Planungen konkretisiert

Der aktuelle Planungsstand für die Neubebauung des ehemaligen Geländes des Allgäuer Brauhauses in der Innenstadt. Grafik: Bauverwaltung

Nachdem es fast ein Jahr lang still war um die Umgestaltung des Brauhaus-Geländes, kommt nun wieder Bewegung in die Angelegenheit. Den meisten der von den Projektplanern eingereichten Änderungsvorschlägen konnte der Bauausschuss am Dienstagabend zustimmen. Nicht einverstanden waren die Stadträte jedoch damit, dass das Gelände für Fußgänger nicht mehr diagonal zu durchqueren sein soll.

Wie Stadtplaner Uwe Weißfloch erläuterte, wurden seit der öffentlichen Auslegung vor rund einem Jahr in mehreren Gesprächen die konkretisierten Planungen seitens der Projektentwickler mit allen Beteiligten diskutiert. Im Zuge dieser Vorabstimmung haben sich fünf Themen herauskristallisiert, die zum Teil größere Planungsänderungen mit sich bringen. Gemeinsame Erschließungssituation: Durch die Nutzungen auf dem ehemaligen Brauhaus-Gelände werden nach aktuellem Planungsstand etwa 390 Stellplätze notwendig. 90 Parkplätze sollen abgelöst werden, die verbleibenden 300 in einer eingeschossigen Tiefgarage mit einer zentralen Zufahrt von der Beethovenstraße aus erschlossen werden. Die ursprünglich geplante zweite Tiefgaragenzufahrt an der Hirnbeinstraße wird nicht mehr benötigt. Ein Ziel im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans – die Schaffung eines gemeinsamen zentralen Zufahrtsbereiches für alle Parkhäuser (Zentralhaus, Reischmann) in diesem Bereich – konnte laut Weißfloch nun eine von allen Beteiligten mitgetragene Lösung gefunden werden. Abfahrt bleibt Die bestehende Abfahrt zur Tiefgarage (60 Stellplätze) des Zentralhauses, das künftig übrigens „Allgäu-Tower“ heißen soll, bleibt erhalten. Zudem wird daran vorbeiführend eine neue zentrale Einfahrt in eine dreigeschossige Parkgarage geschaffen. Innerhalb dieser Garage kann sowohl in die Tiefgarage des Brauhaus-Geländes abgefahren als auch in das bestehende Parkhaus (210 Stellplätze) der Firma Reischmann aufgefahren werden. Somit werden alle Stellplätze zentral von der Beethovenstraße über die ehemalige Kellerstraße erschlossen. Tiefgaragenzufahrt Königsstraße: Obwohl alle Betroffenen mit der gemeinsamen Erschließung der Stellplätze einverstanden sind, möchten sich die Planer des Brauhaus-Geländes die Option einer zweiten Tiefgaragenzufahrt offenhalten. Es wird daher an eine zweite Zufahrtsmöglichkeit von der Königsstraße aus (vor der neuen Rechtsabbiegespur) gedacht, die der Bauausschuss auch absegnete. Baufeld 3 (Rückseite Reischmann): Bisher war für das Baufeld 3 eine sechsgeschossige Parkgarage, unmittelbar an der Rückseite der Firma Reischmann angebaut, vorgesehen. Durch sie sollten die Stellplätze für die neuen Nutzungen des Brauhaus-Geländes und der Nutzungserweiterung des „Allgäu Towers“ dienen. Trotz langer und intensiver Verhandlungen mit dem Investor des „Allgäu Tower“ war laut Weißfloch jedoch keine einvernehmliche Lösung zur Errichtung und Finanzierung der Garage zu finden, sodass die oben beschriebenen dreigeschossige Parkgarage zusätzlich zur Tiefgarage unter dem Gelände ausreichend ist. Auf Wunsch des Investor des „Allgäu Towers“ sollen von den noch notwendigen 127 Stellplätze 60 Prozent in der Parkgarage nachgewiesen werden, der Rest soll abgelöst werden. „Wir würden diese Kröte schlucken, da somit nun endlich eine Lösung gefunden wäre“, meinte Weißfloch. Im städtebaulichen Vertrag sei diese Variante außerdem als Ausnahme enthalten. Über der neuen Parkgarage, in den Geschossen vier bis sieben, sind in zwei getrennten Baukörpern nun Wohnungen vorgesehen. Diesen Planänderungen stimmten die Stadträte ebenfalls zu. Gläserne Wand Lärmschutzwand: Die zwei neuen geplanten Baukörper mit Wohnungen, die sich nach Süden orientieren, sind eine weitere Änderung. Im städtebaulichen Rahmenplan war für die Stelle westlich der ehemaligen Kellerstraße eine abschirmende fünfgeschossige Bebauung, im Prinzip als Lärmschutzbebauung zu den angrenzenden Nutzungen vorgesehen. Durch die neuen Planungen entsteht zur ehemaligen Kellerstraße hin eine Lücke, die Weißfloch zufolge wie ein Trichter in den Innenbereich des Areals wirkt. Damit Konfliktsituationen durch die angrenzenden Nutzungen vermieden werden, soll dort nun eine geschlossene viergeschossige Lärmschutzwand aus Glas entstehen. Auch mit dieser Änderung war der Bauausschuss einverstanden. Elisabeth Slavicek (Grüne/FL) sah in der Glaswand, vor allem wenn sie zum Teil begrünt wird, „durchaus eine Bereicherung“. Durchwegung für die Öffentlichkeit: Das ehemalige Gelände des Allgäuer Brauhauses war trotz seiner innerstädtisch zentralen Lage aufgrund seiner bisherigen gewerblichen Nutzung für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Im Zuge der neuen Nutzungen soll sich dies aber nun ändern. Bisher war ein Gehrecht für die Allgemeinheit zwischen der Ecke Hirnbeinstraße/Königsstraße am Sudhaus vorbei über die ehemalige Kellerstraße zur Beethovenstraße festgesetzt. Aktuell wollen die Planer jedoch lediglich einen öffentlichen Weg an der Fasshalle vorbei runter zur Beethovenstraße, also quasi parallel zur Königsstraße. „Dadurch geht der offene Charakter des Areals verloren“, bemängelte Weißfloch. Die Stadträte waren mit der Änderung des Wegs ebenfalls nicht einverstanden. Weder Siegfried Oberdörfer (SPD) noch Erwin Hagenmaier wollen auf den Ost-West-Durchgang verzichten und baten, dass dies in die Überarbeitung des Entwurfs des Bebauungsplans mit eingebracht wird. Ebenso störten sich einige Stadträte an geplanten Zäunen, die die Wohnhäuser abschotten sollen. Dass der Weg durch das Gelände nachts ab 22 Uhr geschlossen sein soll, damit war das Gremium dagegen einverstanden. Der Ausschuss beschloss einstimmig, dass das Gehrecht für die Allgemeinheit insbesondere in Ost-West-Richtung als unverzicht- bar eingestuft wird und Einfriedungen nur in Teilbereichen möglich sind. In den kommenden Wochen werden die Änderungen nun in den Entwurf des Bebauungsplans eingearbeitet. In den zuständigen Gremien – Ausschuss und Stadtrat – soll im Juli schließlich der erneute Billigungs- und Auslegungsbeschluss gefasst werden. Im Herbst könnte der Satzungsbeschluss folgen.

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