Wie kann Dorfentwicklung aussehen?

Donuts oder Krapfen?

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Großes Interesse beim Vortrag über die Zukunft von Ortsmitten.

Im Zuge der Gestaltung der Ortsmitte in Haldenwang veranstalteten die Grünen kürzlich eine Informationsveranstaltung für die Bürgerinnen und Bürger.

Haldenwang spaltet derzeit die Frage, wie es weitergeht mit dem Gasthaus Hirsch (Bestandserhaltung oder Abriss, Gestaltung des Platzes) und dem sogenannten Doktorhaus, das wegen sehr schlechter Bausubstanz abgerissen und neu aufgebaut werden soll. Beide Gebäude befinden sich im Eigentum der Gemeinde, die durch zwei Ortswerkstätten ihre Bürgerinnen und Bürger mit eingebunden hat.

Franz G. Schröck, Architekt und Stadtplaner sowie Geschäftsführer des architekturforums allgäu, gestaltete einen interessanten Vortrag. Er stellte die Frage, ob die Zukunft der Ortsmitten in den Gemeinden eher als „Donuts“ – in der Mitte Leerstand und Vakuum mit Speckgürtel als Siedlungsgebiete am Ortsrand – oder als „Krapfen“ – das Wichtigste in der Mitte, Ortsränder eher ausgedünnt mit Anpassung an die Landschaft – gestaltet werden sollten. Mit positiven und negativen Beispielen aus Gemeinden im Allgäu und im Bregenzer Land unterlegte er seine Ausführungen. 2016 wurde im Allgäu durch das architekturforum ein Baukulturgemeindepreis ausgelobt. 13 Gemeinden beteiligten sich, die ansprechendsten Dorfentwicklungen wurden ausgezeichnet; unter anderem die Gemeinde Irsee mit maximaler Innenentwicklung und auf das Notwendige beschränkte Außenentwicklung.

In der anschließenden lebhaften Diskussion zeichnete sich ab, dass viele Bürgerinnen und Bürger die Ortswerkstätten, die Bürgermeister Josef Wölfle veranstaltet hat, als Alibiveranstaltung für eine Pseudoeinbindung der Bevölkerung sehen, da der Gemeinderat seine Entscheidungen schon lange getroffen hätte. Überwiegende Einigkeit über eine neue Straßenführung um den Gasthof Hirsch besteht bei der Bevölkerung, dabei sei allerdings ein schlüssiges Verkehrskonzept von Bedeutung. Der Gasthof Hirsch, der von zwei Straßen eingerahmt ist, wird dabei als ortsprägendes Gebäude angesehen, bei dem die Meinungen über Abriss, Wiederaufbau oder auch nur Abriss und Verfügbarkeit des Platzes für Maibaum, Parkplätze, gestalteter Freiraum mit Bänken, evtl. mit Tiefgarage deutlich auseinandergehen.

Bürgermeister Wölfle, der mit dem zweiten Bürgemeister Matthias Amann bei der Veranstaltung anwesend war, versicherte, dass eine Entscheidung des Gemeinderates über die Zukunft des Gasthofes Hirsch noch nicht getroffen sei, nur eine Strategie sei bisher im Gemeinderat entwickelt worden. Er betonte dabei, dass er über den Zeitungsartikel, der im Oktober in der Tageszeitung erschienen sei und in dem der Abriss des Gasthofes Hirsch als feststehend bezeichnet worden war, nicht glücklich sei, da dies inhaltlich nicht zutreffen würde.

Fazit der Veranstaltung ist, dass sich die Bevölkerung eine ehrliche Information von der Gemeinde wünscht, inwieweit eine Einbindung der verschiedenen Vorschläge noch möglich ist, welcher ernsthafte Spielraum für die Bürgerinnen und Bürger vorhanden ist, um die Ideenwerkstatt für Planer zu bereichern bzw. Einfluss auf die Gestaltung der Dorfmitte zu nehmen.  kb

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