Ein paar Teenagerakkorde

Münchener Trio überzeugt mit gutgemachten Songs

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Stefanie Boltz singt Titel ihres Albums „Midwinter Tales“.

Kempten – Die Münchner Sängerin Stefanie Boltz spielt seit Jahren im Duo mit dem Kontrabassisten Sven Faller unter dem Gruppennamen Le Bang Bang neben Eigenkompositionen auch immer wieder Jazzstandards. Ihre Interpretationen leben aber nicht von einer markanten Jazzstimme, sondern vom Einfallsreichtum und der Finesse der Arrangements jenseits des klassischen Jazz.

Und so war sie auch in ihrem Konzert, das letzten Donnerstag im Rahmen der Reihe Klecks.live im Künstlerhaus stattfand, keine typische Jazzsängerin. Bei „White Christmas“ oder „I Ain‘t got nothing but the Blues“ fehlte es etwas am Volumen und an der rhythmischen Flexibilität in ihrer Stimme. Da ist es gut, dass den größeren Teil ihres Repertoires neben den Jazzstandards selbstgeschriebene Popsongs bis zu ungewöhnlich arrangierten Coverversionen von Rock- und Pophits ausmachen. Hier ist sie mit ihrer klaren Stimme und einer sicheren Intonation unterwegs und singt mit „Midwinter“ und „Im Schnee verbrennen“ viele Titel ihres aktuellen Albums „Midwinter Tales“, das sehr zu empfehlen ist. 

Boltz‘ Gesang erinnert an den von Rebecca Bakken, vor allem hat sie auch deren großen Tonumfang. Was ihre Stücke aber tatsächlich zu etwas Hörenswertem macht, ist der instrumentale Hintergrund der hervorragenden Begleitmusiker, mit denen sie sich sowohl auf ihren CDs als auch in ihren Konzerten umgibt. In diesem Konzert sind es ihr langjähriger musikalischer Weggefährte Sven Faller am Kontrabass und Martin Kursawe an der Gitarre. Beide sehr erfahrene Jazzmusiker erzeugen sie an diversen Gitarren und einem mit einem ganzen Effektbrett ausgestatteten Kontrabass einen Klangteppich, der die Stücke weit über das Niveau von tausendmal gehörten Popsongs hinaus veredelt. 

Jedes Stück hat seinen ganz eigenen Charakter, im ersten Teil hört man Folkpickings mit Stahlsaitensound und viel Hall, aber auch eine Bossa Nova mit einem warmen Bass und den typischen Akkordpatterns an der Konzertgitarre. Das stark verfremdete „Here comes the Sun“ der Beatles zündet noch nicht so richtig, aber Tom Waits‘ „Christmas Card from a Hooker“ und vor allem Simon and Garfunkels „The Sound of Silence“ nach der Pause werden in den Interpretationen der drei Münchner Musiker zu ganz eigenen und spannenden Stücken. Sehr schön auch, wie Stefanie Boltz ein Gedicht vorträgt und dann Bass und Gitarre die Stimmung aufgreifend im Hintergrund einsetzen und dazuspielen. 

Bereits zu Beginn des Konzerts wurde klar, dass sich die Vorstellung der Sängerin von einem guten Konzert nicht nur auf musikalische Darbietungen beschränkt. Denn auch zwischen den Stücken will sie mit leichtfüßiger und eloquenter Moderation ihr Publikum unterhalten. Und das schafft sie mit links. Da wird dann sogar ein hartnäckiger Brummton in der Verstärkeranlage schlagfertig und spontan zum Aufhänger für das folgende „The Sound of Silence“ umfunktioniert. Oder sie sagt ein nächstes Stück lässig-ironisch tiefstapelnd mit dem Aufruf an ihren Gitarristen an: „Mach doch mal ein paar Teenagerakkorde!“ Ihr Bassist erledigt seine Ansagen ebenso gut und leitet beispielsweise mit einer rührenden Geschichte über seine Großmutter eines der musikalischen Highlights des Abends ein, ein Duett mit ihm und Martin Kursawe. Letzterer zeigt sich vor allem, wenn er seine Jazz-Gitarre zur Hand nimmt, als sehr vielseitiger Gitarrist, der immer den passenden Sound oder ein stilsicheres Solo für seine Mitspieler bereithält. Ein hörenswertes Konzert!

Jürgen Kus

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