Ein Jahr Oberbürgermeister Thomas Kiechle – ein Jahr auch mit persönlichen Umstellungen

"Wie im Flug vergangen"

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Gesprächsrunde zum Thema Wohnungsbau mit (v.l.) Mario Dalla-Torre, Vorstand BSG-Allgäu, Herbert Singer, Geschäftsführer „die Sozialbau“, und OB Thomas Kiechle.

Kempten – Ein Jahr, das „wie im Flug vergangen ist“, eine Flut an Themen und eine am Anfang auch im persönlichen Bereich „große Umstellung“ mit nur noch wenig Rasenmähen oder Fahrten auf den Wertstoffhof, das Glas Wein am Abend zuhause nur selten vor 23 Uhr, beschrieb OB Thomas Kiechle das zurückliegende Jahr. „Trotzdem geht es mir gut in meinem neuen Amt“, lies er die Zuhörer bei der CSU-Veranstaltung „1 Jahr Oberbürgermeister Thomas Kiechle“ mit Gesprächsrunden und Diskussionen zu den Themen Wirtschaft, Hochschule und Wohnungsbau wissen.

Neben positiven Entwicklungen unter anderem beim Technologiezentrum Allgäu oder dem kommunalen Aktionsplan für Menschen mit Behinderung nannte Kiechle die vergangenen April erfolgte Klausurtagung des Stadtrats zu den Strategischen Zielen 2030 als einen der großen Brocken seiner bisherigen Amtszeit. Er betonte die „alte Tradition in unserer Stadt“, den Blick auf das Ganze zu richten und nicht einzelne Dinge allein zu betrachten sowie die Bedeutung von Bürgerbeteiligung wie aktuell für die Neugestaltung des Stadtparks. Er sei in Kempten aufgewachsen und kenne die Stadt „so, wie Sie auch“. Aber „ich habe sie so unendlich viel besser kennen gelernt in diesem Jahr“.

Als Vorsitzender der IHK-Versammlung Kempten/Oberallgäu teilte Markus Brehm die Auffassung des OB, dass der „Nährboden für Kempten“ eine florierende Wirtschaft sein müsse und attestierte ein „gutes Verhältnis zwischen Wirtschaft, Oberbürgermeister und Stadtrat“. Kiechles Aussage, „die Zukunft der Artillerie-Kaserne wird Gewerbe sein“, sei auch im Sinne der IHK, die hierbei auch „sehr gut eingebunden“ worden sei. Zu den Punkten „Großes Loch“ und Einzelhandelskonzept erhielt Kiechle Rückendeckung: Als IHK „stehen wir da voll hinter der Stadt“, appellierte Brehm an ihn, „bei dieser Linie zu bleiben“.

"Ganz große Bedeutung" 

Waren es im ersten Jahr der damals noch Fachhochschule anno 1978 gerade einmal rund 180 Studierende, sind es laut Hochschulpräsident Prof. Dr. Robert Schmid aktuell rund 6000. Er zeigte sich überzeugt, dass „die Hochschule für die Region eine ganz große Bedeutung hat“. Ein Problem seien die zwar immer wieder erweiterten, aber aktuell auf dem Stand von 2011 verbliebenen Flächen, obwohl die Zahl der Studierenden an der Hochschule Kempten seither um rund 1500 gestiegen sei. Für Abhilfe soll hier nicht nur die Anmietung von Flächen auf dem im Besitz der Sozialbau befindlichen Saurer-Allma-Gelände sorgen, sondern, so der OB, „wir wollen heuer noch die Entwicklung des ehemaligen Seitz-Geländes angehen“.

Auf das stärkste Interesse stieß das Thema Wohnungsbau. Mario Dalla-Torre, Vorstand der BSG-Allgäu, zeigte sich angesichts der „drei ganz starken Unternehmen“ – Sozialbau, BSG-Allgäu und Baugenossenschaft – zuversichtlich, „gemeinsam die Probleme in Kempten zu lösen“. Ein Thema werde aufgrund anhaltend hoher Nachfrage nach bezahlbaren Mietwohnungen weiterhin der Soziale Wohnungsbau sein, wobei die „steigenden Kosten im Wohnungsbau“, die, wie er vorrechnete, eigentlich keine Mietpreise unter zehn Euro pro Quadratmeter mehr zuließen, ein Problem seien. Sowohl die hohe Einzelhandelszentralität als auch die „hohe Kaufkraft“ sind laut Kiechle Faktoren, die „Einfluss auf den Wohnungsbau haben“. Er verwies auf Entwicklungen wie Jakobswiese, aber auch „Ortsrandabrundungen“ wie in Lenzfried und Heiligkreuz. „Wir haben aber einen übergroßen Bedarf an Einfamilienhäusern“, räumte er ein, wobei Halde Nord das „letzte große, zusammenhängende Gebiet“ für Einfamilien- und Doppelhäuser sei.

Dalla-Torre bat Kiechle „weiterhin Bauflächen in der Stadt auszuweisen“. Denn um die Mieten auf „bezahlbare sechs Euro“ reduzieren zu können, müsse die Differenz im Bauträgergeschäft erwirtschaftet werden. „Wir ergänzen uns da nahtlos“, stimmte Sozialbau-Geschäftsführer Herbert Singer zu. Das Hauptproblem aber sah er in einer „ganzen Armada an Lobbyisten“ rund um den Wohnungsbau, die für zum Teil sinnlose und von Mietern oder Käufern auch nicht gewünschte Dinge bei Brandschutz, Wärmedämmung & Co. gesorgt hätten, was die Kosten enorm in die Höhe treibe. Seine Bitte an die Politik: die Stellschraube des Netzes aus Ansprüchen und Ideologien wieder „auf ein Normalmaß zurückzudrehen“. Kiechle stellte klar, dass Halde Nord „für uns natürlich nicht das Ende“, sondern nur das letzte „zusammenhängende Baugebiet“ sein werde.

Attraktiver machen Generellen Bedarf sah Kiechle darin, die Stadt auch für junge Menschen und Familien attraktiver zu machen und die Zukunft der Stadt dadurch zu stärken. Insgesamt sei die Stadt „gut aufgestellt“, trotzdem „werden wir weiter gemeinsam an den Themen arbeiten“, versprach er am Ende des Abends. Das Fazit des Kreisvorsitzenden Thomas Kreuzer, MdL: „Thomas Kiechle ist in seinem Amt angekommen.“

Von Christine Tröger

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