Weichenstellung entscheidend für Erfolg

Tourismuswirtschaft Bayerisch-Schwaben in Bestform

+
Wie kann die Tourismusbranche die Herausforderungen der Zukunft bewältigen? Darüber sprachen (v.l.) Jochen Deiring, Bezirksgeschäftsführer Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V. Bezirksgeschäftsstelle Schwaben; Johann Britsch, Bezirksvorsitzender Schwaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes; Klaus Holetschek (MdL, CSU), Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben; Robert Frank, Vizepräsident der IHK Schwaben. Die Moderation hatte Dr. Peter Lintner, Geschäftsfeldleiter Standortpolitik bei der IHK Schwaben.

Kempten – Die Tourismuswirtschaft in Bayerisch-Schwaben, das Allgäu inbegriffen, boomt seit Jahren. Es komme nun entscheidend darauf an, in diesem Wirtschaftszweig, der mit rund zehn Prozent am Bruttosozialprodukt beteiligt ist und Arbeitsplätze schafft,

die Weichen für die Fortsetzung des Trends richtig zu stellen, unterstrich Dr. Peter Lintner von der IHK Schwaben in seiner Einleitung zum Pressegespräch am Montag in Kempten.

Darüber sprachen Robert Frank, Vizepräsident der IHK Schwaben; MdL Klaus Holetschek (CSU), Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben; Johann Britsch, Bezirksvorsitzender Schwaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, sowie Jochen Deiring, Bezirksgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern e.V.

Im Gastgewerbe sei die Geschäftslage stabil, die guten Vorjahreswerte konnten gehalten werden, und man blicke überwiegend optimistisch in die Zukunft, so Ulrike Weber, bei der IHK Branchenbetreuerin Tourismus und Freizeitwirtschaft, anlässlich der Vorstellung des Sommer-Umfrageergebnisses. Dies habe auch eine gesteigerte Investitionsbereitschaft zur Folge. Allerdings wirkt sich die erfreuliche Entwicklung nicht automatisch auf die Erlöse aus, dämpfte Robert Frank die Euphorie. Dennoch, auch er will diese positiven Signale der letzten Jahre nicht kleinreden. Gewinner im Bereich Tourismus ist eindeutig der Reisemarkt mit guten Zuwachsraten, wobei die schwierige Sicherheitslage in anderen beliebten Urlaubszielen sicher mit ausschlaggebend war. Dabei macht sich eine Trendwende bemerkbar: die Buchungen am Schalter, mit dem Vorteil einer individuellen Beratung, nahmen zu, wogegen das Onlinegeschäft leicht rückläufig war.

Werben um Fachkräfte löst fast Werben um Gäste ab

Der Fachkräftemangel gefährdet zunehmend den wirtschaftlichen Erfolg in der Gastronomie, warnen die Redner unisono. Auch die Entwicklung auf dem Rohstoff- und Energiesektor behält man in der Branche wieder im Auge, beobachtet Weber. Während in der Reisebranche nur ein Drittel der Unternehmer fehlende Fachkräfte als Belastung ansehen, bewerten über drei Viertel der Gastronomiebetriebe dieses Faktum als Bedrohung. Dies mit der vorhandenen Personaldecke kompensieren zu können, werde kaum gelingen, war man sich einig. Deshalb müssen zunehmend Maßnahmen, wie Zimmerstilllegungen, Ausdünnung der Tische im Lokal, Reduzierung des À-la-carte-Geschäfts und Umstellung auf Selbstbedienung in Betracht gezogen werden, so Robert Frank, der als Geschäftsführer des Parkhotels Frank, Oberstdorf, die Situation aus dem Effeff kennt. Johann Britsch erlebt als Geschäftsführer des Hotel-Landgasthofs „Hirsch“, Neu-Ulm, die Auswirkungen des Facharbeitermangels ebenfalls hautnah: „Der Markt ist da, aber wir können die Gäste nicht bedienen.“ Er bedauert: „Das Kulturgut Gastronomie in seiner ursprünglichen Form verschwindet immer mehr.

Dauerbrenner Arbeitszeitgesetz und Bürokratie

Die Forderung, das restriktive Arbeitszeitgesetz, welches häufig den Einsatz von Aushilfen blockiere, zu lockern, wurde von allen unterstützt. Der Mitarbeiter müsse ein Mitspracherecht haben, wenn es um seine Arbeitszeit geht. Weg von der starren Zehn-Stunden-Regelung wäre ein Ansatz. Ohne Fachkräfte aus dem Ausland werde die Branche nicht auskommen. Allerdings, um dort fündig zu werden, müssten Anreize geschaffen werden. Die Wohnraumsubventionierung, wie sie Frank ins Gespräch brachte, wäre eine Möglichkeit. Ein weiteres Problem, das der Tourismuswirtschaft unter den Nägeln brennt, ist die ausufernde Bürokratie, die Kapazitäten blockiert und Kreativität lähmt. Besonders kleinere Betriebe haben damit ihre Schwierigkeiten. Die Forderung nach Vereinfachung ist einhellig. Jochen Deiring kennt eine lange Litanei von Vorschriften. Besonders für kleinere Betriebe seien „sinnlose“ Dokumentationen, wie z.B. im Abfallrecht, ein Zeitproblem.

Klaus Holetschek: Tourismus ist Leitökonomie

Für Klaus Holetschek ist vor dem Hintergrund glänzender Zahlen – gegenüber dem Vorjahrszeitraum ein Plus von 2,8 Prozent bei den Übernachtungen, ein Plus von fünf Prozent bei den Ankünften – und großer Zukunftsaufgaben, die gesetzliche Verankerung des Tourismus als Pflichtaufgabe für die Kommune unverzichtbar. Eine verlässliche Finanzierung touristischer Aufgaben ist für ihn eine Notwendigkeit. Er bewertet den Tourismus als Leitökonomie. Sowohl Einzelhandel als auch Dienstleister profitieren von dieser Querschnittsbranche. Als weiteren Schritt kündigt er an, sich mit allen Beteiligten der Tourismuswirtschaft – Bürgermeistern, Touristikern, dem Wirtschaftsministerium, der IHK und Verbänden wie dem BHG – an einen Tisch zu setzen, um gemeinsam Zukunftskonzepte zu entwerfen.

Hildegard Ulsperger

Auch interessant

Meistgelesen

Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Jugendlicher „leiht“ sich Motorrad und baut Unfall
Jugendlicher „leiht“ sich Motorrad und baut Unfall
Skandalumwittertes Gemälde und stiftische Historie locken viele Besucher an
Skandalumwittertes Gemälde und stiftische Historie locken viele Besucher an
Altusrieder Schüler sammeln für Kinder in Ghana
Altusrieder Schüler sammeln für Kinder in Ghana

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.