Planspiel des Bayerischen Landtags an der Staatlichen Berufsschule 1

"Der Landtag sind wir"

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Schüler der Jahrgangsstufe 11 der Staatlichen Berufsschule I in Kempten nahmen am Planspiel „Der Landtag sind wir!“ teil. Die Forschungsgruppe Jugend und Europa besucht Schulen in ganz Bayern, um den Jugendlichen die Arbeit des Bayerischen Landtages näherzubringen.

Kempten – „In postfaktischen Zeiten ist es gut, wenn unsere Schüler erfahren, wie sich der politische Alltag im Bayerischen Landtag darstellt. Es geht am Ende nicht nur um das ‚Was‘ sondern immer auch um das ‚Wie‘ und ‚Warum‘“, sagt der Abgeordnete und Haushaltspolitische Sprecher der Freien Wähler-Fraktion, Bernhard Pohl. Am vergangenen Montagvormittag hatte sich Pohl gemeinsam mit den drei Abgeordneten Erik Beißwenger (CSU), Ilona Deckwerth (SPD) und Thomas Gehring (Bündnis90/Die Grünen) nach Kempten in die Staatliche Berufsschule I begeben, um am Planspiel „Der Landtag sind wir!“ der Forschungsgruppe Jugend und Europa teilzunehmen.

Im Auftrag des Bayerischen Landtages besucht die Forschungsgruppe alle bayerischen Schultypen, um vor Ort Schülerinnen und Schülern die Arbeit der Parlamentarier näherzubringen.

Demokratie hautnah erleben

Am eindringlichsten geschieht das, indem die Schüler im Rahmen des Projektes selbst in die Rolle von Abgeordneten schlüpfen. Am Beispiel eines fiktiven Gesetzesbeschlusses nach vorheriger Einreichung eines Gesetzentwurfs und Besprechung in Ausschüssen und Fraktionen, konnten die Schüler ganz unmittelbar erfahren, wie Politik gemacht wird, und Respekt gegenüber den demokratischen Entscheidungsprozessen gewinnen. Alle vier teilnehmenden Abgeordneten waren sich einig, dass gerade ein solches Planspiel, bei dem die Schüler wie im Bayerischen Landtag Fraktionen bilden, die alltägliche Arbeit und das „oftmalige“ Ringen mit sich selbst am besten abbildet. „Die Schüler sollen sehen, wie es ist, Kompromisse zu finden“, drückt es Beißwenger aus und Deckwerth ergänzt, dass die Schüler durch Darstellen eines Abgeordneten in dessen Denken hineinversetzt werden.“

Im Anschluss an das Planspiel standen die vier Landtagsabgeordneten den Schülern der 11. Jahrgangsstufe der Staatlichen Berufsschule I dann noch Rede und Antwort.

Jugendliche und Alkohol

Im konkreten Fall sollten die rund 60 Schülerinnen und Schüler über einen fiktiven Gesetzes- entwurf der Freien Wähler befinden. Die verlangten in ihrem Entwurf eine härtere Gangart, wenn es um das Thema „Jugendliche und Alkohol“ geht. So forderten deren Abgeordneten ein Verbot vom Verkauf alkoholischer Getränke in der Zeit von 22 bis fünf Uhr in allen öffentlichen Verkaufsstellen. Sie plädierten zudem für eine Sperrstunde ab zwei Uhr und forderten mehr Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen von Alkoholmissbrauch. Wer im alkoholisierten Zustand Gesetzesbrüche begeht, sollte zudem härter bestraft werden, z.B. mit mehr Sozialstunden.

Nach Eingang des Gesetzentwurfes an die Vertreter der anderen Fraktionen wurde das Thema fraktionsübergreifend in den Ausschüssen diskutiert. „Gerade in den Ausschüssen wird für die Jugendlichen die Demokratie erlebbar“, weiß ein Vertreter der Forschungsgruppe Jugend und Europa zu berichten. Anschließend fanden sich die Abgeordneten der Fraktionen zur finalen Fraktionssitzung zusammen. In dieser wurde festgelegt, wie sich die Fraktion bei der Abstimmung verhält, welche Punkte des Gesetzentwurfes angenommen und welche verworfen werden sollten.

Zum Abschluss des Planspiels fanden sich die jugendlichen „Abgeordneten“ dann zu einer Sitzung des Landtages zusammen, in der jeweils ein Sprecher der Fraktionen das Abstimmungsverhalten seiner Fraktion erläuterte. Danach wurde abgestimmt. Mit einer 3/4-Mehrheit wurde der Gesetzentwurf der Freien Wähler angenommen, nachdem zuvor über zwei vakante Punkt debattiert wurde. „Wir bewerben uns alle zwei Jahre beim Bayerischen Landtag um die Durchführung eines solchen Planspiels“, sagt Schulleiter und Oberstudienrat Hanns Deniffel von der Staatlichen Berufsschule I und der das Projekt betreuende Oberstudienrat Thomas Willimek fügt hinzu: „ Politische Bildung ist uns neben der schulischen Ausbildung sehr wichtig, denn nur wer Demokratie versteht, wird sie verteidigen.“

Jörg Spielberg

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