Bundestagskandidatin auf Tour

Lucia Fischer wirbt für die ödp

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Den Wahlkampfauftritt von Lucia Fischer in der Gaststätte „Zum Stift“ unterstützen auch kommunale Vertreter der ödp: (v.l.) Stadtrat Dr. Philip Jedelhauser, Kreisrat Michael Finger sowie Stadtrat und Kreisvorstand Michael Hofer.

Im Dauerstress befindet sich derzeit Lucia Fischer. Als Bundestagskandidatin der ödp (Ökologische-Demokratische Partei) tourt sie unermüdlich durch ihren großen Wahlkreis (256), um für sich und die Partei zu werben.

„Groß“ deshalb, weil der Wahlkreis die Stadt Kempten und die Landkreise Lindau und Oberallgäu umfasst.

„Groß“ deshalb, weil der Wahlkreis die Stadt Kempten und die Landkreise Lindau und Oberallgäu umfasst.Auf Bundesebene zu den kleinen Parteien gehörend, ist die ödp auf kommunalem Terrain bestens etabliert, konnte in der Vergangenheit zahlreiche Mandatsträger in Gemeinde- und Stadtparlamente, darunter auch einige Bürgermeister, sowie in Bezirkstage schicken. Ein ödp-Mitglied sitzt im Europaparlament. Am besten verankert ist die Partei, die für mehr Volksentscheide steht, in Bayern. Big Points, mit denen die ökologischen Demokraten in Zusammenhang gebracht werden, sind das Nichtraucherschutzgesetz sowie die Abschaffung des Bayerischen Senats. Auch die Aufnahme von kleineren Parteien in den Wahl-O-Mat kann sich die ödp auf ihre Fahne schreiben. Derzeit arbeitet die ödp, zusammen mit den Grünen und der alternativen Bauernorganisation AbL daran, genügend Unterschriften zu bekommen, um die Zulassung für ein Volksbegehen gegen den Flächenfraß in Bayern zu erhalten.

Es waren nicht allzu viele Zuhörer, die am vergangenen Donnerstagabend in die Gaststätte „Zum Stift“, Kempten, kamen, um von der gebürtigen Legauerin, die nun in Maria Steinbach lebt, mehr über sie und das ödp-Wahlprogramm zu erfahren. Was sind ihre persönlichen Schwerpunkte, für die sich die Fünfzigjährige stark machen möchte? Da nennt sie unter anderem Themen, wie die Bekämpfung der Fluchtursachen und die Rückkehr zur ökologischen Landwirtschaft, das heißt, Massenbetriebe gehören abgeschafft.

Einen hohen Stellenwert hat für Fischer die Familienpolitik (Erziehung und Pflege). Nach dem Willen der ödp sollten Mütter die Wahlfreiheit haben, für die Kindererziehung zu Hause bleiben zu können oder zur Arbeit zu gehen, und für Angehörige soll die Pflege von Familienmitgliedern im Alter keine finanziellen Nachteile bringen. Stichwort: Erziehungs- und Pflegegehalt. Dieses Modell, betont Lucia Fischer, ist ein Alleinstellungsmerkmal der ödp. Sie nahm auf den Schulanfang vor ein paar Tagen Bezug und verwies auf die Forderung ihrer Partei, die Klassenstärken zu reduzieren: „Unserer Ansicht nach sollten es nicht mehr als 20 Schüler pro Klasse sein.“ Wenn Fischer von „kurzen Beinen, kurzen Wegen“ spricht, dann meint sie damit den heimatnahen Schulbesuch. Auch kleine Grundschulen im ländlichen Raum sollten deshalb erhalten bleiben. Sie mahnt aber auch die ihrer Ansicht nach verfehlte Handelspolitik und die Ressourcenverschwendung an, deren Folgen besonders die nachfolgenden Generationen zu tragen haben und warnt vor dem Entstehen multiresistenter Keime. Anderer Punkt: der Mindestlohn. Er sollte nach dem Willen der ödp bei 12,50 Euro liegen.

"ödp ist meine Heimat"

Näher mit der ödp in Kontakt kam die selbständige Wirtschaftsinformatikern und freiberufliche Dozentin, als sie 2009 für das Nichtraucherschutz-Volksbegehen Flyer verteilte und sie sich mit den Zielen dieser Partei auseinandersetzte. „Ab dann wusste ich, die ödp ist meine Heimat, denn ich habe niemand anders gefunden, der meine Interessen so gut teilt“, präzisierte die Powerfrau, die auch noch Organistin in drei Pfarrkirchen ist, ihre Entscheidung. Mit der Stimme für die ödp mache man „denjenigen, die derzeit an der Macht sind“ deutlich, dass es in der Bevölkerung auch noch andere Meinungen gibt und bringe sie bestenfalls zum Handeln. Der Vorbehalt, das Kreuzchen bei der ödp sei verschenkt, stimme auf keinen Fall. Ganz abgesehen davon, könnte die Partei mit einem respektablen Ergebnis am Wahlabend auch noch an der staatlichen Teilfinanzierung partizipieren.

Dem schließt sich am Ende der Veranstaltung Kreisrat Michael Finger an. Seinem Argument, doch wählen zu gehen, denn „Menschen in anderen Ländern müssen dafür ihr Leben riskieren und wir schätzen das Wahlrecht gar nicht mehr“, war nichts mehr hinzuzufügen.

Hildegard Ulsperger

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