Schwierige Planungen

Ortskernsanierung als zentrales Thema der Bürgerversammlung Altusried

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Regional- und Stadtplaner Andreas Raab stellte den aktuellen Sachstand der Ortskernentwicklung Altusried vor.

Altusried – Bei der Bürgerversammlung im Altusrieder Rössle-Saal blickte Bürgermeister Joachim Konrad auf ein erfolgreiches Haushaltsjahr 2017 zurück. Für das laufende Jahr sind Rekordinvestitionen geplant. Zentrale Themen des Abends waren die schwierigen Planungen zur Postresidenz, der Ortsumfahrung sowie die Ortskernsanierung. 

Bei der Präsentation der Jahresrechnung 2017 sprach Bürgermeister Joachim Konrad (CSU) von einem „sehr erfreulichen Haushaltsjahr“. Die Nettoverschuldung konnte um rund 500.000 Euro reduziert werden und die Pro-Kopf-Verschuldung sank von 1129 Euro (2016) auf 1078 Euro. Das Investitionsvolumen lag bei rund 6,2 Millionen Euro. Größere Posten, die hierbei zu Buche schlugen, waren die Investitionsumlage an den Abwasserverband, die Umstellung der Beleuchtung auf LED in den westlichen Ortsteilen, die neue Ortsdurchfahrt Krugzell, die Querungshilfe in Kimratshofen, der Kauf von Baugrund in Kimratshofen zur Fortführung des Baugebietes Maierhalde, neue IT für die Grundschulen oder die E-Ladesäule am Rathausplatz, die laut Konrad noch nicht so angenommen werde, wie erhofft. Die Kommune erwäge, „als nächstes Dienstauto ein E-Kfz anzuschaffen“.

Rekordinvestitionen

Für das laufende Jahr 2018 sind Rekordinvestitionen in Höhe von 9,75 Millionen Euro vorgesehen. Mit rund fünf Millionen Euro Kosten größtes Projekt ist der Bau des neuen Kindergartens St. Blasius mit 105 Betreuungsplätzen in acht Gruppen. Konrad: „Das ist unser größtes Infrastrukturprojekt seit 20 Jahren. Hierfür wurden Zuschüsse in Höhe von 2,7 Millionen Euro beantragt.“ Die Ausschreibungsphase läuft bereits. Ein weiterer großer Posten ist mit 900.000 Euro der Breitbandausbau im Ortsgebiet, der sich derzeit „in vielen kleinen nervigen Baustellen“ zeige, so Konrad. „Heuer werden 37 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und 17 Verteilerkästen gesetzt.“ Auch in den nächsten Jahren soll der Ausbau des schnellen Internets mit Hilfe verschiedener Förderprogramme massiv vorangetrieben werden, „sodass am Ende alle Haushalte mit mindestens 30 Mbit surfen können“. Weitere Planungen im laufenden Jahr betreffen Grunderwerb und Baulanderschließung, die Verbesserung des Radwegenetzes, die Dorferneuerung Kimratshofen, die Anschaffung neuer Feuerwehrfahrzeuge, die Sanierung der Schulgebäude sowie den Sozialen Wohnungsbau.

Ortsumfahrung

Seit Jahren ein Reizthema ist die Ortsumfahrung Altusried. Hier sind sowohl die Raumempfindlichkeitsanalyse als auch die Umweltverträglichkeitsstudie abgeschlossen, wobei bei letzterer „Unzulänglichkeiten festgestellt wurden, die derzeit aufgearbeitet werden“. Die vom staatlichen Bauamt favorisierte Variante ist ein Streckenverlauf am nördlichen Ortsrand. „Die Gemeinde hat sich den geplanten Trassenverlauf gemeinsam mit den Anliegern angeschaut. Hier stoßen wir, wie erwartet, auf großen Widerstand“, so Konrad. „Wenn man sich ehrlich hineinversetzt, kann man das irgendwie nachvollziehen“, räumte er ein, „aber als Gemeinderat tragen wir eine Verantwortung für die Gesamtbevölkerung“ und die Verkehrsbelastung durch das Dorf sei untragbar.

Postresidenz

Stillstand herrscht beim zweiten schwierigen Thema – der Postresidenz. Hier sollen 50-60 Wohneinheiten für Betreutes Wohnen mit Beratung, Betreuung und Pflege im Haus, Ambulante Wohngemeinschaften für bis zu zwölf Bewohner, eine Tagespflege für 15 bis 18 Gäste, ein ambulanter Pflegedienst, Einzelhandelsgeschäfte und eine 24-stündige Versorgungssicherheit für alle fünf Pflegegrade geschaffen werden. Vorteil des Konzeptes: Die staatlich festgeschrieben Fachkraftquote von 50 Prozent, die angesichts des Fachkräftemangels immer schwieriger zu erfüllen sei, greift hier nicht. 

Nachdem in der letzten Auslegung Einwände wegen zu niedrig kalkulierter Schallemissionen des benachbarten Handwerksbetriebes sowie zu geringen Abständen zu den beiden Nachbargebäuden auf dem Grundstück eingereicht worden waren, liegt das ganze Projekt auf Beschluss von Landrat Anton Klotz jetzt auf Eis. „Wir versuchen nun, die betroffenen Häuser zu erwerben und dann eine Neuplanung anzugehen, zumal die aktuelle Planung optisch nicht auf Gegenliebe in der Bevölkerung gestoßen ist.“ Angesichts der dann bevorstehenden dritten Auslegungsrunde sagte Konrad: „Das Ganze ist mit hohem Frustrationspotenzial verbunden, aber es hilft ja nix.“

Ortskernentwicklung

Bei dem großen, auf zehn bis 15 Jahre angelegten Thema Ortskernentwicklung Altusried seien ebenfalls Weitblick und Gelassenheit gefragt. Als Ziele wurden unter anderem eine Entlastung des Ortskerns vom Durchgangsverkehr, ein fußläufig erreichbarer, attraktiver Nahversorgungsbereich mit Aufenthaltsqualität (von der Idee eines Vollsortimenters im Ortskern ist man abgerückt), die Weiterentwicklung des Rathausplatzes, die Aufwertung des Gemeindeparks, des alten Feuerwehrhauses mit Umfeld sowie des Rössle-Saals (im Gespräch ist auch ein alternativer Bürgersaal) definiert. Auch die Zukunft des Rathauses (Neubau oder Sanierung) wird im Zuge dessen diskutiert. Vor Fertigstellung der Umgehung soll eine Querung der Hauptstraße sowie der Abbruch und die Neuordnung des Hauses der Bäuerin erfolgen. Nach dem Bau der Umgehung steht die (barrierefreie) Umgestaltung der Hauptstraße auf dem Plan. Das aktuelle Konzept basiert auf einem Investorenprogramm. Nun wünscht sich der Gemeinderat noch ein Alternativkonzept, das ohne Investor auskommt. „Wenn beide Konzepte auf dem Tisch liegen, gehen wir in die Bürgerbeteiligung“, versprach Konrad. „Ziel ist Erstellung einer tragfähigen Gesamtlösung möglichst bis Ende 2019. Denn wir möchten vermeiden, dass die ganze Diskussion in der neuen Legislaturperiode wieder von vorne losgeht.“

Sabine Stodal

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