Passend zum Sommerwetter

Brunnen und Wasser in der Stadt – heiß diskutiert

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Künstler Reinhard Blank aus Bad Grönenbach (li.) und Markus Wiedemann, Leiter des Tiefbauamts der Stadt Kempten, sind beruflich zu Brunnenspezialisten geworden.

Kempten – Während draußen der von Christine Sandler entworfene Brunnen am Hildegardplatz regelrecht umlagert war von Erfrischung suchenden Menschen, hatten sich im Grünen Haus der Sparkasse nur eine Handvoll zur Gesprächsrunde über das Thema „Wasser im öffentlichen Raum“ eingefunden. Dabei war der Rückblick auf die Brunnenkultur durchaus spannend.

Franz G. Schröck vom Architekturforum zeigte anhand von Beispielen die Entwicklung vom einfachen Wasserloch, aus dem das Nass irgendwie hochbefördert wurde, zum Fließbrunnen als sozialen Treffpunkt mitten im Ort, zu den herrschaftlichen barocken Wasseranlagen, die dem gemeinen Volk nicht zugänglich waren, bis zu den modernen Versionen mit künstlerischem Anspruch. Und davon gibt es auch in der Stadt Kempten eine Vielzahl und eine schier unendliche Vielfalt! 

Unter den historischen Brunnen stechen der Jugendstilbrunnen aus dem Jahr 1905 am Sankt-Mang-Platz und der vor dem Rathaus aus dem Jahr 1576 hervor. Während deren künstliche Qualität unumstritten ist, wird über die jüngeren Modelle gern kontrovers diskutiert – befinden sich doch an der Schnittstelle zwischen Kunst, Skulptur und Architektur. 

Der am Impulsvortrag beteiligte Künstler Reinhard Blank aus Bad Grönenbach bekommt private Aufträge von Leuten, die Brunnen lieben und die Kosten für den Unterhalt nicht scheuen. Er bevorzugt eine möglichst unauffällige Gestaltung – „damit die Augen nicht ermüden“ – die dennoch eine starke Atmosphäre erzeugt. Die Brunnen sollen sich, so seine Philosophie, nicht hervortun und ohne Erklärungen „einfach stimmen“. 

Für Markus Wiedemann, Leiter des Kemptener Tiefbauamts, sind die Brunnen wichtige Elemente der Stadtgestaltung, die von den Menschen sehr stark wahrgenommen werden, oft aber auch richtige Sorgenkinder. Die 36 Anlagen, für deren Unterhalt und Betrieb die Stadt Kempten zuständig ist, sind nämlich mehr oder weniger störanfällig. Jährlich werden 250.000 Euro für die technisch aufwändige und arbeitsintensive Wartung eingeplant. Dabei sind Sicherheit und Hygiene z. B. der 15 Trinkwasserbrunnen problematische Aspekte: Zu wenig genutzt, leidet deren Wasserqualität. Um ab Mitte April alle Brunnen zum Laufen zu bringen, wie es die ungeduldige Bevölkerung wünscht, wären deutlich mehr Personal und Geld nötig. 

In der Diskussion mit dem offenbar sachkundigen Publikum fiel auf, dass hinter einigen der neueren Anlagen zwar originelle Gedanken stecken, die technischen Tücken jedoch so heftig sind, dass die Ideen buchstäblich verwässert werden. Ein Beispiel ist die Cumuluswolke vor dem Theater von Stefan Huber. Ursprünglich sollte in regelmäßigen Abständen Regen aus den Düsen auf den Platz fallen. Nun sind die Düsen verkalkt und veralgt, der Regenspender ist zum mickrigen Sprinkler geworden … und die Idee dahin. 

Der beliebte klassische Marktbrunnen auf dem Hildegardsplatz mit den spielenden Kindern unter dem Baum und den Trinkwasser spendenden Tierfiguren am BeckenrandS bekam von einem der anwesenden Künstler das Etikett „missraten“. Die Nachbildung eines Mühlrads und das Bächle an der Gerberstraße empfanden viele als „Elend“. Das harmlos klingende Thema „Wasser und Brunnen“ ist, wie bei dieser Veranstaltung recht klar wurde, spannend und durchaus konfliktträchtig.

Kommentar 

Im demnächst neu gestalteten Stadtpark wird auch das Thema Wasser untergebracht und unmittelbar vor der Sparkasse ein Wasserspiel, eine Art „Spielbrunnen“ gebaut. Mal sehen, ob der dann Gnade findet vor den Augen des „gemeinen Volks“ und zugleich Gnade vor den Augen der Fachleute aus Kunst und Architektur. Natürlich mit keinem Wort erwähnt wurde an diesem Abend der alte, kurzerhand Anna-Maria Schwegelin umgewidmete Brunnen vor der Residenz. Ohne den ursprünglich dafür vorgesehen und dann von den Stadtvätern als „zu teuer“ abgelehnte Aufsatz – ein mächtiger stilisierter Flügel aus Bronze – bieten er auch keinen Anlass zum Disput. Beides kann ja noch kommen …

Elisabeth Brock

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