Unbekannte Fundstücke

"Ungewöhnliche" Werke

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(v.l.) Jérôme Guichard (Oboe), Júlia Gállego (Flöte), Özgür Aydin (Klavier), Andrea Zucco (Fagott) und Harri Mäki (Klarinette) berührten die Zuhörer mit „Eine kleine Trauermusik“ des Composer-in-Residence“ Milan Mihajlović.

Kempten – Beim gelungenen Auftakt des 9. Internationalen Festivals der Kammermusik am letzten Sonntag, lud Festivalorganisator Dr. Franz Tröger die Besucher an einen reich gedeckten Tisch mit musikalischen Fundstücken aus Südosteuropa ein.

Diese Einladung lockte am Mittwoch erneut viele Besucher ins TIK, um gemeinsam die, vom künstlerischen Leiter Oliver Triendl ausgegrabenen, Fundstücke zu erkunden.

Der Abend begann mit der eingängigen „Ouvertüre zu Porin“ des kroatischen Komponisten Vatroslav Lisinski. Mehr und mehr Musiker waren seit dem Auftaktkonzert vergangenen Sonntag zum Festival angereist, wie die Besetzung des Streichoktetts zeigte, die Lisinski als „Schöpfer eines kroatischen Nationalstils“ eindrucks- voll wiedergab. Die Ouvertüre, mit Klängen zwischen Frühromantik und Volksmusik, war für das Publikum ein gefälliger Start in den Abend. Ein rumänisches Pendant dazu, war das Stück „Aubade“ von George Enescu.

Manchmal mussten die Besucher jedoch etwas tiefer graben, um Zugang zu den Fundstücken zu finden. Bei der „Kleinen Trauermusik“ des „Composer-in-Residence“, Milan Mihajlović, schien es, als würde eine Wolke der Wehmut die Sicht etwas verdunkeln. Der Applaus lies erken- nen, dass die Zuhörer, vielleicht in Erinnerung an persönliche schwere Stunden, trotzdem Zugang zu dem Stück fanden.

Beim „Bläserquintett“ hat die serbische Komponistin Ljubica Maric die Instrumente, so schien es, Jäger und Hase spielen lassen. Es ging flott dahin, der Hase gönnte sich beim Adagio aber immer wieder eine kleine Pause. Dem Hornist Hervé Joulain sah man die Begeisterung an, in Kempten „jedes Jahr erneut einige Wunder“ zu erleben, wie er im Interview mit dem Kreisboten vergangene Woche meinte. Große Spielfreude zeigte auch Andrea Zucco, als er mit seinem Fagott fabelhaft das Stück „Drei Elegien“ vortrug.

Mit dem „Klavierquintett h-Moll“ verabschiedeten sich die Künstler mit einem im- posanten Werk der ungarischen Komponistin Dora Pejačević. Trotz melancholischer Momente blieb das Stück nie in der Schwermut hängen, und war ein gelungener Abschluss des zweiten Konzertabends.

Neben den „ungewöhnlichen“ Werken – um eine Zuhörerstimme aufzufangen – waren es erneut die phantastischen Musiker, die diesen Abend zu einem Erlebnis machten. Und ein Com- poser-in-Residence, der in aller Bescheidenheit – ganz ohne Künstlerschal – die Sympathien des Publikums gewann.

Cordula Amman

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