StadträtInnen wollen Orangerie-Standort noch nicht begraben

Stadtbibliothek polarisiert weiterhin

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Standort 1a: Orangerie mit Erweiterung: nur für Stadtbibliothek; Vorteile: u.a. den Kunden vertrauter und attraktiver Standort, Parkmöglichkeiten vorhanden und Frequenzbringer für die nördliche Innenstadt, Radweganbindung möglich. Nachteile: u.a. Barrierefreiheit im Bestandsgebäude nur bedingt machbar, erhöhter Personalbedarf durch Mehrhäusigkeit, voraussichtlich hohe Investitionskosten bei niedriger Erhöhung des Nutzwerts, schlechte ÖPNV-Anbindung. Fazit: Nicht empfehlenswert für eine Bibliothek.
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Standort 1b Orangerie mit Klecks: nur für Stadtbibliothek; Vorteile: u.a. wie unter 1.a, kaum Neuversiegelung; Nachteile: u.a. wie unter 1.a, Fällung zweier geschützter Linden nötig, Vermarktung des Klecks entfällt. Fazit: wie 1.a.
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Standort 2 Neubau am Platz der Städtepartnerschaft: Fläche mit 2800 Quadratmetern zu gering für zukunftsfähige Bibliothek. Der vorteilhaften Lage stehen Nachteile wie u.a. hohe Neuversiegelung, wichtige Grünfläche zur Erholung und Freizeit oder auch nötige Fällung von teilweise wertvollen Bäumen entgegen und – die zu geringe Fläche. Fazit: Nicht empfehlenswert für eine zukunftsweisende Bibliothek.
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Standort 3 Neubau an der Zumsteinwiese: Fläche mit 2740 Quadratmetern zu gering für zukunftsfähige Bibliothek. Vorteile wie gute Energiebilanz, geringer Neuversiegelung da Fläche durch Tiefgarage bereits unterbaut oder zentraler Lage mit guter ÖPNV-Erreichbarkeit konkurrieren mit Nachteilen wie der Nähe zum Einzeldenkmal Zumsteinhaus, problematischen Abstandsflächen oder auch dem zu erwartenden Widerstand aus der Bevölkerung. Fazit: Nicht empfehlenswert für eine zukunftsweisende Bibliothek.
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Standort 4a Neubau auf Sparkassenquartier Königstraße: nur Stadtbibliothek; Vorteile: u.a. gute Nachnutzung des Sparkassenareals, weder Konflikte mit dem Denkmalschutz noch Widerstand aus der Bevölkerung erwartet, Frequenzbringer für benachbarte Geschäfte und nördliche Innenstadt, Stadtbibliothek als nichtkommerziell orientierter Aufenthaltsraum in der Innenstadt bedeutsam; Unter den wenigen Nachteilen sind die vier Millionen Euro Erwerbskosten für das im Besitz der Sparkasse befindliche Grundstück. Fazit: Für eine Bibliothek empfehlenswert.
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Standort 4b Sparkassenquartier Promenadestraße: nur Stadtbibliothek; Vorteile: u.a. wie unter 4.a sowie die Lage außerhalb des Festwochengeländes und die stadträumliche Integration, auch wenn aufgrund von Denkmalschutzbelangen öffentlich kritisch betrachtet; Nachteile: u.a. da Sparkassen-Grundstück Erwerbskosten wie unter 4.a und auch die generierbare Grundfläche wäre mit 3090 Quadratmetern nicht ausreichend.Fazit: Nicht empfehlenswert für eine Bibliothek.
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Standort 5.a: Schwaigwiesschulgelände (Bebauung im L-Winkel): für synergetische Nutzung von Stadtbibliothek mit vhs geeignet; Vorteile: u.a. durch Synergieeffekte Schaffung eines „Ortes der Bildung und des lebenslangen Lernens“, Flä- chensynergieen von rund 500 Quadratmetern möglich und Baukostenersparnis von bis zu zwei Millionen Euro; geringere Betriebskosten, Erdgeschoss könnte von Festwoche genutzt werden; Nachteile: u.a. Konflikte in Auf- und Abbauphase mit Festwoche zu erwarten, Sicherheitsanforderungen müssen mit Festwoche verknüpft werden. Fazit: Empfehlenswert für Stadtbibliothek zusammen mit der vhs-Kempten.
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Standort 5.b Schwaigwiesschulgelände (Bebauung Rechteck): Stadtbibliothek oder vhs; Vorteile: u.a. wertvoller Buchenbestand kann erhalten bleiben, Erdgeschossnutzung für Festwoche möglich, gute Erreichbarkeit mit ÖPNV; Nachteile wie unter 5.a, neuer Standort für vhs muss gefunden werden. Fazit: Empfehlenswert für Bibliothek oder vhs.

Kempten – Es war zu erwarten, dass die Analysen für insgesamt elf mögliche Standortvarianten für die Stadtbibliothek auch weiterhin für Diskussionsstoff sorgen würden. Und so schnellten viele Arme von Stadträten noch während des Vortrags, in dem die Für und Wider von Bibliothek und/mit vhs von Peter Wiedemann, Stabstelle Projektentwicklung im Amt für Gebäudewirtschaft, abgewogen wurden, für Wortmeldungen in die Höhe. Letztendlich aber war es nur eines von in dieser Sitzung mehreren hitzig debattierten Themen und Publikumsmagneten.

Am Ende folgte das Gremium dem Beschlussvorschlag: Sparkassenquartier Königstraße und Schwaigwiesschulgelände sollen vertieft untersucht, ein erster Kostenrahmen ermittelt sowie ein Nachnutzungskonzept für die Orangerie erarbeitet werden. 

In der knapp 100 Seiten fassenden Analyse sah OB Thomas Kiechle eine „hervorragende Grundlage“ für weitere Überlegungen und verkündete: „Die Zumsteinwiese ist für mich vom Tisch.“ Somit sei der Weg frei für eine Sanierung der Tiefgarage sowie der Gestaltung der Zumsteinwiese. 

Klar sei für ihn allerdings von Anfang gewesen, dass „eine neue Stadtbibliothek auch an einen neuen Standort gehört“, und zwar um den Stadtpark, „als klares Schwergewicht eines neuen Kulturviertels“. 

Dass nun auch die Orangerie als weiterhin Bibliotheks-Standort vom Tisch sein soll, wollten nicht alle Stadträte hinnehmen. Allerdings scheiterten zwei entsprechende Anträge bei der Abstimmung. So hatte Erna-Kathrein Groll (Grüne) – unterstützt von UB/ÖDP – eine vertiefte Untersuchung auch für die Orangerie mit Erweiterung gefordert (zehn Räte waren dafür); Ullrich Kremser (FDP) für die Orangerie sowie den Platz der Städtepartnerschaft (sieben Dafür-Stimmen). Kremser kritisierte, dass noch keinerlei Kosten bekannt seien und wunderte sich, dass die Orangerie als zu abgelegen bewertet werde. „Wir haben auch an einem so ungünstigen Standort“ wachsende Besucherströme, schüttelte er den Kopf. 

Wie Kremser fragte sich Helmut Hitscherich (UB), wo die seiner Schätzung nach „sicher mehr als 20 Millionen Euro“ teure Stadtbibliothek zeitlich angesiedelt werden soll, und erinnerte an 42 Millionen Euro, die bereits für Projekte wie Bahnhofsvorplatz, Schulen oder Mobilitätskonzept verplant seien; und jede Nachnutzung der Orangerie „kostet uns auch eine Stange Geld“. Zudem bezweifelte er eine Belebung der nördlichen Innenstadt durch einen Standort um den Stadtpark. 

Dr. Philipp Jedelhauser (ÖDP) wunderte sich darüber, dass die in mehreren Umfragen klar favorisierte Orangerie als Bibliotheksstandort außen vor bleiben soll. „Man hat den Eindruck, die Verwaltung meint, der Bürger weiß nicht, was er will.“ Ferner sah er einen „Widerspruch“ darin, dass die Bibliothek in der Analyse als „sinnstiftend“ und fern von Konsum bezeichnet werde, deren Besucher aber als Einkäufer die Innenstadt beleben sollen. 

Wenn man immer nur an ursprünglichen Nutzungen festhalten würde, „wären in der Orangerie heute noch Prangenbäumchen“, meinte Alexander Hold (Freie Wähler) mit Verweis darauf, dass das Gebäude für eine zeitgemäße Stadtbibliothek nicht mehr geeignet sei. 

Hocherfreut war Katharina Schrader (SPD) darüber, dass der von ihrer Fraktion einst ins Spiel gebrachte Standort auf dem Schwaigwiesgelände unter den Favoriten ist. Im Sinne ihres damaligen Vorschlags, dadurch „zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, entfaltete sie die sich ergebenden Synergieeffekte zwischen Volkshochschule und Stadtbibliothek. Zwar habe auch ein Neubau auf dem Sparkassengelände „Charme“, aber wegen der trennenden Straße „fehlt die Anbindung zum Stadtpark“. 

Silvia Rupp (CSU) drängte darauf, den Standort „vernünftig“ zu wählen und auf zeitnahe Umsetzung. „Ein echtes Anliegen“ sei ihr die Kunstschule, die sie sich in der Orangerie gut vorstellen könne – eine Idee, die unter anderem neben eine Nachnutzung für das Standesamt, Ausstellungsflächen für Moderne Kunst oder eine gastronomische Nutzung auch in der Analyse gelistet steht. 

„Hut ab vor unserem Oberbürgermeister“, warf sich Erwin Hagenmaier (CSU) für diesen in die Bresche, da er sich von seiner Idee einer neuen Stadtbibliothek an der Zumsteinwiese aufgrund der Faktenlage verabschiedet habe. Anders die Kritiker im Saal, die einfach enttäuscht seien, weil ihr „persönlicher Favorit“ nicht mehr dabei sei. 

„Die Bevölkerung erwartet von uns, dass bei dem Rumgeeiere endlich mal eine Entscheidung fällt“, und mit dem Geld, dass zur Verfügung stehe, „vernünftig“ umgegangen werde, fasste Dieter Zacherle (Freie Wähler) zusammen. Ohne die Kosten zu kennen, könne man eh nichts konkret sagen. „Aber wir sollten mal auf den Weg kommen.“ 

Die knapp 100-seitige Analyse liegt für Interessierte zur Einsicht im Bauamt, Kronenstraße, aus.

Christine Tröger

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