Forderung für fairen Handel "auf Augenhöhe" mit Entwicklungsländern

Naturheilmittel auf dem Vormarsch

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Am Ende der Podiumsdiskussion erhielt Florian Knaus (re) für sein Ofenbauprojekt einen Spendenscheck über 7000 Euro von Dietmar Wolz (li), der die bei der Eröffnung von PurNatur dafür zusammengekommenen 3380,60 Euro  aufgestockt hatte. Applaus gab’s dafür auch von den Podiumsteilnehmern (v.l.) Ingeborg Stadelmann, Günther Wolz, Reinhard Büchner und Dr. Gerd Müller.

Kempten – Es war eine sachkundige Runde, die sich auf dem Podium in den neuen Räumen der Bahnhof Apotheke zum Gespräch eingefunden hatte. Hilfs- und Anbauprojekte in Entwicklungsländern, fairer Handel und die Beschaffung von Rohstoffen war der Themenkreis, der über 100 Interessierte in die neuen Räumlichkeiten der Bahnhof Apotheke gelockt hatte.

Wegen der in der hauseigenen Manufaktur hergestellten Stadelmann ®-Aromamischungen verwendeten Rohstoffe aus unter anderem Zentralafrika oder Asien selbst betroffen, merkte Dietmar Wolz, Apotheker und Moderator der Runde, an, dass es aufgrund zunehmender Krisen und/oder Kriege in diesen Regionen immer schwieriger werde die benötigten Rohstoffe zu beschaffen. Sein Bruder, Günther Wolz, der als Entwicklungshelfer in Uganda und Kenia gearbeitet hat und einen Weltladen führt, sah eine Hauptaufgabe darin, „das Bewusstsein dafür zu schärfen“, dass unser Lebensstil auch damit zu tun habe, wie andere Menschen leben und ein fairer Handel „auf Augenhöhe“ unabdingbar sei.

Ingeborg Stadelmann, Vorstand des „Forum Essenzia e.V., sah bezüglich der Qualitätsvorstellungen „Welten aufeinanderprallen“. Sie fragte sich, wie man es den Menschen in Entwicklungsländern sagen könne, „dass wir ihre Produkte schätzen, aber noch Wissen vermittelt gehört“, was die Produktion betreffe. Neben der in der Regel fehlenden Infrastruktur in Entwicklungsländern nannte Rohstofflieferant Reinhard Büchner zwei aus seiner Sicht wesentliche Probleme: die schwankenden Inhaltsstoffe in den Pflanzen, was schon wegen unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit, zu viel oder zu wenig Regen etc. in der Natur der Sache liege sowie „die Sicherheitslage“. Den Anbau müsse man so gestalten, „dass die Inhaltsstoffe, die wir brauchen, auch drin sind und die, die wir nicht brauchen, eben nicht“, wie z.B. Pestizide, was „sehr schwierig“ sei. „Außerordentlich wichtig“ sei es, einen kleinflächigen Anbau zu bevorzugen. Eben erst ist Ofenbauer Florian Knaus nach sechs Monaten aus Tansania zurückgekehrt, wo er ein Ofenbau-Projekt vorantreibt. Rund 50 Prozent der Menschheit koche nämlich nicht auf einem Ofen, sondern mit Feuer, was pro Jahr allein 4,5 Millionen Todesopfer wegen Rauchvergiftung fordere.

Sein Wissen Lehmöfen zu bauen gibt er in Schulungen an die Einheimischen weiter – auch, um der Abholzung entgegenzuwirken. Denn wo einmal Urwald gewesen sei, sei heute Wüste und die Menschen müssten für Wasser kilometerweit laufen. Er habe es sich deshalb zur Aufgabe gemacht, den Menschen Bildung zu schenken und ihnen unter anderem beizubringen, „warum es schlecht ist den Wald abzuholzen“.

Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, MdB, bezeichnete Wolz und Stadelmann als „richtige Pioniere“, denn „wir müssen den Naturheilmitteln und Pflanzen einen anderen Stellenwert geben“ und wieder einen „ganzheitlichen Ansatz“ verfolgen. Wolz betonte, dass es „für uns extrem wichtig“ sei, Naturheilmittel herzustellen, auch wenn es in Apothekerkreisen vor allem wirtschaftlich „sehr umstritten ist“ und der Arzneimittelbereich vom „Pharma-Markt“ dominiert werde. Auch erfordere der hohe analytische Aufwand für Schadstofffreiheit der Naturprodukte vom Kunden eine Akzeptanz für entsprechend höhere Preise. Und wie ein Zuhörer anmerkte, liege ein großes Problem in den Verordnungen.

Müller wollte sich vorstellen, dass im Allgäu statt Mais und Löwenzahn künftig zum Beispiel auch Lavendel für die Herstellung von Aromaölen & Co. angebaut werden könnte. Denn für ihn stand außer Frage, dass der Bereich Naturheilmittel „enorm zunehmen wird“. Einen kleinen Dämpfer erhielt die Vision dadurch, dass Wolz erklärte, dass Vieles nicht angebaut werden könne sondern rund 70 Prozent aus Wildsammlung gedeckt werde. „In der Kultur entwickeln Pflanzen oft andere Inhaltsstoffe“, ergänzte Stadelmann, und da bei uns schon klimatisch bedingt eh nicht alles wachse, brauche man auch das Ausland als Lieferant.

Christine Tröger

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