Katrin Göring-Eckardt beim Grünen-Aschermittwoch

"Nur Geschwätz"

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Die Grünen-Landtagsabgeordneten Ulli Leiner (v.l.) und Thomas Gehring watschten zusammen mit Katrin Göring-Eckardt die Regierungen in München und Berlin ab.

Sulzberg – Beste Stimmung und volles Haus auch nach dem Umzug des Grünen-Aschermittwoch von Niedersonthofen nach Sulzberg.

Alles ein bisschen anders und doch in der langjährigen Tradition, nutzte der frisch gewählte Landtagsabgeordnete Ulli Leiner sein Heimspiel, um zusammen mit seinem Landtagskollegen Thomas Gehring die lokalen Ereignisse und Themen aus dem Landtag aufs Korn zu nehmen. 

Wie üblich gab es auch in diesem Jahr prominente Unterstützung aus Berlin mit der Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckhardt. Sie nahm die „Sünden“ der Großen Koalition und die politische Großwetterlage insgesamt unter die Lupe. Außerdem nutzten die Grünen die Gelegenheit, ihr „Personal“ für die Kommunalwahl in kurzen Interviews zu präsentieren. 

Leiner und Gehring spielten sich im Dialog locker die Bälle zu. Selbstverständlich war der Kommunalwahlkampf ein Schwerpunkt. So machten sich die beiden Sorgen, was der scheidende Landrat Gebhardt Kaiser (CSU) in Zukunft so treiben werde. Immerhin habe er die Liftverbindung Grasgehren-Balderschwang und auch die Genehmigung für das Wasserkraftwerk Eisenbresche bei Hinterstein nicht hinbekommen, so Leiner. Er könne ja dann Geld für den Allgäu-Airport sammeln, galt der Spott auch dem Memminger Flughafen. Egal ob Göteborg, Valencia, Marrakesch oder Edinburgh – wo immer Leiner auch gerne hinfliegen möchte – von Gehring kam immer die Antwort „Verbindung gestrichen“.

 Auch der Kampf in Oberstdorf und Immenstadt um die Bürgermeisterposten beschäftigte die Abgeordneten. Nun wolle auch noch ein Sulzberger Bürgermeister in Oberstdorf werden, so Gehring. Da könnte ihm sicher seine Auslandserfahrung aus Afghanistan helfen, meinte Leiner. „Mancher Amtsvorgänger lässt große Fußstapfen zurück, der Netzer ein großes Loch“, so Leiner zum scheidenden Kemptener Oberbürgermeister und der Baugrube beim Forum Allgäu. 

Dafür sei der Hildegardplatz so groß gepflastert, „dass den Chinesen der Granit dafür ausgegangen ist“. Zumindest habe er nun ein gut dotiertes „Austragsstüble“ beim Sparkassenverband, so Gehring. „Die Mafia weiß halt auch, wo es schön ist“, spielte Gehring auf den Kokainfund in Kempten an. Und Leiner riet, den Kluftinger im Trachtenkittel zum Mafiajäger zu machen. Vom Bergsteigerdorf Hinterstein (verträgt sich nicht mit Wasserkraft), den neuen Jagdherren in Oberstdorf, die ihre TBC-Hirsche nicht schießen, bis zu der „kreativen Buchführung“ beim Tourismusverband Allgäu/Schwaben reichten die Seitenhiebe: „Die haben wohl gedacht, wenn man bei den Hotels die Mehrwertsteuer senkt, wird sie beim Verband ganz gestrichen“. 

„Keiner trickst so wie der Spaenle, wenn es um Lehrerstellen geht“, machte Gehring seinem Unmut bei der bayerischen Bildungspolitik Luft und klagte über „den Druck und den Stress an den Schulen“. „Der einzige Beitrag von Seehofer zur Windkraft ist, dass er sein Fähnchen danach ausrichtet woher der Wind kommt“, kritisierte Leiner die Energiepolitik des bayerischen Ministerpräsidenten und bezeichnete ihn „als zahnlosen Tiger und den Bettvorleger der Gen-Merkel“. Die vielgerühmte „Koalition Seehofers mit den Bürgern“ sei nur Geschwätz, so Gehring zu der Ablehnung der Olympischen Spiele durch Bürgerentscheide. 

"Mann der Vergangenheit" 

So sieht es also aus, wenn die Grünen doppelt so stark sind wie die SPD, freute sich Göring-Eckhardt angesichts der Stimmung im Saal und über die „tollen Kandidaten und Kandidatinnen“ der Kemptener und Oberallgäuer Grünen für die Wahlen am kommenden Sonntag. Scharfzüngig nahm sie die Große Koalition aufs Korn und hier besonders die Rolle der bayerischen CSU. „Wir brauchen keine Gentechnik auf unseren Feldern. Nicht in Bayern, nicht in Berlin, nicht in Brüssel“, sprach sie unter dem Beifall der Zuhörer von „einer verlogenen Art der Politik“. 

„Seehofer ist ein Mann der Vergangenheit. Mir ist jedes Windrad in Bayern lieber als die Kohle auf dem Konto von Gazprom“, kritisierte sie dessen Kehrtwenden bei der Energiewende. „Energiewende ist Arbeit, Regieren ist Arbeit, Herr Seehofer“, riet sie zum Dialog mit den Bürgern. „Das Amigogeschäft in Bayern lief schon mal geschmeidiger“, lästerte die Berliner Fraktionschefin mit Blick auf die Verwandtenaffäre im Landtag, den Steuerprozess gegen Uli Hoeneß und den Skandal um dem Miesbacher Landrat Josef Kreidl (CSU). 

Wer auf große Reformen bei einer großen Koalition hoffe, werde enttäuscht. Es herrsche Fehlanzeige bei der Energiepolitik, beim Betreuungsangebot für Kinder, beim Ausbau der Infrastruktur und beim Umbau der Sozialsysteme. „Zeigt der schwarzen Macht die grüne Karte“, rief sie ihre Parteifreunde und das Publikum auf, bei der Kommunalwahl „den Anfang vom Ende von CrazyHorst (Seehofer) und der Großen Koalition in Berlin einzuleiten“.

Heinrich Bonert

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