Vom Pferdewagen zur Rakete

„Man muss die Gelenke bewegen, jeden Tag frische Luft schnappen und über eine große Gelassenheit verfügen.“ - Das ist eins von Paul Baiers Rezepten für ein langes Leben. Kemptens ältester Bürger muss es wissen: Vergangene Woche feierte er im Margaretha- und Josephinenstift seinen 104. Geburtstag.

Seine Gratulanten, darunter OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), überraschte der rüstige Jubilar mit einer Laudatio, die er auf seiner Schreibmaschine verfasst hat. Die Gäste ihrerseits bedankten sich mit einem schmissigen „Happy Birthday lieber Paul“, flott umrahmt von Heimmitbewohnerin Felicitas Zawitzki am Klavier. „Vom Pferdewagen bis zur Rakete ist mir alles in Erinnerung“, plauderte der Jubilar launig aus seinem langen Leben. Das Schlimmste seien die beiden Weltkriege gewesen, die er dank seiner Schutzengel glücklich überstanden habe. Ein Leben lang sei er Optimist geblieben, getreu dem Zitat „Heiterkeit ist der Himmel, unter dem alles gedeiht.“ Paul Baier wurde 1905 als eines von sieben Kindern in Steinberg (Kreis Ulm) geboren. Nach einer Lehre als Schriftsetzer trat er 1923 der Reichswehr als Berufssoldat bei. Während des Zweiten Weltkriegs war er in Polen, Frankreich und Russland eingesetzt. 1954 wurde er zum Aufbau des Technischen Hilfswerks und der Bundeswehr nach Kempten berufen, wo er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. 1935 hatte Baier seine große Liebe Hermine geheiratet. Mit ihr konnte er 1995 noch die Diamantene Hochzeit feiern, bevor sie ein Jahr später verstarb. 2007 zog der Ruheständler ins Seniorenwohnheim. Dort hat er als Zeitzeuge seine Erinnerungen für ein geschichtliches Buch niedergeschrieben. Noch immer ist Paul Baier lebhaft am politischen Geschehen interessiert: „Hinter die Präsidentenwahl in Amerika stelle ich ein großes Fragezeichen, Präsident BUSH hat die ganze Welt durcheinander gebracht.“ Zur Gratulantenschar zählten auch die zwei Söhne samt fünf Enkeln und sieben Urenkeln. Unter den Präsenten fanden sich auch ein Teeservice mit Bayernwappen vom Ministerpräsidenten. Edle Tropfen aus der Wein-Patenstadt Bad Dürkheim überreichte Dr. Netzer. Der freute sich, Paul Baier bei guter Gesundheit anzutreffen: „Die ganze Stadt freut sich mit Ihnen.“ Kempten stehe bei ihm in hohem Ansehen, konterte der Jubilar, „denn das ist die Stadt, in der die Römer zuerst waren.“

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