"Rätsel des Universums"

Prof. Dr. Thomas Eimüller erklärt, wie ein Kosmos entsteht und vergeht

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Indem Prof. Dr. Thomas Eimüller von der Hochschule Kempten einen Luftballon aufbläst, stellt er die Ausdehnung des Weltalls dar. Die Galaxien sind als weiße Punkte auf dem dunklen Ballon erkennbar und je mehr der Ballon aufgeblasen wird, umso mehr entfernen sich die Galaxien vom gemeinsamen Nullpunkt.

Kempten – Sara und Sonja sind zwei Schülerinnen der 11. Jahrgangsstufe des Allgäu-Gymnasiums. Was die beiden verbindet, ist ihr Interesse für Naturwissenschaften. Gemeinsam sind sie im P-Seminar NawiG (Naturwissenschaften im Gespräch), zu der in loser Folge Gastreferenten an das Allgäu-Gymnasium eingeladen werden, die über die Faszination Naturwissenschaft sprechen.

Als erster Gast konnte Prof. Dr. Thomas Eimüller von der Hochschule Kempten gewonnen werden. Dieser nahm rund 70 Zuhörer mit auf eine spannende Reise durch die großen Entdeckungen der Astronomie, die mit der Überschrift „Unser Weltbild – Vom Urknall bis zum außerirdischen Leben“ angekündigt wurde.

Abriss der Entdeckungen

Können wir in die Vergangenheit schauen? Ja, wenn wir in den Nachthimmel schauen, erblicken wir Himmelskörper, die so weit entfernt von uns sind, dass ihr Licht unter Umständen Minuten braucht, um sich auf unserer Netzhaut abzubilden. Eimüller unternimmt an diesem Abend weitere Blicke in die Vergangenheit, wenn er sich den großen Entdeckungen der Astronomie zuwendet. Vorangestellt führt er das in der Antike vorherrschende ptolemäische Weltbild auf, bei der die Erde der Mittelpunkt des Universums ist. Doch die Kopernikanische Revolution (16.-17. Jhd.) brachte für den Menschen der Renaissance die Einsicht: Die Sonne steht im Zentrum des Universums. Zuvor stellte der erste wahre Himmelsbeobachter Tycho Brahe (1546-1601) fest: Sterne werden geboren und sie vergehen. Berühmt wurde nach ihm Johannes Kepler (1571-1630), der erkannte dass die Umlaufbahnen der Planeten um die Sonne nicht kreis, sondern elipsenförmig verlaufen und dass deren Geschwindigkeiten sich erhöhen, je näher sie der Sonne kommen. Galileo Galilei (1564-1642), der intensiv den Himmel mit Teleskopen erforschte, erkannte, dass die Planeten keine idealen Körper waren, sondern Oberflächen mit Strukturen aufwiesen. Das entsprach nicht der Überzeugung der Katholischen Kirche, ebenso wenig das Kopernikanische Weltbild, dem sich Galileo anschloss. Galileo musste vor der Kirche seine Auffassung widerrufen, um dem Tode zu entkommen. „Erst 1992 gab die Katholische Kirche zu, in dieser Causa falsch gehandelt zu haben“, fügt der Hochschulprofessor hinzu.

Moderne Theorien

Eimüller führt die Gravitationslehre des Isaac Newton (1643-1727) auf und wendet sich in seinen Ausführungen dann ausführlich der Relativitätstheorie Albert Einsteins (1879-1955) zu, der die Erkenntnisse Newtons mit seiner Allgemeinen Relativitätstheorie erweiterte und mit der es möglich wurde, Gravitationswellen und schwarze Löcher nachzuweisen. Einstein erkannte zudem, dass große Massen Raum und Zeit verbiegen und wies die vier Dimensionen der Raumzeit nach. Eimüller führt Edwin Hubble (1889-1953) auf, der erkannte, dass unser Sonnensystem eher am Rande der Milchstraße verortet ist und erwähnt die beiden Forscher Arno Penzias und Robert Wilson, die mit ihrer Antenne ganz zufällig auf „Weltraumrauschen“ stießen, was i.F. einen weiteren Beweis der Urknalltheorie erbrachte.

Alle Rätsel lösen

Am Ende befasste sich Eimüller mit den ungelösten Rätseln der Astronomie. „Das Universum“, so der Astronom,„… besteht aus 100 Milliarden Galaxien mit jeweils 100 Milliarden Sternen, und wir wissen, dass sich dieses seit dem Urknall ausdehnt. Wir rätseln darüber, warum es dies immer schneller tut, denn dieses Ausdehnen sollte sich eigentlich verlangsamen.“ Hinter diesem Phänomen vermutet die Wissenschaft eine „Dunkle Energie“. Der Hochschulprofessor aber gibt zu verstehen, dass es in der Natur des Menschen liegt, alle Rätsel lösen zu wollen und beschreibt die Menschheit als das „Bewusstsein des Universums“, indem er Albert Einstein zitiert: „Das Erstaunlichste am Universum ist, dass wir in der Lage sind, es zu verstehen.“

Jörg Spielberg

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