Hobby-Imker

"Katholische Bienen" im Garten Pfarrer Dr. Martin Awa

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Pfarrer Dr. Martin Awa kümmert sich als Hobby-Imker in seinem Dietmannsrieder Pfarrgarten um zwei Bienenvölker.

Dietmannsried – Zu seinem Hobby, der Imkerei, ist Pfarrer Dr. Martin Awa rein zufällig gekommen.

Als er im Jahr 2012 die Pfarreiengemeinschaft (PG) Dietmannsried übernommen hat, meinte die damalige Mesnerin Marlies Rauh: „Ihr Garten ist so schön, da könnten Sie doch Bienen halten!“ 

Ihr Ehemann, der selbst Imker ist, hat dem Geistlichen dann zwei Völker überlassen, die er seit nunmehr vier Jahren im Pfarrgarten hält. „Montags habe ich Zeit für die Bienen“, erzählt der Priester. Die Imkerarbeit an seinem freien Tag sei sehr beruhigend für ihn. Dann könne er alles um sich herum vergessen, schwärmt Awa. Der leitende Pfarrer der PG Dietmannsried wurde 1962 in Nigeria geboren und wuchs dort mit seinen Eltern und drei Schwestern und drei Brüdern auf. Nach dem Eintritt in das dortige Priesterseminar entsandte ihn sein Bischof 1984 zum Studium nach Innsbruck, wo er bei der Ordensgemeinschaft der Jesuiten lebte. Kaplan Bonetti, der in Dornbirn das „Haus der jungen Arbeiter“ mit Sozialwohnungen für Obdachlose aufgebaut hat, unterstützte den jungen Nigerianer während dieser Zeit sehr. Die Priesterweihe empfing Martin Awa im Juni 1989. Nach einer Zeit in Nigeria ist der Geistliche seit 2008 wieder in Europa: zuerst wirkte er in Lindau, bevor ihm vor sieben Jahren die Leitung der PG Dietmannsried übertragen wurde. 

Seine Heimat und seine Verwandten besucht Pfarrer Awa einmal im Jahr. Er verzichtet dann bewusst auf einen Fernseher, lebt abgeschieden auf dem Land und ganz anders, als er es sonst gewohnt ist. Eng mit der Schöpfung verbunden sei seine Aufgabe als Imker, stellt der 56-Jährige bei einem Besuch im Dietmannsrieder Pfarrhof fest. Denn er sorgt mit seinen Bienen für den Fortbestand von Sträuchern oder Bäumen und für die Befruchtung der Blüten. Bei der Frage nach dem aktuellen Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ist der Pfarrer diplomatisch: „Die Dinge sollten so sein, wie es die Natur braucht.“ Auch Wildkräuter haben auf der Wiese in seinem Pfarrgarten ihren Platz – so leuchtet der Löwenzahn an diesem sonnigen Tag im satten Gelb und lockt die Bienen an. Das gebe dann im Juni bei der ersten Ernte einen schönen hellen Löwenzahn-Honig, so Awa. Die zweite Ernte erfolge im August und beschere dem Hobby-Imker insgesamt 15 bis 20 Kilogramm Honig für den Eigenbedarf, fährt er fort. 

Ab September oder Oktober würden sich die Bienen auf den Winter vorbereiten und kräftiger werden, um diesen zu überstehen. „Ich bin immer noch auf die Hilfe von erfahrenen Imkern angewiesen. Sie sagen mir, was wann zu tun ist“, sagt Martin Awa. Als Mitglied im Imkerverein erhält er alle nötigen Informationen von seinen Kollegen. An seinem freien Montag beschäftigt er sich intensiv mit seinen beiden Völkern. Der Pfarrer schaut, wie sie sich entwickeln, gibt ihnen Wasser und beobachtet, wie die Insekten summen und ob sie gut ausfliegen. „Meine Bienen sind wie die Menschen, um die ich mich kümmere“, vergleicht er. „Sie sind mir ganz nah und können zu mir kommen.“ Manchmal seien die Insekten – ganz wie die Menschen – ruhig, ab und zu seien sie auch wild. „Wenn sie mich stechen, verteidigen sie sich nur“, erklärt der Pfarrer das Verhalten. Im Bienenstock herrsche immer eine konstante Temperatur, erklärt der Imker. Zu Isolierung werde dann eine Schicht Zeitung hineingelegt. „Dann können sie ein bisschen lesen“, kommentiert er mit einem Lachen. „Wussten Sie, dass meine Bienen katholisch sind?“, fragt Awa augenzwinkernd und klärt dann auf: „Sie lesen manchmal die Sonntagszeitung und sie haben es nicht weit zur Kirche, zum Pfarrhof oder zum Friedhof.“ 

Sabine Verspohl-Nitsche

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