Philosophische Wortwechsel

Auch bei Thomas Heichele, M.A., der in die Fußstapfen des im Oktober vergangenen Jahres plötzlich verstorbenen Philosophie-Dozenten Helmuth Fuchs getreten war, wurde im Philosophischen Café munter diskutiert – oder besser philosophiert. Anknüpfend an die beiden vorangegangenen Treffen begann der Diskurs mit dem Versuch, Glaube und Vernunft in der Theologie der Aufklärung zusammenzubringen.

„Religion fängt mit Gott an“, meinte eine Zuhörerin, dagegen der Wissenschaftler mit Vernunft. Je weiter letzterer aber gehe, umso mehr komme er darauf, dass es Gott gebe. Die Möglichkeit durch diesen anderen Ansatzpunkt zu Gott zu gelangen, bestritt Heichele nicht. „Aber es ist kein Naturgesetz, dass er das tut wenn er lang genug forscht“, stellte er die Absolutheit der Aussage in Frage. Und damit war die Runde aus gut 15 Philosophiebegeisterten auch schon mittendrin. Von allen Seiten wurden die „zwei völlig verschiedenen Denkansätze“ beleuchtet, logisch untermauert, um gleich wieder zerpflückt zu werden. Gegensätze seien die beiden wohl eher nicht, da Glaube nicht auf reinem Denken beruhe, meinte eine andere Mitstreiterin. Gleichermaßen könne Vernunft Gott nicht ausschließen, sondern nur sagen „er ist plausibel oder nicht“, warf Heichele ein. Es gebe auch eine so genannte negative Theologie, die sich im Versuch, Vernunft und Theologie zu verbinden, mit der Frage beschäftige, „wie oder was Gott nicht ist“. Auch wenn der philosophische Wortwechsel noch Station machte bei Kosmologie, den Erkenntnissen moderner Naturwissenschaften, den Einflüssen politischer Strukturen auf Denkansätze oder der christlichen und griechischen Philosophie, die den Boden für „den neuzeitlichen Durchbruch bereitet hat“, konnten – ganz im Sinne der Philosophie – keine endgültigen Lösungen gefunden werden, sondern Denkansätze. Reger Schlagabtausch In der näheren Gegenwart angelangt, entbrannte dafür ein reger Schlagabtausch zum Thema Ungleichheit der Geschlechter unter philosophischen Gesichtspunkten. Waren die Frauen bei Aristoteles laut Heichele noch als „verkrüppelte Männchen“ angesehen worden, hätten die Männer bei den Etruskern „alt ausgesehen“, wie ein Zuhörer wusste – eine der vereinzelten Ausnahmen, so Heicheles Anmerkung. Dass heutige Männer eine „historische Verantwortung“ für das tragen müssten, was mit den Frauen sei, forderte eine weibliche Stimme im Kreis. „Eine Gerechtigkeit aus früherer Ungerechtigkeit herzustellen, geht oft nur mit einer neuen Ungerechtigkeit“, gab Heichele zu bedenken, was zwar eine kollektive Verantwortung für Gerechtigkeit bringe, aber „ungerecht gegenüber dem einzelnen ist“. Rasch waren so zwei Stunden verstrichen, in denen sich der 26-jährige Dozent sowohl als aufmerksamer Zuhörer als auch geschickter Gesprächsleiter erwiesen hatte. Mehr zum Philosophischen Programm gibt es auf dieser Seite.

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