ohne Tiefgarage er nochmals kurz erläuterte. Das Ratsbegehren, in dem die Kemptener über die Umgestaltung entscheiden sollen, konnte er sich für das Frühjahr 2011 vorstellen. „Wohin ich tendiere ist bekannt“.

Station Zumsteinhaus: Im Rahmen des Museumskonzeptes sollen hier künftig sowohl Stadtgeschichte als auch eine Anlaufstelle für Touristen untergebracht werden. Für den nötigen Umbau des Gebäudes „werden schnell zwei bis drei Millionen Euro fällig“, begründete Netzer, dass es mit der Umsetzung noch dauere. Er berichtete dafür von einem positiven Gespräch mit der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung sowie Staatsvertretern, beides Hausherren der Kemptener Residenz. Diese hätten den Handlungsbedarf bei der „unzulänglichen Eingangssituation zu den Schmuckstücken der Stadt“ – den Prunkräumen – verstanden. Aber auch hier sei „kein Geld da“, räumte er ein, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern werde. Längere Öffnungszeiten für die Museen wünschte sich eine Bürgerin, der 16 Uhr für den spontanen Besuch mit Kindern an einem verregneten Nachmittag zu knapp war. Station Gerberstraße: Unter dem Druck, die Straße „möglichst radikal“ verändern zu wollen, sei eine Initiative aus hier ansässigen Gewerbetreibenden entstanden, um das „Mühlbach Quartier“ als Viertel mit eigenem Charakter zu entwickeln, erklärte Netzer. Er bestätigte die Fertigstellung der Baumaßnahme planungsgemäß noch „vor Wintereinbruch“. Station Hofgarten: „Einer der schönsten Plätze in unserer Stadt“, begeisterte sich das Stadtoberhaupt, auch mit Blick auf den hier entstandenen Bolzplatz. Behutsam stimmte er die temporär auf knapp 100 Menschen angeschwollene Gruppe auf die für Sommer 2011 geplante Fällung sämtlicher Kastanien entlang der beiden zur Orangerie führenden Alleen ein. Die einen mehr, die anderen weniger, „sind sie unten und oben alle morsch“, sodass die Verkehrssicherheit nur „schwierig zu gewährleisten“ sei. In den letzten zwei, drei Jahren habe man dafür „zehntausend Euro pro Jahr reingebuttert“. Nicht zuletzt wegen des einheitlichen Bildes sei es sinnvoll, alle auf einmal zu fällen und neue Bäume, „ungefähr in der Größe derer am Sankt Mangplatz“ nachzupflanzen. Dann sehe es in wenigen Jahren wieder nach etwas aus. Auch einige – seines Wissens aber „nicht alle“ – Bäume oberhalb der Brunnenanlage seien von Fällungen betroffen. Was wird aus Klinik? Station Stiftsgärten: Hier sei „ein gelungenes Beispiel, wie man in der Innenstadt gute Wohnqualität neu anbieten kann“, lobte Netzer das Projekt „Wohnen am Hofgarten“, das Ende 2011 fertig gestellt sein soll. Alle Wohnungen, auch die noch nicht gebauten, seien bereits verkauft. Im ersten Bauabschnitt hätten, so Netzer zur Käuferstruktur, „hauptsächlich Eingennutzer“ zugeschlagen, im zweiten Abschnitt Eigennutzer und Kapitalanleger zu gleichen Teilen. Nicht „ganz aufgegangen“ sei der Gedanke, vor allem junge Familien hier angesiedelt zu haben. Station Klinikum Memmingerstraße: Überzeugt von der Einhäusigkeit mit dem oberen Klinikum bis 2011/2012, werde das Gebäude spätestens 2013/2014 zur weiteren Nutzung frei. Zwar falle das Gelände damit wieder zurück an den Landkreis. Primär aber bleibe es ein Ort für die Stadtentwicklung. Erhalten bleibe auf jeden Fall der denkmalgeschützte Haupttrakt. Der Rest sei für eine Umnutzung kaum geeignet, weshalb es „vermutlich besser ist, sich von ihm zu verabschieden“. Vorstellen könne er sich „das Wohnen in der Innenstadt hier weiter zu ziehen“. Die Kritik zweier Kemptener, dass an der inzwischen mit Ampeln reich bestückten Rottachstraße von der angestrebten Verkehrsberuhigung „nichts zu merken ist“, nahm der OB auf. Station Fürstenschule/ehemalige Maria Ward Schule: Als gut gelungene Umnutzung eines Gebäudes hob Netzer die ehemalige Maria Ward Schule hervor, mit Schwerpunkt Bildung im alten Teil und Wohnen im neuen. Weniger begeistert zeigte sich eine Anwohnerin über die Parkplatzsituation, die sich durch die Umnutzung „verschärft“ habe. Sie regte an, sich mit den Eigentümern des leer stehenden Lebensmittelmarktes am Stiftskellerweg wegen seiner nun ungenutzten Parkfläche ins Benehmen zu setzen. Den Wunsch eines Anwohners nach „Erlösung“ durch ein Parkhaus an der Prälat-Götz-Straße musste Netzer nach „mehrfacher Prüfung“ wegen zu geringer stadteigener Fläche und zu hoher Kosten eine Absage erteilen. Station Weiherstraße: Das frühere „Glasscherbenviertel“ sei heute „eines der attraktiven Wohnviertel in unserer Stadt“. Offen sei noch die Anbindung Lorenzstraße/Brachgasse. Aufgrund der klaren Prioritäten des Stadtrates für Investitionen in Schulen in den nächsten drei Jahren, sehe man „keine Möglichkeit“ für die Jahre 2011/2012 hier weiterzumachen, bedauerte der OB. Damit wollte sich ein Anlieger nicht abfinden, der sich „seit 20 Jahren vertröstet“ sah. Die Park- und Fahrsituation sei untragbar. Auch das Thema „Ausbaubeiträge“ für Anlieger, das in der jüngeren Vergangenheit bereits hohe Wellen geschlagen hatte (der KREISBOTE berichtete mehrfach), brachte er erneut zur Sprache. Seine Befürchtung: Anlieger könnten wegen der getrennten Durchführung der Entwässerungs- und der Ausbauarbeiten zweimal zur Kasse gebeten werden. Weiters merkte er Klärungsbedarf zur Schlangenbachtrasse an. Vorsitzender Dietmar Markmiller empfahl ihm, sich zunächst mit den Stiftstadtfreunden zu besprechen.

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