Frühlingshafte Klänge

Anrührend und gefühlvoll

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Der gebürtige Kanadier Richard Carson Steuart spielt das Tromeptenkonzert in Es-Dur von Joseph Haydn.

Kempten – Der Samstagabend stand im Kornhaus ganz im Zeichen der Wiener Klassik. Der Orchesterverein Kempten ließ unter der Leitung von Mary Ellen Kitchens Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn und Franz Schubert erklingen.

Beim diesjährigen Frühjahrskonzert überzeugt das Orchester, das aus Laien- und Berufsmusikern besteht, abermals durch Können, Leidenschaft und Spielfreude. Im Jahr 1781 schrieb Mozart „Idomeneo“, eine Oper, die in Kreta spielt und ein glückliches Ende findet. Als Auftakt spielte der Orchesterverein die virtuose Ouvertüre dieses Musikdramas. Mit viel Charme und Verspieltheit interpretierten die Musiker das Stück. Somit kam die Dramatik dieser Ouvertüre gut zur Geltung. Die Instrumentalisten fühlten sich sowohl bei den geheimnisvollen Pianopianissimo-Stellen, als auch bei den fordernden Fortefortissimo-Phrasen sicher. Lediglich bei den Violinen waren leichte Unsicherheiten zu hören, was sicherlich der anfänglichen Nervosität geschuldet war. 

Nach einer barocken Tradition war es üblich, dass auf eine Opernvorstellung Ballettmusik folgte. Der Orchesterverein spielte zwei Sätze aus Mozarts Ballettmusik zu „Idomeneo“ – die „Chanconne Larghetto Chaconne“ und das „Largo Allegretto Più allegro. „Das ist eine sehr gefällige Musik“, hatte Mary Ellen Kitchens zuvor angekündigt. Das Orchester unterstrich den prachtvollen und bewegten Charakter dieser Komposition. Die Musizierenden arbeiteten das Thema sehr gekonnt heraus. Die Einsätze waren stets sauber. Der zweite Teil des Frühjahrskonzerts war dem Glanz der Trompete gewidmet. Der gebürtige Kanadier Richard Carson Steuart spielte als Solist Joseph Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur. 

Anlass für die Komposition des Werks im Jahre 1796 war die Erfindung der Klappentrompete. Dadurch waren nicht nur Naturtöne, sondern auch alle anderen Töne auf der Trompete spielbar. Wenig später löste die Ventiltrompete die etwas schwerfällige Klappentrompete ab. Das Hauptthema des ersten Satzes (Allegro) setzt mit den drei langen aufsteigenden Noten es-f-g ein. Stuart meisterte dies gut. Doch an einer Stelle traf er bei der darauf folgenden Chromatikpasssage den letzten Ton nicht. Die Tonsprünge und hohen Töne stellten für den Solisten kein Problem dar. Steuarts Ansatz und die Töne waren stets sauber. Doch es zeigte sich, dass der Trompeter hohe Töne nur mit großer Lautstärke blasen kann. Im ruhigen zweiten Satz (Andante cantile) bewies Steuart, dass er auch die sanfteren Töne beherrscht. 

Kleine Schwachstellen 

Sein Spiel war sehr anrührend und gefühlvoll. Im dritten Satz, dem Finale Allegro, zeigte der Solist seinen großen Spielraum in der Dynamik. Doch an einer Stelle spielte er etwas zu langsam, sodass das Orchester ihm vorauseilte. Auch geriet Stuart während des Trompetenkonzerts an seine konditionellen Grenzen. Da Haydns Trompetenkonzert in Es-Dur sehr bekannt ist, bemerkte der Zuhörer kleine Schwachstellen des Solisten sofort. Nach der Pause vermochte der Orchesterverein, das Publikum in eine andere Welt zu entführen. Im Alter von gerade einmal 20 Jahren komponierte Franz Schubert seine sechste Symphonie in C-Dur. Im ersten Satz (Adagio - Allegro) hatten die Holzbläser viel zu tun, wobei sie große Sicherheit zeigten. 

Sehr schön gestaltete sich so das „Frage-Antwort-Spiel“ zwischen den Holzbläsern und dem Rest des Orchesters. Auch im zweiten Satz (Andante) wussten die Instrumentalisten zu beeindrucken. Den dritten Satz (Scherzo. Presto. Più lento. Presto) interpretierte das Orchester sehr beschwingt und zum Teil wie einen leichten Marsch. Dabei wurde deutlich, wie stark dieser dritte Satz von Ludwig van Beethovens siebenter Sinfonie beeinflusst wurde. Im letzten Satz, dem Allegro moderato, trumpfte das Orchester abermals auf. Das hohe Niveau des Orchestervereins ist auch Mary Ellen Kitchens zu verdanken, die stets mit viel Leidenschaft und Enthusiasmus dirigiert. Franziska Kampfrath

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