"Chillen" und "Freunde treffen"

"Sozialisationsinstanz" Jugendhaus

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Im vergangenen Jahr konnte das Kemptener Jugendhaus am Hofgarten sein 40-jähriges Bestehen feiern.

Kempten – „Zukunft bringt’s“, Jugendarbeit in Verbänden, im kirchlichen Bereich, Schulsozialarbeit, Spielmobil, Ökomobil, Streetwork....das Feld der Jugend- und Jugendsozialarbeit in Kempten ist breit aufgestellt.

Im vergangenen Jahr feierte das Jugendhaus am Hofgarten sein 40-jähriges Bestehen und die Jugendzentren in den Stadtteilen Sankt Mang, Bühl und Thingers bestehen auch schon seit rund 25 Jahren, so Markus Heider vom Amt für Jugendarbeit.

Im Jugendhilfeausschuss informierte er über die vier Offenen Jugendeinrichtungen, zwischen denen es zwar „manche Unterschiede“ gebe, aber ein grundsätzlich gemeinsames Angebot: Beratung, Jugendkultur, Offener Betrieb, Zusammenarbeit mit Schulen, Bil- dungsangebote, Aktivitäten außerhalb, Mobile aufsuchende Jugendarbeit und vieles mehr. Knapp 2400 Besucher wurden im Jahr 2014 bei den insgesamt 18 Veranstaltungen vom Improtheater bis zur „School’s Out Party“ im Jugendhaus gezählt. Rege genutzt werden auch die Räume von diversen Gruppen, sei es zum Wrestling oder Tanzen. Daneben gibt es attraktive Freizeitangebote des SJR, wie den jährlich durchgeführten Aktivsommer.

Laut einer aktuellen Befragung liegt das Durchschnittsalter männlicher Besucher bei 17 Jahren, während weibliche im Schnitt 14 Lenze zählen. Vertreten sind alle Schultypen, „mit deutlichem Überhang Mittelschule Innenstadt“ und Realschulen. Als Gründe für einen Jugendhausbesuch stehen bei Jungen wie Mädchen „chillen“ und „Freunde“ treffen“ ganz oben.

Neben Offenheit und Partizipation nannte Heider als dritten Eckpfeiler der Offenen Jugendarbeit Freiwilligkeit. Diese bedinge, „dass Sympathie und Antipathie für eine Teilnahme oft entscheidend sind“, was wiederum eine nachhaltige Beziehungsarbeit erfordere, ohne die „das beste Konzept nichts nützt“. Voraussetzung dafür seien eine gute räumliche Atmosphäre und Kontinuität der Bezugspersonen. Er erwähnte, dass immer wieder Jugendliche nach Jahren wiederkämen „und erzählen, wie wichtig Jugendhaus oder Jugendzentrum für sie waren“.

Was aber muss getan werden, damit Jugendhäuser „interessant und wichtig bleiben“? Wie können gesellschaftliche Teilhabe und Bedeutung erhalten werden? Welche Kooperationen sind möglich? Schon seit einigen Jahren beschäftigen sich die Jugendarbeiter mit der Entwicklung und Umsetzung von Konzepten, „die den sich verändernden gesellschafts- und bildungspolitischen Bedingungen von Jugendlichen entsprechen können“, erklärte Heider. Eine „Initialzündung“ sei vor Jahren die erste Einladung Kemptener Schulleiter ins Jugendhaus gewesen, die damals „fragen mussten wo das ist“ – heute sei es „normal“.

Die schulbezogene Jugendarbeit ist, laut Heider, „ein ganz wesentlicher Bestandteil“ des Stadtjugendrings und wird mit vielerlei Angeboten an mehreren Kemptener Schulen betrieben: Präventionsangebote oder solche zum sozialen Lernen finden sich unter den wahrgenommenen Aufgaben ebenso wie die Heranführung ans Jugendzentrum als zusätzliche Sozialisationsinstanz. So haben im vergangenen Jahr verschiedene Ganztagesklassen der Jahrgangsstufen fünf bis sieben das Jugendhaus zum „Hausreggae“ besucht, sozusagen als Erstkontakt mit der Einrichtung.

Weitere Projekte sind die mobile Jugendarbeit (MoJa), deren zentrale Komponente die Präsenz mit diversen Angeboten für Gruppen und Cliquen an den Aufenthaltsorten der Jugendlichen in den Stadtteilen ist; die Medienwerkstatt verfolgt vor allem das Ziel Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen aufzubauen und das Radioprojekt „Jugendwelle Kempten“ ist (nicht nur) für Jugendliche aus Migrationsfamilien.

Froh zeigte sich Heider darüber, dass die Jugendarbeit als wichtiger Bestandteil der Bildungsregion in Kempten offensichtlich in der Stadt „fest verankert ist“.

Künftige Aufgaben der Offenen Jugendarbeit seien die Umsetzung von „Jugend stärken im Quartier“, u.a. durch die Entwicklung von Microprojekten im Stadtteil Bühl sowie in den Bereichen Inklusion oder Gestaltung des Zusammenlebens. Als weiteres Thema nannte er unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, von denen aktuell 57 in Kempten leben. Speziell aus den Wohngruppen in der Lotterberg- und Tilsiterstraße kämen die Jugendlichen bereits ins Jugendzentrum Thingers und hätten auch schon den Weg zum Jugendhaus gefunden: „Es wird getanzt, es wird getrommelt.“. Seitens der Offenen Jugendarbeit stünden hier spezifische Themen zu Kommunikation und Spracherwerb, aber auch bezüglich Integration, zum Beispiel in Vereinen, im Fokus.

Christine Tröger

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