Der alte OB soll auch der neue werden

Thomas Kiechle ist 2020 gemeinsamer Wunschkandidat von Freien Wählern und CSU

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Kempten – Es war ein regelrechter Bewerbungsmarathon, den OB Thomas Kiechle am Dienstagabend erst bei den Freien Wählern im Meckatzer Bräu-Engel und dann „seiner“ CSU im Pfarrsaal von St. Ulrich absolvierte – mit großem Applaus und erfolgreich.

Am Ende ging er als klarer und gemeinsamer Wunschkandidat für das Amt des Oberbürgermeisters bei der Kommunalwahl 2020 hervor. Start war bei den Freien Wählern (FW), von deren 21 Wahlberechtigten sich 20 (eine Stimmenthaltung) für Thomas Kiechle als OB-Kandidat 2020 aussprachen. Als Stellvertreterin wurde die aktuelle 2. Bürgermeisterin Sibylle Knott mit 17 Stimmen gewählt. 

Ebenso überzeugt zeigten sich kurz darauf die 57 Stimmberechtigten der CSU. Sie votierten mit 56 Stimmen für Kiechles erneute Kandidatur. Den „außerordentlichen Motivationsschub“ nahm Kiechle als „starkes Zeichen“ mit Freude, aber auch „mit Demut“ an. Zuvor hatte er in beiden politischen Lagern die wichtigsten Meriten mit „Mut zur Lücke“ seiner knapp sechsjährigen Amtszeit als Kemptens Oberbürgermeister Revue passieren lassen, bei denen die zu Beginn aufgestellten fünf neuen Strategischen Ziele die Richtlinie vorgaben. 

„Ich behaupte, dass wir in allen Bereichen gut vorangekommen sind“, berief er sich auf die neueste Prognos-Studie im Zukunftsatlas 2019 deutscher Städte. Darin seien die Perspektiven Kemptens von Rang 59 vor drei Jahren, auf aktuell Rang 33 geklettert. Eine gute wirtschaftliche Entwicklung sei wichtig, so Kiechle weiter, da sie den Boden für alles Weitere bereite. Er erinnerte an den Umzug von Soloplan an den Berliner Platz als Beispiel „gelungener Konversion“, an die erfolgreiche Kooperation mit Augsburg für das Gründerzentrum Allgäu Digital, berichtete vom „Großen Loch“, bei dem man „in den allerletzten Abstimmungsgesprächen“ sei und bereits ein Bauantrag gestellt sei. 

Das seit 15 Jahren bestehende Einzelhandelskonzept werde derzeit überarbeitet, mit einem Fokus auf der aktuell geplanten Entwicklung an der Ulmer Straße sowie am Fenepark und „Respekt“ habe er vor der Neuaufstellung des Flächennutzungsplans, der für die Entwicklungen der nächsten 20 Jahre bestimmend sein werde. Verstärkt anpacken will Kiechle auch den Wohnungsbau, wobei man momentan „noch sicher“ sei, „dass wir nicht am Bedarf vorbeiplanen“, eine Befürchtung, die manch andere Kommunen bereits vorsichtiger werden lasse. 

Weitere Punkte waren die hohen Investitionen der letzten Jahre in Schulen und für ältere Menschen das Angebot von Quartiersarbeit in vier Stadtteilen. Besonders hob Kiechle hervor, die Kultur nicht nur zu fördern, sondern auch in sie zu investieren; genannt wurden u. a. König-Ludwig-Brücke, Zumsteinhaus mit Stadtmuseum oder auch die Plänen für die Stadtbibliothek – „sie wird kommen“, wo genau, soll noch heuer entschieden werden und das Wann „muss dann halt in den finanziellen Kontext passen“. Zur Einweihung des neuen Stadtparks kündigte Kiechle für Ende November ein großes Bürgerfest an. Und ein „wichtiges Thema“ natürlich der Klimaschutz, „bei dem wir aber unseren Hausverstand benutzen müssen“, statt ihn ideologisch anzupacken. „Wir machen beim Radverkehr viel mehr“, als wahrgenommen werde, räumte aber er ein, beim Thema Mobilität, unter anderem durch Reduktion des motorisierten Individualverkehrs, natürlich noch besser werden zu können., klammerte dabei das heiße Eisen Stadtseilbahn bewusst aus. 

Zu guter Letzt lag ihm außerdem die Förderung des Gemeinwesens und der Demokratie am Herzen. „Man muss miteinander reden“, sagte er, aber wenn Grenzen überschritten würden, wie bei Online-Kommentaren zur Ermordung von Regierungspräsident Walter Lübcke, „muss man klare Grenzen setzen“ und „Standpunkte haben“. Für den Vorsitzenden der Freien Wähler/ÜP-Stadtratsfraktion Alexander Hold ist „das Wichtigste, was ein Oberbürgermeister braucht, starke Unterstützung im Stadtrat“. In den vergangenen Jahren habe man Kiechle immer als „verlässlich“ erlebt und man teile zwar nicht immer die gleiche Meinung, aber die gleichen Werte. So habe man Kiechle auch durch Anregungen in den letzten Jahren „gut unterstützen können“ und wolle das in der nächsten Legislaturperiode gerne fortführen. Ähnlich sieht es der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Kreuzer, der bezüglich der schon immer bestehenden Zusammenarbeit von Freien Wählern und CSU daran erinnerte: „Wir sind einmal nicht gemeinsam marschiert und haben prompt verloren.“ Für ihn war zudem die Zahl, die hinter den stimmberechtigten Unterstützern steht, „ein Signal an die Öffentlichkeit“. 

Christine Tröger

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