Pendler oder Camper?

Wohnmobilpark am Illerdamm soll vergrößert werden

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Künftig mit Duschen, WC und W-Lan: Der Wohnmobilpark am Illerdamm.

Kempten – „Globetrottel“, so habe man in seiner Generation früher die Wohnmobilfahrer bezeichnet, sagte bei der jüngsten Tagung des Bauausschusses ÖDP-Stadtrat Michael Hofer.

In der Sitzung ging es um die Erweiterung des Wohnmobilparks am Illerstadion. Von den Vorzügen des Standorts konnte ihn die Leiterin von Kempten Tourismus, Stefanie Schmitt, zwar nicht restlos überzeugen – Hofer stimmte mit seinem Grünen-Gremiumskollegen Theo Dodel-Hefele gegen den Ausbau des jetzigen Parks – der Rest des Gremiums befürwortete aber das Vorhaben. 

„Ich bezweifle, dass die Wohnmobil-Touristen so viel Geld ausgeben“, zeigte sich Michael Hofer zunächst skeptisch gegenüber den Zielen von Kempten Tourismus. Mit einem attraktiveren und größeren Wohnmobilpark will man entsprechend der strategischen Ausrichtung der Stadt mehr kaufkräftige Urlauber nach Kempten locken. „Das Wohnmobil ist heute kein Ersatz mehr für ein Hostel oder Hotel“, erklärte Stefanie Schmitt – bekräftigt von Siegfried Oberdörfer von der SPD – auf Hofers Zweifel hin und zitierte aus einer Studie des Deutschen Tourismus-Verbands. Der Wohnwagen-Tourismus habe einen Imagewandel durchgemacht, heutzutage stehe vor allem das Freiheitsgefühl im Vordergrund. 50 Euro gebe ein Wohnmobilist bei einem Städteaufenthalt pro Tag aus. 

Die Hauptzielgruppe im Alter zwischen 50 und 70 sei laut der Studie mit einem monatlichen Nettoeinkommen von oft mehr als 3000 Euro sehr kaufkräftig, verreise oft bis zu elfmal im Jahr für eine kürzere Dauer und unternehme jährlich oft zwei bis drei längere Campingreisen. Allein schon die Preise der Gefährte würden Auskunft über die finanzielle Situation ihrer Halter geben, fügte Baureferent Tim Koemstedt an. Im Moment schreckten die engen Wohnmobil-Plätze am Illerdamm einige Urlauber ab, so Schmitt. Die neun Stellplätze würden im Sommer oft nicht ausreichen, sodass auch Parkplätze belegt würden. Weil die umliegenden Städte ihre Campingplätze derzeit aufrüsteten, hält es Schmitt auch in Kempten für nötig, mehr Platz – sprich mehr Privatsphäre für die Camper – , Toiletten, Duschen und W-Lan sowie einen Aufenthaltsbereich samt Infotafel anzubieten. Nach den derzeitigen Plä- nen sollen die sanitären Anlagen in der Gaststätte des Illerstadions unterkommen. 

Was Theo Dodel-Hefele und letztlich auch Michael Hofer Sorge bereitete, war der Wegfall von Pendler-Parkplätzen am Illerdamm. Für die künftig insgesamt 13 Ganzjahrescampingparzellen sollen laut Plan 44 bestehende Parkplätze geopfert werden. Für 13 weitere Sommerparzellen, fallen in der warmen Saison 38 weitere Autoparkplätze weg. „Ein Pendler muss jeden Tag weiter laufen, ein Urlauber hat Zeit“, so Dodel-Hefele. Er schlug deshalb vor, einen Teil des Wohmobilstellplatzes am Engelhaldepark zu errichten, weil auch dort Infrastruktur vorhanden sei und Wohmobil-Urlauber stets Fahrräder, Roller oder ein Auto dabei hätten und so ins Zentrum gelangen könnten. „Camper, die ins Grüne wollen, haben im Außenraum viel mehr Möglichkeiten“, hatte Schmitt im Vorfeld dargelegt. Sie hält gerade die Zentrumsnähe des Illerdamms und seine Infrastruktur mit Spielplatz, Supermarkt, ÖPNV-Anbindung und dem Illerradweg für einen Vorteil. Wie Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann darlegte, habe die maximale Parkplatzauslastung am Illerdamm zu Zeiten ohne Parkgebühren bei 60 Prozent gelegen. „Mittlerweile ist im nördlichen Bereich alles frei.“ 

Für CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier hatten strategische Ziele der Stadt Vorrang: „Wir werben dafür, dass die Pendler auf den Bus umsteigen und wollen Touristen anlocken.“ Vorkehrungen, die die Aufenthaltsdauer der Camper beschränken, interessierten schließlich Hofer. „Wandelnde Völker wollen wir auch nicht auf dem Platz“, erklärte Schmitt. Schranken mit einem Ticketsystem sollen dafür sorgen, dass nur Befugte den Platz benutzen, die Aufenthaltsdauer sei per Platzordnung beschränkt. Darin sind auch Regeln zum Lärmschutz, Feuer und Wäsche-Aufhängen enthalten. Die Platzgebühr solle im zweistelligen Bereich angesiedelt werden, um auch so zu verhindern, dass die Leute zu lange bleiben. In letzter Konsequenz könne der Ordnungsdienst hinzugezogen werden. Mit der Abstimmung hat der Bauausschuss dem Stadtrat schließlich empfohlen, den Aufstellungsbeschluss zu fassen. Tut er dies, könne das Vorhaben laut Antje Schlüter, Leiterin des Stadtplanungsamts, im Frühjahr der betroffenen Öffentlichkeit und den betroffenen Trägern öffentlicher Belange für etwaige Einwände vorgelegt werden. Ihr „Nein“ bei der Abstimmung sei letztlich nur noch der Standortfrage geschuldet, wie Dodel-Hefele und Hofer betonten. 

suk

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