Vom Beten und von Heuchlern

Peter Hahne in der Big Box Allgäu: "Leben mit Gott und nicht für den Mainstream"

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„Ich war 46 Jahre der Bote schlechter Nachrichten“, resü- mierte Peter Hahne in der Big Box Allgäu. Und er spreche immer noch aus, was er denkt.

Kempten – Einer der prominentesten deutschen Journalisten hatte am Mittwochabend in der Kultbox vor 600 Zuhörern zum Thema „Keine Zukunft ohne Herkunft – Welche Werte wir nicht aufgeben dürfen“ viel zu erzählen. Eingeladen worden war Peter Hahne von der Initiative Gebet Allgäu in Kempten. Natürlich ging es in dem Vortrag über Gott, Glaube und Beten, doch der ehemalige Hauptstadtkorrespondent hielt den Gästen auch einige aus seiner Sicht unschöne Realitäten der Gesellschaft vor – zum Glück verpackt mit viel Stoff zum Lachen. Aber wie so oft gehe es dem Allgäu ein bisschen besser.

Für gute Laune sorgten als Vorprogramm die Thingers Gospel Singers um Martin Babel. Für ihre Darbietung bekam der Chor auch prompt ein Lob von Hahne, bevor er loslegte: „Das war richtig Qualität.“ Hahne stieg sogleich ins Thema ein und erklärte, warum Beten wichtig sei. Bei den großen Fragen zur Gesellschaft mache das Gebet den Unterschied. „Weil der Mensch nicht immer das Maß aller Dinge sein kann, braucht er eine höhere Instanz, die ihm die Richtung weist.“ Bevor dem Publikum klar werden konnte, was er damit genau meint, kam er auf das Allgäu zu sprechen. Hier gebe es noch Politiker mit christlicher Ausrichtung und ehrliche Journalisten, die Menschen wüssten noch um Werte und Herkunft. 

Über Entwicklungsminister Gerd Müller stieg Hahne in seinen Feldzug gegen die Politik ein. An Müller habe sich seiner Meinung nach zu Recht niemand herangewagt bei der Neubesetzung der Ministerien der aktuellen Regierung. „Aber das gibt es heutzutage nur noch ganz selten“, sagt Hahne.

"Lauter Heuchler" 

Hahne regt sich über „Heuchlerei“ auf und sorgte sich um verstorbene, einst große Politiker, die sich seiner Meinung nach im Grabe herumdrehen würden, wenn sie sehen könnten, was alles den Bach runter gegangen sei. Der Bildungsnotstand gehe nicht mehr schlimmer, obendrein würde Ministerpräsident Markus Söder Jugendliche auf der Zugspitze auch noch mit den Worten „Ich bin der Markus“ begrüßen. 270.000 der Besten hätten 2018 die BRD verlassen, behauptet er. 

Reine Heuchlerei und das Fördern von Parallelgesellschaften seien die Bemühungen um Inklusion in den Schulen: „Keiner der Berliner Politiker schickt seine Kinder an Schulen mit Inklusionsklassen oder an Problemschulen“, behauptet Hahne. Seine Lösung: Genau diese Kinder müssten an die Problemschulen, wo der Lehrermangel besonders groß sei. 

Und die schlimmen SUVs seien kleine Fische, wenn man bedenke, wie oft die Politiker in der Businessclass zwischen Berlin und Bonn hin und her jetteten. 

Auch seine Berufskollegen bekamen ihr Fett ab. Beim „Spiegel“ und „der Zeit“ seien nach seiner Ansicht Verbrecher am Werk, die ihren Beruf nicht ehrlich ausübten. „Im Allgäu kann sich das kein Journalist leisten, er läuft seinen Lesern täglich über den Weg“, freut sich Hahne für die Allgäuer. 

Viele Menschen würden sich heute fragen, wem sie noch vertrauen können. „Wir ertrinken in der Informationsflut, der Mainstream ist die neue Religion, aber darin finden wir keinen Halt mehr“, betonte er. Und es komme noch besser. Drei Meinungsforschungsinstitute hätten angeblich in einer Studie ein schockierendes Ergebnis ans Licht gebracht: Dreiviertel der Deutschen würden sich nicht mehr trauen, ihre Meinung frei zu äußern. Unter anderem sei man seiner Ansicht nach zu schnell ein Nazi.

Was hilft: Das jüngste Gericht

Der bekennende Christ sucht und findet seinen Halt im Glauben und im Gebet. „Beten ist nicht von vorgestern, wie manche meinen. Im Gebet habe ich eine Adresse, an die ich alles loswerden kann.“ Eine wissenschaftliche Studie aus den USA besage, dass betende Menschen gesünder seien und länger lebten.

Mit dem ehemaligen SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel unterhält Hahne sich besonders gern über das Leben mit Gott. Der über 90-jährige Vogel habe keine Angst mehr vor dem Tod, weil er Jesus kenne. Johannes Rau habe im Gespräch mit Hahne betont, dass der wichtigste Termin der Zukunft das jüngste Gericht sei. „Hier muss sich jeder verantworten.“ Was würde es bedeuten, wenn alle Menschen nur eine Woche lang konsequent danach handeln? „Wir hätten das Paradies auf Erden und bräuchten auch keine Gesetze mehr für zu hohe Boni von Managern“, schwärmte Hahne. Die Anleitung zu diesem paradiesischen Leben bö- ten laut ihm die „genialen“ zehn Gebote. „Hier steht kurz und knackig drin, was sich gehört und was nicht.“ Die längere Version biete natürlich die Bibel, deren Botschaft bleibend aktuell sei.

Lieber alte Kirchenrituale als Greta Thunberg?

Eine saftige Ohrfeige erteilte Hahne aber trotzdem einigen Würdenträgern der Kirche. Ein Bischof würde öffentlich Angst vor dem Islam zeigen, der nächste Greta Thunberg als „Übermenschen“ huldigen. Der Hype um Greta sei für ihn pure, haltlose Stimmungsmache. Gleichzeitig richtete er einen Appell an die Kirchen, ihre Rituale beizubehalten. Die Menschen müssten den jungen Leuten etwas „Heiliges“ hinterlassen.

Greta bewege aktuell Millionen Menschen auf der Welt, die in ihrem praktischen Verhalten zum Klimaschutz sicher noch nicht perfekt seien, wohl aber ausdauernd eins der wichtigsten Ziele dieser Zeit anstreben. Es sei die Frage erlaubt, ob denn triste Predigten von (einsamen) Priestern, die viele Kirchenaussteiger aber wenig junge Kirchgänger hervorriefen, ein besseres Mittel zur Rettung der Welt seien. 

"Was ich sagen wollte"

So beginnt Peter Hahne seine letzten Sätze. „Machen Sie keinen Punkt unter diesen Abend, sondern einen Doppelpunkt und lassen Sie das Christentum wieder lebendiger werden. Wer der nachfolgenden Generation Hoffnung verschafft, sich selber eine glänzende Zukunft.“ Der Abend mit einem Referenten, der einen großen Schatz an alten Geschichten dabei hatte, die hier kaum alle erzählt werden können, endete selbstverständlich mit einem Gebet und eine gemeinnützige Organisation darf sich über eine Spende der Gäste von insgesamt 4610 Euro freuen.

Annette Mayr

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